Wildwuchs am Wild vorbei

Dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist, zeigen die Naturschutzprojekte, die im Zuge des ersten Streckenabschnitts der B 50 neu umgesetzt werden. Es geht nicht darum, der Wildbrücke beim Autobahnkreuz jeglichen Sinn abzusprechen.

Aber die Frage angesichts leerer Kassen muss lauten, wo sich im Umkreis dieses Straßenbauprojekts für das gleiche Geld der größte Nutzen für die Natur erzielen lässt. So gesehen ist der Wildbrücken-Standort nicht glücklich gewählt. Behörden wie dem Landesbetrieb Straßen sind die Hände gebunden: Tauchen in der Nähe eines Straßenbauprojekts Wildkatze, Dachs & Co. auf, sind sie gesetzlich verpflichtet, für Ausgleich zu sorgen - und zwar an Ort und Stelle. Straße um Straße entsteht so über Jahre und Jahrzehnte ein Schutz-Projekt nach dem nächsten, ohne dass es möglich ist, die Einzelaktionen aufeinander abzustimmen und Prioritäten zu setzen. Ergebnis am Autobahnkreuz Wittlich: An einem Verkehrsknotenpunkt entsteht ein "Wildpark" mit zwei Brücken und einem Katzenzaun, der sich realistisch gesehen auch mit 5,5 Millionen Euro nicht wieder zu einem Waldtier-Idyll entwickeln lässt. Auf der anderen Seite ist der Fernwechsel bei Greimerath immer noch nicht wieder hergestellt, und die große Wildkatzenpopulation dort muss ohne teure Zäune auskommen - was, am Rande erwähnt, nicht unmöglich scheint. Ziel muss es sein, den Vorschriften-Wildwuchs von Straßenbau und Naturschutz zu entwirren, damit Raum entsteht für ein Naturschutzkonzept, das über kommunale Grenzen hinweg wichtige Schutzprojekte festlegt. Denn komplexe Ökosysteme sind langfristig nicht durch hier ein Zäunchen, dort ein Brückchen zu erhalten - Aktionismus hinterlässt höchstens das Gefühl, irgendwas getan zu haben. Für ernst gemeinten Naturschutz ist das zu wenig. d.schommer@volksfreund.de

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