Abschied vom Bus in jedem Dorf

Abschied vom Bus in jedem Dorf

Busfahren in der Region könnte bald noch teurer werden. Einige Bus-Unternehmen haben nach TV-Informationen damit gedroht, keinen Rabatt mehr für Schüler und Auszubildende zu geben. Hintergrund ist ein Streit um angeblich zu geringe Ausgleichszahlungen vom Land.

Der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) bereitet die Bürger schon einmal darauf vor, dass es in der Eifel oder auch im Hunsrück noch weniger Busverkehr geben wird als ohnehin schon.

Weil immer mehr Einwohner von den ländlichen Gebieten in die Städte oder in stadtnahe Orte ziehen würden, müsse das bestehende Busnetz überprüft werden, heißt es aus dem Ministerium. Man müsse daher stärker auf "flexible Bedienungsformen" setzen. Etwa auf Rufbusse. Statt zu festgelegten Zeiten fährt ein Kleinbus nach Bedarf, wenn man ihn vorher in einer Buszentrale bestellt hat.

Auch Bürgerbusse, die zumeist von Privatinitiative gegründeten Verbindungen, seien eine Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), heißt es aus dem Ministerium. Man wolle aber eine Grundversorgung der Bevölkerung mit ÖPNV sicherstellen.Einnahmen sinken


Was diese Grundversorgung in der Eifel, im Hunsrück oder auf dem Saargau heißt, erleben die Bürger dort jeden Tag: "Ein flächendeckender ÖPNV findet größtenteils gar nicht statt. Wir befördern Schüler, und andere Kunden können zusteigen", umreißt der Bitburger Landrat Joachim Streit das Problem. Er ist Vorsitzender des Zweckverbands Verkehrsverbund Region Trier (VRT), der für den Nahverkehr zuständig ist. Außerhalb der Stadt Trier befördern die Linienbusse fast ausschließlich nur noch Schüler. Da die Zahl der Schüler jedoch immer weiter zurückgeht, sinken auch die Einnahmen der Busunternehmen.

Um dieses Minus auszugleichen, wurden bislang jedes Jahr - im vergangenen Jahr sogar zwei Mal - die Fahrpreise zum Teil deutlich erhöht. Laut Streit wäre allein um die sinkenden Einnahmen aus dem Schülerverkehr auszugleichen eine jährliche Preiserhöhung von zwei Prozent notwendig.

Die höheren Ticketpreise treffen außerhalb von Trier weniger die Buskunden als vor allem die Landkreise. Denn sie übernehmen die Kosten für die Kindergarten- und Schülerbeförderung. Das Land überweist den Kommunen dafür derzeit jeweils einen Pauschalbetrag. Es ist wohl geplant, das sich die Landeszahlungen künftig an den tatsächlichen Ausgaben der vier Landkreise und der Stadt Trier für den Schülertransport orientieren sollen. Das würde bedeuten, dass die Landkreise, in denen überwiegend Schüler in den Bussen befördert werden, mehr Geld bekämen. Die Stadt Trier, wo auch andere Kunden die Busse benutzen, würde weniger erhalten. Nach TV-Informationen geht man beim VRT davon aus, dass insgesamt zwei Millionen Euro weniger aus Mainz in die Region fließen werden.

Die Busunternehmen erhalten vom Land Ausgleichszahlungen dafür, dass sie Schülern, Studenten und Auszubildenden im normalen Linienverkehr verbilligte Fahrkarten verkaufen. Sie gewähren ihnen einen Rabatt von 25 Prozent im Vergleich zum regulären Fahrpreis. Das Land bezahlt den Unternehmen diese Differenz. Derzeit überprüft die EU-Kommission diese Ausgleichszahlungen. Bis Ende des Jahres bestehe eine Übergangsregelung für die Zahlungen, teilte ein Ministeriums-Sprecher mit.

Doch offenbar fürchten einige Busunternehmen eine lange Hängepartie. Nach TV-Informationen haben einige nun damit gedroht, auf die Rabatte bei den Schülertickets zu verzichten. Das würde mehr Ausgaben für Kommunen bedeuten und Schüler und Auszubildende, die ihre Fahrkarte selbst bezahlen, müssten tiefer in die Tasche greifen. Um herauszufinden, wie hoch der Finanzierungsbedarf für die Aufrechterhaltung eines Linienverkehrs ist, hat der VRT ein Gutachten in Auftrag gegeben. Bis nach den Sommerferien sollen erste Ergebnisse vorliegen.Extra

Die Zahl der Bürgerbusse in der Region Trier könnte weiter zunehmen. Das Projekt wird in Saarburg bis September 2013 fortgeführt. Foto: Friedemann Vetter/Archiv
Der Bürgerbus-Test in der Verbandsgemeinde Saarburg geht zumindest bis September dieses Jahres weiter. Foto: Friedemann Vetter
Der öffentliche Nahverkehr ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Foto: Eileen Blädel

Der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) wurde im Jahr 2000 von der Stadt Trier und den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg, Vulkaneifel und Bitburg-Prüm gegründet. Aufgabe des VRT ist es, in der gesamten Region einen einheitlichen Tarif und ein aufeinander abgestimmtes Bus- und Bahnangebot aufrechtzuerhalten. Derzeit sind im VRT-Gebiet 15 Busunternehmen und die Deutsche Bahn tätig. Bislang sind diese mit den Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf, den gesetzlich geregelten Ausgleichszahlungen für den Schülertransport durch das Land und den Zahlungen der Kommunen ausgekommen. wie

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