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Freizeit
Wir müssen da noch was klarstellen

Vorn die Piste, hinten die Kunst: Sprayerin Miriam Hess (links) und Tanja Thielen, die sie für die Aktion des Clubs in Weinsheim engagierte.
Vorn die Piste, hinten die Kunst: Sprayerin Miriam Hess (links) und Tanja Thielen, die sie für die Aktion des Clubs in Weinsheim engagierte. FOTO: Fritz-Peter Linden
Weinsheim/Olzheim. Der Mini-Car-Club Hocheifel hat demnächst auf seinem Parcours in Weinsheim ein großes Rennen, bei dem er sich viele Besucher wünscht. Gerade verschönert Sprayerin Miriam Hess die Anlage. Und wäre fast ins Visier der Polizei geraten. Von Fritz-Peter Linden
Fritz-Peter Linden

„Also ich war das nicht!“, ruft Miriam Hess und lacht. Sie spricht von dem alten Bagger ihres Olzheimer Opas, Matthias Bungartz. Den Bagger hatten wir vor ein paar Wochen in der Zeitung. Die Polizei fahndete nach einem unbekannten Sprayer, der das ausrangierte Gerät mit kräftig Farbe versehen hatte. Und dann auch noch die Scheiben eingeschlagen.

Wie gesagt: Miriam, 21 Jahre alt und demnächst Studentin der Archäologie in Trier, war das nicht. Also das mit den Scheiben. Das mit der Farbe, das war sie schon: Sie habe sich ausprobieren wollen, erzählt sie, und ihre Eltern hätten dann gesagt: Nimm doch den ollen Bagger von Opa. Der stehe seit Jahren zugewuchert in der Landschaft.

Kunst, keine Sachbeschädigung: Mit diesem Foto suchte die Polizei auch im TV nach dem Bagger-Sprayer. Es war Miriam Hess. Nur die Scheiben, die waren schon kaputt.
Kunst, keine Sachbeschädigung: Mit diesem Foto suchte die Polizei auch im TV nach dem Bagger-Sprayer. Es war Miriam Hess. Nur die Scheiben, die waren schon kaputt. FOTO: TV / Polizei

Gesagt, gesprayt. Die Scheiben aber, die waren schon vorher kaputt. Und praktisch das ganze Dorf, sagt Miriam, habe von der Aktion gewusst. Nur eben ihr Großvater nicht. Der erstattete dann zügig Anzeige bei der Polizei Prüm, die Beamten machten sich an die Ermittlungen.

Gute Laune: Sprayerin Miriam Hess (links) und Tanja Thielen, die sie für die Aktion an der Strecke des Mini-Car-Clubs in Weinsheim engagierte.
Gute Laune: Sprayerin Miriam Hess (links) und Tanja Thielen, die sie für die Aktion an der Strecke des Mini-Car-Clubs in Weinsheim engagierte. FOTO: Fritz-Peter Linden

Als sich aber bald herausstellte: Miriam war’s (also das mit der Farbe, nicht das mit den Scheiben), habe ihr Großvater natürlich sofort die Anzeige zurückgezogen. „Und die Polizisten haben gesagt: Dann ist die Kuh vom Eis“, sagt Miriam. Nur wegen der Scheiben werden weiterhin Täter und Zeugen gesucht.

Wir treffen Miriam auf der Anlage des Mini-Car-Clubs (MCC) Hocheifel, am Rande des Weinsheimer Industriegebiets, zusammen mit Tanja Thielen, die für den Verein Öffentlichkeitsarbeit macht. Sie hat die Studentin damit beauftragt, den Bauwagen auf der Anlage zu verschönern. Per Facebook, erzählt Tanja Thielen, habe sie für den MCC nach einem Graffiti-Künstler gesucht – und als sich Miriam meldete, sei man ruckzuck handelseinig geworden.

Und Miriam ist schon ziemlich weit mit ihrer Arbeit. „Das Dixie-Klo macht sie auch noch“, sagt Tanja Thielen. „Und wir werden sie noch öfter einbinden.“ Die Künstlerin freut’s: „Das ist eine Megachance“, sagt Miriam, die gern weitere solcher Aufträge entgegennehmen würde.

Jetzt aber zu den Miniflitzern, auch Buggies genannt: Denn die ganze Spray-Aktion deutet bereits auf den nächsten großen Termin beim MCC hin. Am Samstag und Sonntag, 15. und 16. September, steigt auf dem Weinsheimer Parcours der siebte von insgesamt neun Läufen im NRW-Cup mit den kleinen, ferngesteuerten Rennern. Samstag beginnen die Trainingsläufe um 10.30 Uhr, die Vorläufe am Sonntag um 9 Uhr, die Finals am Mittag. Und im Gegensatz zum „großen“ Motorsport ist es ein wortwörtlich überschaubares Spektakel: Denn die Strecke, vom Club seit 22 Jahren betrieben, kann man von überall her komplett überblicken.

„Anfangs war es eine reine Lehm-Strecke, später kamen Rasengitter-Platten sowie Kunstrasen zum Einsatz“, sagt der Clubvorsitzende Johannes Dahm. Mittlerweile bestehe der Parcours, bis auf die gepflasterte Steilkurve, komplett aus Kunstrasen.

Der Club hat 22 Mitglieder, freut sich aber über jeden, gerne auch jungen Minicar-Fan, der noch einsteigen will. Und über Sponsoren, sagt Tanja Thielen.

Loslegen mit dem Freizeitspaß könne man schon früh, sagt Dahm: „Ab zirka fünf, sechs Jahren können Kinder, natürlich unter Aufsicht der Eltern, dieses Hobby ausüben. Es gibt Sechsjährige, die besser Fahren als mancher Erwachsene.“

Zum Rennen im September erwarten die Weinsheimer rund 80 Teilnehmer: „Auch hierbei steht der Spaß im Vordergrund, mittags und abends wird gegrillt, und während es Samstagabend dunkel wird, sitzen wir gemeinsam mit einem Stubbi am Lagerfeuer.“ Und man freue sich über alle Gäste, „die zuschauen kommen und die wir bei Bedarf auch zum Hobby beraten und ihnen unseren Verein vorstellen.“

Und am Rennwochenende ja dann vielleicht auch die junge Künstlerin, die derzeit die Anlage verschönert: Denn: Miriam war’s.

Der Eintritt am Weinsheimer Rennwochenende ist frei. Alles Weitere dazu und zum Mini-Car-Club findet man im Internet unter der Adresse: www.mcc-hocheifel.eu