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Die häufigsten Gründe, warum sich Beschäftigte in Rheinland-Pfalz krank melden: Rücken, Grippe und Stress

Die häufigsten Gründe, warum sich Beschäftigte in Rheinland-Pfalz krank melden: Rücken, Grippe und Stress

Nicht selten macht auch der Job krank. Experten fordern daher, dass Arbeitgeber mehr für die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter tun.

Noch immer hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Arbeitnehmer sich überwiegend montags krankmelden. Nicht selten schwingt mit solchen Behauptungen der Vorwurf des Blaumachens mit. Die Krankenkasse Barmer räumt in ihrem jüngsten Gesundheitsreport, der unserer Zeitung vorliegt, mit dem Vorurteil auf. Zwar beginnt demnach ein Drittel der Arbeitsunfähigkeiten montags. Das liege aber daran, heißt es in dem Report, an den typischen Arbeitszeiten vieler Beschäftigten. Bei Erkrankungen an Wochenenden bestehe häufig kein Anlass, sich sofort krankschreiben
zu lassen, weil in vielen Berufen samstags und sonntags arbeitsfrei ist. Zum anderen stünden zumeist am Wochenende zumeist nur ärztliche Notdienste für die Versorgung dringender medizinischer Notfälle zur Verfügung.

Daher sei es nicht verwunderlich, dass an Wochenenden nur drei Prozent der Krankmeldungen beginnen und die meisten erkrankten Beschäftigten erst montags zum Arzt gehen würden. Allerdings verweist der Gesundheitsreport darauf, dass es nicht an Montagen sondern eher ab der zweiten Wochenhälfte die meisten krankheitsbedingten Fehlzeiten gebe.

Die häufigsten Gründe, warum sich Beschäftigte in Rheinland-Pfalz krank melden sind laut Barmer Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, also etwa Rückenschmerzen, gefolgt von psychischen Störungen, Erkältungen und Grippe und zuletzt Verletzungen. Während der Anteil an Krankmeldungen bei Rückenschmerzen oder Verletzungen mehr oder weniger konstant ist auf die vergangenen Jahre gesehen, gibt es bei den Atemwegserkrankungen oft Schwankungen. Das hängt mit dem Verlauf der Grippesaison zusammen. Ist sie wie derzeit heftiger, steigen die dadurch bedingten Krankmeldungen deutlich an.

Es sind aber sogenannte Volkskrankheiten, die viele Menschen krank machen. Es sei beunruhigend, sagt Barmer Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis, wie viele junge Menschen in Rheinland-Pfalz an zu hohem Blutdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörung leiden würden. 5,6 Prozent der 16- bis 30-Jährigen im Land seien davon betroffen. Bundesweit sind es laut Gesundheitsreport 4,8 Prozent.

Nicht selten macht aber der Job die Mitarbeiter krank. Fast die Hälfte der Beschäftigten fühle sich durch seine Arbeit auch nach Feierabend gestresst, fand eine Befragung der Techniker Krankenkasse (TK) heraus. Unter Stress leiden demnach über 50 Prozent der Befragten und zwar "ziemlich" bis "sehr stark". Genauso viele sehen einen direkten Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und der eigenen Gesundheit. "Berichtet wird von hohem Zeit- und Termindruck, von vielen Tätigkeiten, die zeitgleich erledigt werden sollen, sowie von vielen Unterbrechungen und Behinderungen des Arbeitsablaufes", sagt Jörn Simon. Der TK-Landesgeschäftsführer fordert, dass die Unternehmen mehr für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun müssen.

"Dabei geht es um viel mehr als ergonomische Arbeitsplätze und flexible Arbeitszeiten", sagt Simon. Es gehe auch darum, die Mitarbeiter bei Entscheidungen mit einzubeziehen, "und vor allem um Wertschätzung. Eine "kompetente und umsichtige Mitarbeiterführung" habe "eine große Wirkung" auf die Zufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeiter, sagt Simon. Zwei Drittel der Befragten, die ihrem Vorgesetzten Defizite in der Mitarbeiterorientierung bescheinigten, fühlen sich aufgrund dieser Situation belastet. Simon: "Einer Arbeit, die zufrieden macht, werden eine ganze Reihe von positiven Auswirkungen zugeschrieben. Erfolg, Selbstverwirklichung, Sicherheit und sozialer Anschluss."Extra Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Wie entstehen psychische Belastungen am Arbeitsplatz? Darum geht es bei einer Seminarreihe der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Teilnehmer werden darin zu einer Fachkraft für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung weitergebildet. Der Lehrgang richtet sich laut IHK an Personalleiter, Betriebsräte, Gesundheitsmanager und Arbeitsmediziner. Eine erste Informationsveranstaltung findet am Donnerstag 9. März, um 18:00 Uhr im IHK-Bildungszentrum statt. "Arbeitgeber sind in Zeiten des Fachkräftemangels daran interessiert, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern und zu erhalten", sagt Martina Becker von der IHK.