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Geschichte
Tödlicher Absturz im Riesenflugzeug

Der Bomber Zeppelin-Staaken R.VI zählt zu den größten Luftfahrzeugen des Ersten Weltkrieges.
Der Bomber Zeppelin-Staaken R.VI zählt zu den größten Luftfahrzeugen des Ersten Weltkrieges. FOTO: Repro: Markus Philipps
Bernkastel-Kues. Vor 100 Jahren ist der aus Bernkastel stammende Fliegerleutnant Fritz Pfeiffer im Einsatz gefallen. Der Frontflieger war Kommandant eines der größten Bomber des Weltkrieges von 1914 bis 1918. Von Markus Philipps

  Während des Ersten Weltkrieges nutzten die deutschen Luftstreitkräfte gigantische Kampfflugzeuge und Luftschiffe, um feindliche Ziele in Großbritannien und Frankreich zu bombardieren.

Damals galten die Riesenflugzeuge vom Typ Zeppelin-Staaken R.VI neben den sogenannten Gotha-Bombern als erfolgreichste Langstreckenbomber des Deutschen Reiches. Die viermotorigen Staaken-Bomber hatten eine Spannweite von 42,20 Metern und eine Bombentragkraft von 2000 Kilogramm. Die ersten Exemplare des  18 Mal  gebauten Doppeldeckers kamen  von 1917 an bei den Riesenflieger-Abteilungen (RFA) 500 und 501 zum Einsatz. Zu den Angehörigen der RFA 501 zählte seinerzeit auch der frühere Moselaner Fritz Pfeiffer.

Der Frontflieger wurde am 26. August 1891 in der damaligen Stadtgemeinde Bernkastel als Sohn des Bürgermeisters Pfeiffer (Bürgermeisterei Lieser) geboren. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges diente Fritz Pfeiffer als Königlicher Oberleutnant bei der deutschen Fliegertruppe. Für seine erfolgreichen Einsätze wurde er mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet. An seinem 26. Geburtstag (26. August 1917) landete er erstmals mit einer Staaken R.VI (Kennung R.26) auf der früheren „Flieger-Station Cöln“. Unter Pfeiffers Kommando flog auch die im Juli 1917 in Dienst gestellte Staaken R.VI (Kennung R.25) mehrere Angriffe auf London und Dover. Obwohl die von den Flugzeugen verursachten Sachschäden meist eher gering waren, hatten die Luftangriffe eine immense psychologische Wirkung auf die britische Bevölkerung. Denn bei den Bombardements waren vereinzelt mehrere Tote zu beklagen. Während ihrer zahlreichen Kampfflüge konnten nur wenige Staaken-Bomber von den Alliierten abgeschossen werden. Jedoch kam es bei einigen schweren Unfällen zu weiteren Verlusten von Maschinen und zum Tod von Besatzungsmitgliedern.

So ging der Himmelfahrtstag des Jahres 1918 als einer der schwärzesten Tage der Königlich-Preußischen Fliegertruppe in die Geschichte ein. An jenem 9. Mai 1918 starteten vier Staaken R.VI (Kennungen: R.26, R.29, R.32 und R.39) von ihrem Stützpunkt im belgischen Ort Scheldewindeke zu einem erneuten Angriff auf Dover. Als die ersten beiden Bomber gegen 1 Uhr nachts zurückkehrten, lag eine dichte Nebelbank über dem Flugfeld. Nach mehreren missglückten Landeversuchen endete der letzte Anflug der R.32 in einer heftigen Explosion. Infolge des Absturzes kamen nahezu sämtliche Insassen der Maschine ums Leben. Mit viel Geschick hingegen gelang dem Flugkapitän der R.39 eine sichere Landung. Als sich R.26 und R.29 eine halbe Stunde später ihrem Heimatflughafen näherten, hatte sich der Nebel weiter verdichtet. Obwohl  die Flieger per Funk vor dem Anflug von Scheldewindeke gewarnt wurden, versuchten die Piloten beider Flugzeuge eine Instrumenten-Landung. Infolge dieses Manövers stürzte die R.26 zu Boden und fing sofort Feuer. Dabei fanden Kommandant Fritz Pfeiffer, Leutnant Wilhelm Pier (Pilot) und weitere Besatzungsmitglieder den Tod. Nur ein Angehöriger der Crew überstand das brennende Inferno. Die spätere Landung der R.29 sollte ebenfalls scheitern. Bei dem Crash blieb die Maschine in Bäumen hängen. Da das Wrack jedoch nicht in Brand geriet, gab es Überlebende.

Am 16. Mai 1918 wurde eine offizielle Gedenkfeier für Fritz Pfeiffer und die anderen Absturzopfer veranstaltet. Von den verbliebenen Exemplaren der Staaken R.VI waren bei Kriegsende noch sechs Maschinen im Einsatz.