"Er hat mir meine Tochter weggenommen"

"Er hat mir meine Tochter weggenommen"

Auftaktakt im Prozess gegen einen 28-Jährigen vor dem Trierer Landgericht. Er soll im Dezember seine Freundin in Breit (Bernkastel-Wittlich) ermordet haben. Bislang schweigt er dazu, gibt sich aber durchaus provozierend.

Er hat die Arme verschränkt, fixiert den Ehemann der Frau, die er ermordet haben soll. Immer wieder schüttelt der Angeklagte den Kopf, blättert in Akten, so als wolle er die Zeugen einer Lüge überführen. Der 28-jährige Trie-rer wirkt auf Beobachter aggressiv und provozierend. Wie jemand, der sich seiner möglichen Schuld gar nicht bewusst ist und der sich genervt fühlt. Immer wieder zeigt er mit dem Finger in Richtung der Zeugen, kommentiert deren Aussagen leise gegenüber seiner Verteidigerin Sylvia Karrenbauer. Ansonsten schweigt er, äußert sich nicht zu seinem Lebenslauf, auch nicht zu Vorwürfen.Keine Anzeichen von Reue


Er zeige keine Anzeichen von Reue, sagt auch der Anwalt der Nebenkläger, Andreas Ammer. Der Trierer Rechtsanwalt vertritt die Mutter, die Schwester und den Ehemann der 23-Jährigen, die am Abend des 13. Dezember in Breit getötet wurde. Mutmaßlicher Täter: Der 28-Jährige, mit dem die dreifache Mutter seit drei Monaten in dem Hunsrückdorf gelebt hatte. Ihr Ehemann, 30, hat sich im Sommer zunächst von ihr getrennt, nachdem sie ihn mehrmals mit dem aus Trier stammenden Mann betrogen haben soll. "Mir war alles zu viel", begründet der 30-Jährige seine Entscheidung.

Seit 2009 waren die beiden verheiratet, haben zusammen eine Tochter und einen Sohn. Den anderen Sohn hat sie mit 17 von einem anderen Mann bekommen, hat aber keinen Kontakt zu dem Kind. Per Internet soll sie den Trierer kennengelernt haben. Ein Jahr nachdem sie ihren Mann geheiratet hatte. Der Angeklagte soll sogar eine (erfolglose) Vaterschaftsklage angestrengt haben, um festzustellen, ob der Junge von ihm ist. Zwei Wochen nachdem ihr Ehemann aus der gemeinsamen Wohnung bei ihrer Mutter ausgezogen ist, soll der Liebhaber eingezogen sein - gegen den Willen der Mutter. Ein paar Wochen später ist das Paar dann nach Breit gezogen.

Die Mutter macht vor Gericht keinen Hehl daraus, dass sie den neuen Freund ihrer Tochter von Anfang an nicht gemocht hat. "Der taugt nichts für dich", habe sie zu ihr gesagt. Er sei immer aufbrausend gewesen, habe mit den Händen auf den Tisch geschlagen, wenn ihm etwas nicht gepasst habe, etwa wenn sie ihre Enkelin am Essenstisch füttern wollte, schildert die 54-Jährige das aus ihrer Sicht schwierige Zusammenleben mit der Tochter und dem Trierer. Sie bezeichnet ihn als aggressiv: "Eine tickende Zeitbombe." Er habe sie einmal geschlagen, sagt die Mutter. Sie gehe davon aus, dass er auch ihre Tochter geschlagen hat. Hinweise darauf hat sie aber nicht. Das bis dahin gute Verhältnis zu ihrer Tochter sei immer schlechter geworden. "Er hat sie mir weggenommen", sagt sie und meint damit zunächst die Tatsache, dass er mit ihr zusammen war.Kopfschütteln beim Angeklagten


Der Angeklagte reagiert auf diese Vorwürfe kopfschüttelnd. Wieder einmal verschränkt er dabei die Arme vor der Brust. Schaut zu den drei Berufsrichtern und den beiden Schöffen, so als erwartete er, dass sie gegen die Aussagen der Mutter einschreiten sollen. Auch als der Ehemann schildert, wie seine Frau am Abend des 13. Dezember im Zimmer des zweijährigen Jungen, der wie seine Schwester zu der Zeit bei seiner Oma gewesen ist, getötet worden ist, zeigt der 28-Jährige kein Anzeichen von Trauer oder Unsicherheit. Er schaut dem Ehemann in die Augen, macht sich Notizen und scheint auf einige Aussagen ungehalten zu reagieren. Die Schilderung, wie er auf die zunächst mit dem Rücken zu ihm stehende Frau mit einem 16 Zentimeter langen Steakmesser eingestochen haben soll, während sie Spielzeug aus dem Bett ihres Sohnes herausgeholt hat, lässt ihn augenscheinlich kalt.

Womöglich ist der Grund, warum sie sterben musste, dass sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte. Bereits eine Woche bevor sie getötet worden ist, soll sie ihrer Mutter eine SMS geschrieben haben, dass sie sich von dem 28-Jährigen trennen und wieder mit ihrem Mann, trotz laufender Scheidung und Sorgerechtsstreits zusammen sein wollte. Am Morgen des 13. Dezember hat dieser seine Frau und die beiden Kinder aus der Wohnung in Breit abgeholt. Abends, kurz nach 18 Uhr, sind die 23-Jährige, ihr Mann und der damalige Freund ihrer Mutter dann wieder nach Breit gefahren, um Bettsachen und Kleider für die Kinder zu holen.

Warum sie denn nicht schon früher nach Breit gefahren seien, als der 28-Jährige noch auf der Arbeit gewesen sei, will dessen Verteidigerin vom Ehemann wissen. Ob er bewusst die Auseinandersetzung mit dem Mann gesucht habe, geht sie den eingeschüchtert wirkenden Ehemann hart an. Der Freund der Mutter hat der jungen Frau geraten, nicht mitzufahren. "Ich konnte mir denken, dass etwas passieren konnte", sagt der 48-Jährige vor Gericht. Doch das spätere Opfer lässt sich nicht abhalten.Klinge des Messers abgebrochen


Der Angeklagte habe sie freundlich, nicht aggressiv empfangen, sagt der Freund der Mutter. Er habe sie nicht daran gehindert, ein Kinderbett abzubauen, während die Frau oben im Zimmer des Jungen zugange gewesen war. Plötzlich habe er gehört, wie der Angeklagte mit schnellen Schritten die Treppe hoch gerannt sei, sagt der Ehemann. Schon kurz darauf habe er ein Kreischen und Hilferufe aus dem oberen Kinderzimmer gehört. Als er nach oben gekommen sei, habe er gesehen, wie der 28-Jährige über seiner Frau gekniet und auf sie eingestochen habe, sagt der Ehemann. Die Wucht der Einstiche ist offenbar so stark gewesen, dass die Klinge des Messers abgebrochen ist. Mit dem abgebrochenen Messer soll er dann auf den Ehemann losgegangen sein und ihn an der Schulter und am Kopf verletzt haben. Erst dem Freund der Mutter ist es dann gelungen, den Angreifer zu überwältigen und ihn aus dem Zimmer zu bringen.

Während der Ehemann vor dem Haus Polizei und Notarzt ruft, kümmert sich sein Begleiter um die Frau. Doch er kann ihr nicht mehr helfen. Sie sei in seinen Armen gestorben, sagt er. Um 19.45 Uhr hat dann der Notarzt offiziell den Tod der Frau bestätigt. Der Prozess wird am kommenden Dienstag im Landgericht fortgesetzt.

Mehr von Volksfreund