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Soziales
Aktion „Tierteller“ in der Eifel: Wenn das Geld nicht für das Futter reicht

Alles genau abgezählt: Monika Gaspers schüttet Futter in eine Schüssel. Luise Budick schaut, was die Waage anzeigt.
Alles genau abgezählt: Monika Gaspers schüttet Futter in eine Schüssel. Luise Budick schaut, was die Waage anzeigt. FOTO: Christian Altmayer / TV
Jünkerath. Ein Verein hat in Jünkerath den „Tierteller“ ins Leben gerufen. In dieser Einrichtung bekommen Hilfsbedürftige kostenlos Futter für ihre Vierbeiner. Die Aktion ist einzigartig in der Eifel. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Monika Gaspers kippt Trockenfutter in eine Schüssel. Luise Budick hält den Behälter fest. Den Bildschirm der Waage, auf dem der er steht, hält sie im Blick. Und auch die beiden Hunde schauen ganz gebannt zu, wie die Breckies in die Schüssel prasseln. Ihr Frauchen muss sie an der Leine halten, damit sie nicht auf den Tisch springen. Doch jetzt ist Schluss. „Stopp“, sagt Budick: „Das reicht“. Sie kippt das Trockenfutter in einen größeren Plastikeimer und gibt ihn der Frau mit den zwei Mischlingen.

Sie bekommt 4550 Gramm Trockenfutter für ihre Vierbeiner – genau abgezählt. Auf einer Tabelle steht, wie groß die Ration ist, die ihr als Kundin des Jünkerather „Tiertellers“ monatlich zusteht. Zahlen muss die Frau aus Schüller an der Oberen Kyll für das Futter nichts. Sie muss lediglich nachweisen, dass sie die Spende brauchen. Dafür reicht ein Zettel vom Jobcenter oder ein Rentenbescheid. Das Angebot des Tiertellers ist vergleichbar mit der Tafel. Nur, dass hier nicht die Menschen Essen bekommen, sondern ihre Haustiere. Wer Probleme hat, die zu versorgen, soll in Jünkerath Hilfe bekommen – egal ob die Sozialhilfe, die Rente oder der Lohn nicht reicht. Das ist das Konzept, das sich der erste Vorsitzende des „Tiertellers“ Hans-Dieter Budick in Köln abgeschaut hat.

Alles genau abgezählt: Monika Gaspers schüttet Futter in eine Schüssel. Luise Budick schaut, was die Waage anzeigt. Foto: Christian Altmayer
Alles genau abgezählt: Monika Gaspers schüttet Futter in eine Schüssel. Luise Budick schaut, was die Waage anzeigt. Foto: Christian Altmayer FOTO: Christian Altmayer / TV

 In der nordrheinwestfälischen Großstadt gibt es tausende Obdachlose. Viele von ihnen leben mit Hunden auf der Straße. Bei der Tiertafel bekommen sie gratis Futter für ihre Gefährten.

Die Einrichtung hat Budick mit seiner Frau vor etwa einem Jahr besucht. Die Idee fand er so gut, dass er auch in der Region ein Hilfszentrum etablieren wollte. Auch hier gebe es schließlich Hilfsbedürftige mit Vierbeinern, sagt der 54-Jährige.

An diesem Tag feiert die Einrichtung am Jünkerather Bahnhof Eröffnung. Viel los ist nicht. „Die Anmeldungen laufen schleppend“, gibt  Budick zu: „Aber aller Anfang ist schwer.“ Dabei hätten die Ehrenamtler noch einiges zu verschenken. Etwa 2,5 Tonnen Futter und Leckerlis stapeln sich in den Regalen der kleinen Halle. Das würde etwa für 150 Tiere reichen.

Das Meiste stammt aus der Großspende eines Herstellers, der Rest aus Spendenboxen im Supermarkt. Und so schichten sich Konservendosen auf Konservendosen, Säcke auf Säcke. In einer Ecke liegt Spielzeug aus dem Tierheim in Kall. „Hinter der Plane ist noch mehr“, sagt Budick, ein Lager habe man bislang noch nicht. Alles muss in den engen, unbeheizten Raum passen.

Expandieren wollen die Jünkerather sobald nicht. Der Verein fühle sich zwar für die ganze Eifel zuständig, so Budick, aber die meisten, die an diesem Tag in die Bahnhofsstraße kommen, stammen aus der näheren Umgebung. „Wenn wir  hier 30 bis 40 Mitglieder zusammenbekommen, machen wir vielleicht noch einen Tierteller in der Südeifel auf“, meint Budick. Davon ist man bei der Eröffnung zwar noch weit entfernt, „aber für jeden, der kommt, macht es Sinn.“

Sinn macht es auch für die Frau aus Schüller. Sie findet die Aktion der Jünkerather „einfach klasse.“ Die Verpflegung ihrer beiden Hunde koste sie im Monat etwa 50 Euro. Hinzu kämen die Kosten für den Tierarzt, Spielzeug und Leckerlis. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern werde es da schon manchmal eng am Monatsende. Die Spende des „Tiertellers“ könne ihr da ein bisschen helfen.