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Kreative Ideen sind gefragt

Kreative Ideen sind gefragt

Das dürfte so mancher Gemeinde, manchem Verein, mancher Kulturinitiative oder Schule vorkommen wie das Paradies: Wo man sonst jeden Euro zehn Mal umdrehen muss, bietet die EU Hilfen für grenzüberschreitende Ideen an. Und verspricht: Nicht Bürokratie oder Institutionen, sondern Kreativität wird gefördert.

Trier/Metz. Eigentlich müsste bei Anne-Laure Maclot in der Verwaltungsbehörde des Interreg-Programms in Metz die Hölle los sein. Denn bei der Referentin laufen die Anträge für Mikro-Projekte zusammen. Die werden per Mail mit den Kollegen im Vierländereck gecheckt und dann unbürokratisch entschieden.
Doch so richtig heiß gelaufen ist ihr Computer noch nicht. Nur ein Bruchteil der 450 000 Euro Projektmittel wurde seit dem Start im Mai abgerufen. Dabei ist sich Maclot sicher, dass es bei der Großregion noch einen ordentlichen Nachschlag gäbe, "wenn die Sache ein Erfolg wird".
Breites Förder-Spektrum


Das Ungewöhnliche am Fonds für Mikro-Projekte ist das breite Spektrum möglicher Nutznießer. Ein Sportverein, der Kontakte zu einem Partner jenseits der Grenze aufbauen will, eine Theatergruppe, die grenzüberschreitend ein Stück erarbeitet, eine Schule, die sich mit einer anderen aus Saar-Lor-Lux austauscht, eine Gemeinde, die eine Projektwoche mit dem Nachbarn auf der anderen Seite plant: Sie alle haben eine Chance. Vorausgesetzt, sie finden mindestens einen Projektpartner in einem anderen Land der Großregion. Es können natürlich auch zwei oder drei sein.
Einen Haken hat die Sache, aber er ist kleiner, als man denkt. Denn wie stets bei EU-Förderungen gibt es einen Eigenanteil. Allerdings beträgt er nicht die üblichen 50, sondern nur 20 Prozent. Wer also 15 000 Euro Fördermittel beantragt, muss 3000 Euro dazutun - das kann aber auch über Sponsoring oder Sachleistung erbracht werden.
"Alles Verhandlungssache", sagt Hans-Jürgen Kreutz von der Trierer ADD, die Rheinland-Pfalz im Großregion-Verbund vertritt. Wer in der Region Trier ein Mikro-Projekt auf die Beine stellen will, muss nicht gleich in Metz antreten - obwohl man dort bei der Interreg-Koordinationsstelle perfekt Deutsch spricht. Man kann sich zunächst bei der ADD beraten lassen. "Wir helfen beim Einstieg", versichert Kreutz.
Man kann es aber auch machen wie Klaus Klären vom Trierer Postsportverein. Als Chef der Europäischen Sportakademie kann er sich Berührungsängste mit Europa eh nicht leisten, und als er von dem neuen Fördertopf hörte, lud er sich kurzerhand aus dem Internet den Förderantrag herunter ( www.interreg-4agr.eu). "Das meiste lässt sich per Kreuzchen beantworten", erzählt er. Allerdings brauche man eine überzeugende Projektskizze und einen soliden Finanzierungsplan.
Bei den Post-Leichtathleten sieht das so aus: Gemeinsam mit Partnervereinen in Schifflange/Luxemburg und Rehlingen/Saar entwickelt man Trainingsprogramme, organisiert einen Sportleraustausch, tritt bei Großveranstaltungen wie dem Rehlinger Pfingstsportfest und dem Trierer Silvesterlauf auf, organisiert Kommunikation via Facebook.
Einen schönen Namen hat das Projekt längst: "Eu-run" wird es heißen, ein Jahr soll es dauern. 24 000 Euro sind als Fördersumme angefragt, jeweils weitere 2000 Euro erbringen die drei teilnehmenden Vereine selbst. Damit lässt sich einiges anfangen. "So eine Gelegenheit muss man doch nutzen", sagt Klaus Klären. Das Verfahren sei "sehr unkompliziert und die Betreuung gut", lobt er die Macher.
Seine Chancen auf Förderung stehen gut. Er ist früh dran. In ein paar Monaten kann das ganz anders aussehen.Meinung

Aufgemerkt und zugegriffen
Nanu, ist das Europa? Bahn frei für pfiffige Ideen, unbürokratische Unterstützung, Service statt Vorschriften? Ganz schön sympathisch, was da als Nebenprodukt der gigantischen Verteilungsmaschine Interreg auf den Markt der Großregion kommt. Da müssten eigentlich alle hellhörig werden, die mit Kultur, Bildung, Kommunikation, Sport zu tun haben, also jenen Betätigungsfeldern, die menschliche Kontakte herstellen. Mit ein bisschen Fantasie und dem Mut zu grenzüberschreitenden Kontakten müsste sich einiges möglich machen lassen. Wenn man den Hintern hochkriegt. Und falls in einem Jahr der - durchaus bescheidene - Fonds nicht aufgebraucht ist, falls nicht alles nach einer Aufstockung lechzt: Dann soll bitte auch niemand mehr kommen und über leere öffentliche Kassen jammern. d.lintz@volksfreund.de