Doping aus Job-Angst

Die Zahl der krankgemeldeten Beschäftigten in der Region ist gestiegen. Genauso wie die Zahl der Krankheitstage. Damit liegt die Region laut Angaben der Krankenkasse DAK über dem Landesschnitt. Um nicht auszufallen, greifen immer mehr Berufstätige zu Aufputschmitteln, sie dopen sich quasi.

Trier. Die Angst um den Job und der zunehmende Stress im Beruf lassen immer mehr Berufstätige zu "Doping" greifen. Sie nehmen Mittel, um sich aufzuputschen, zu beruhigen oder die Konzentration zu steigern. Laut DAK "dopen" sich gut zwei Prozent der Arbeitnehmer regelmäßig. "Das sind rund 37 000 Rheinland-Pfälzer, die täglich oder mehrmals im Monat Medikamente einnehmen, um den Stress im Job zu bewältigen können oder ihre Leistung zu steigern", sagt Wolfgang Pieper, Chef der DAK in Trier.
Frauen nehmen vermehrt Beruhigungsmittel

Die Krankenkasse hat in ihrem Gesundheitsreport erstmals das Thema Doping am Arbeitsplatz untersucht. Ergebnis: Männer putschen sich auf, Frauen nehmen eher beruhigende Mittel. Die DAK schlägt Alarm, ohne medizinische Begründung sind die Pillen gefährlich.

Das Klima am Arbeitsplatz sei rauer geworden, weiß der Trierer DAK-Chef. Es komme immer häufiger vor, dass bei längeren Krankmeldungen, die Arbeitgeber nach zwei Wochen bei der Kasse anrufen und nachfragten, ob der Mitarbeiter tatsächlich ernsthaft krank sei. Der Chef bekommt bei einer Krankmeldung nicht die Krankheitsursache mitgeteilt, im Gegensatz zur Krankenkasse. "Immer wieder fragen Arbeitgeber, ob wir den krankgeschriebenen Mitarbeiter nicht überprüfen lassen könnten, ob er nicht vielleicht simuliere", sagt Pieper. Gerade in Zeiten der Krise wollen Arbeitgeber offenbar bei der Lohnfortzahlung für Kranke sparen. Sechs Wochen lang müssen Unternehmen den Lohn für Kranke weiterzahlen, danach übernimmt die Krankenkasse die Lohnzahlung
Krankenschein wegen Rückenproblemen

Die Zahl der Krankentage hat im vergangenen Jahr in der Region deutlich zugenommen, wie aus dem DAK-Gesundheitsreport hervorgeht. 3,6 Prozent der Beschäftigten waren wegen Krankheit arbeitsunfähig (von 1000 Arbeitnehmern waren im Schnitt pro Tag 36 krankgeschrieben), im Land liegt der Krankenkenstand bei 3,5 Prozent. Die meisten mussten wegen Rückenproblemen oder Knochenschmerzen zu Hause bleiben, die Zahl der Krankentage wuchs um neun Prozent, bei den Erkältungen sogar um 14 Prozent. Während die davon Betroffenen normalerweise nach ein paar Tagen oder Wochen wieder fit sind, fallen Beschäftigte, die psychisch krank sind, für mehrere Monate aus. Der Zahl der Krankentage hat sich bei den psychisch Erkrankten um 17 Prozent gesteigert - und das, obwohl der Anteil an den festgestellten Erkrankungen mit zehn Prozent vergleichsweise gering ist. "Wenn die Betroffenen nicht mehr arbeiten können, dann dauert das oft mehrere Monate, bis sie wieder gesund sind", erklärt Pieper.

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