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Elf Kameras haben die Mosel im Blick

Alles im Blick: Die Kamera hoch in den Weinbergen liefert Bilder von der Mosel bei Piesport ins Internet. TV-Foto: Holger Teusch
Alles im Blick: Die Kamera hoch in den Weinbergen liefert Bilder von der Mosel bei Piesport ins Internet. TV-Foto: Holger Teusch
Traben-Trarbach. Livebilder von der Mosel zwischen Leiwen und Bremm können im Internet abgerufen werden. Zwei neue Kameras bei Kesten und auf dem Calmont sind jetzt freigeschaltet worden. Holger Teusch

Traben-Trarbach. Mosel-Weinkönigin Andrea Schlechter macht es und demnächst sollen auch an der Mosel noch mehr Urlauber Grüße übers Internet in ihre Heimat schicken. Als ihre Eltern in Norwegen Ferien machten, hätte diese einen sogenannten Greeting-Point aufgesucht, zu Hause angerufen und in die mit dem Internet verbundene Kamera gewunken. In Enkirch nahm die Mosel-Weinkönigin die Grüße vor dem heimischen Computer entgegen, erzählt Schlechter, als sie die Webcams auf dem Calmont und die mit Blick auf Kesten, Brauneberg und Osann freischaltete.
Webcams, die live Bilder ins Internet übertragen, sind heutzutage Standard und werden auch touristisch immer mehr genutzt. "Ich schaue auch ins Internet, bevor ich mich für einen Urlaubsort entscheide", sagt die Traben-Trarbacher Stadtbürgermeisterin Heide Pönninghaus.
Für den Tourismus werden solche Angebote immer wichtiger, glauben Harald Mohr und Rüdiger Mitscher. Ihre Firma MM-WebCam betreibt mittlerweile an elf Standorten Kameras. Diese können über das Internetportal www.mm-webcam.de aufgerufen werden. Das Duo mit ihrem Angebot über die Kirchturmspitzen hinweg: "Die Leute fahren an die Mosel. Niemand, der hier Urlaub macht, bleibt die ganze Zeit an einem Ort", sagt Mohr. Man müsse die gesamte Mosel im Blick haben. Davon würden alle profitieren. "Es wird eine Win-win-Situation erzeugt", glaubt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, Ulrich K. Weisgerber. Wie groß das Potenzial der Webcams ist, zeigt die Statistik: In diesem Jahr werden 1,5 Millionen Zugriffe erwartet. Das entspreche etwa 600 000 Besuchern, erklärt Mitscher.
Bei Hochwassergefahr klicken besonders viele Menschen das Kamera-Portal an (Höchststand: 15 000 Besucher beim Frühjahrs-Hochwasser). Touristisch interessant sind die "Klicks" von Internetnutzern, für die die Mosel Naherholungsgebiet ist (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland). Aber auch Niederländer, Belgier und Ausländer, die günstig via Frankfurt-Hahn anreisen können (aus Großbritannien, Norwegen, Schweden, Finnland), werden häufig gezählt. Mohrs und Mitschers Ziel ist, in zwei bis drei Jahren mit bis zu 25 Kameras bewegte Bilder von der Mosel zwischen Trier und Koblenz zu liefern.
Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Persönlichkeitsrechten gibt es laut Mohr nicht. Von Autos erkenne man beispielsweise nur die Farbe. An den Greeting-Points weisen spezielle Schilder darauf hin, dass hier Bilder aufgenommen werden.

Extra

Mit Webcams, die man im Elektronikhandel für den Heim-PC erwerben kann, haben die von MM-WebCam verwendeten Kameras wenig gemein. Denn diese können zoomen und sind drehbar installiert. Etwa jede Viertelminute wird so eine andere Einstellung gezeigt. Zwischen 8000 und 10 000 Euro kostet laut Rüdiger Mitscher die Installation einer Kamera MM-WebCams. Für die Kosten der Internetverbindung müssen dagegen die einzelnen Ortsgemeinden aufkommen. Um die Kamera auf dem etwa 380 Meter hohen Calmont in Betrieb zu nehmen, musste eine Richtfunkverbindung aufgebaut werden. teu