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Amt lässt Berg schrumpfen

Der höchste Briefkasten in Rheinland-Pfalz dürfte er immer noch sein, auch wenn der Erbeskopf statt 818 tatsächlich nur 816 Meter hoch ist. TV-Foto: Archiv/Ilse Rosenschild
Der höchste Briefkasten in Rheinland-Pfalz dürfte er immer noch sein, auch wenn der Erbeskopf statt 818 tatsächlich nur 816 Meter hoch ist. TV-Foto: Archiv/Ilse Rosenschild
Über die Höhe des Erbeskopfs gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben. Wolfgang Becker, Leiter des Katasteramts Bernkastel-Kues hat recherchiert und herausgefunden, dass trotz anders lautender Meldungen der Erbeskopf "nur" 816 Meter hoch ist. Von unserem Redakteur Harald Jansen

Erbeskopf. Frage: "Wie hoch ist der Erbeskopf?" Antwort: "Das kommt ganz darauf an, wen oder was man befragt". Zwischen 816 und 818 Metern pendeln die Angaben für die Höhe des Bergs im Hunsrück an der Nahtstelle von Schwarzwälder Hochwald und Idarwald. Einen TV-Leser hat diese Unklarheit nicht ruhen lassen. Er habe in der Schule gelernt, dass der Erbeskopf 816 Meter hoch sei und mehrfach in der Zeitung die Höhe von 818 Metern gelesen. Der Mann wandte sich deshalb an die Spezialisten für solche Fragen, das Vermessungs- und Katasteramt Bernkastel-Kues. Behördenleiter Wolfgang Becker hat sich des Themas angenommen, recherchiert und ist fündig geworden. Er hat beim zuständigen Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation in Koblenz nachgefragt. Dort erhielt er die Antwort, "dass der auf dem Erbeskopf - vermutlich an der höchsten Stelle - stehende trigonometrischerVermessungspunkt eine amtliche Höhe von 816 Metern hat". Diese Höhe werde auch durch ein umfassendes digitales Höhenmodell bestätigt, teilt Becker mit. Wer sich nicht auf die Fachbehörde verlässt, sondern auf die Internet-Enzyklopädie www.wikipedia.org, das Statistische Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland oder die aktuelle 30-bändige Brockhaus-Enzyklopädie, erhält 818 Meter als Höhenangabe. Das Statistische Jahrbuch für Rheinland-Pfalz nennt übrigens 816 Meter.Bei seinen Recherchen hat Becker zudem erfahren müssen, dass "die Höhenangabe in der touristischen Werbung reihenweise falsch ist", schreibt der Chef des Katasteramts Bernkastel-Kues. Als Beispiele dafür nennt er die Adressen http://luftkurort-thalfang.de, www.huensrueckhaus.de oder www.bernkastel-wittlich.de/zahlen-daten-fakten.html. In zukünftigen Brockhaus-Ausgaben und statistischen Jahrbüchern der Bundesrepublik Deutschland sollen übrigens 816 Meter stehen, wenn es um die Höhe des höchsten Bergs in Rheinland-Pfalz geht. Wolfgang Becker hatte sowohl beim Brockhaus-Verlag sowie dem Statistischen Bundesamt nachgefragt, woher die Angabe von 818 Metern stammt und diese Stellen auf ihren Fehler hingewiesen. Sowohl Amt als auch Verlag teilten mit, dass sie die falsche Angabe von anderer Stelle übernommen hätten. "Die Höhe von 816 Metern wird in Zukunft vom Brockhaus und vom Statistischen Bundesamt übernommen", schreibt Becker. Mit dieser Entwicklung und Auskunft dürfte auch der ratlose TV-Leser zufrieden sein.