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Singen, beten und springen für den heiligen Willibrord

Singen, beten und springen für den heiligen Willibrord

Sie gehört mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe und lockt jedes Jahr Tausende Menschen an, die gemeinsam singen, beten und springen: Mehr als 10 000 Gläubige sind an Pfingstdienstag wieder zur Springprozession in die Abteistadt Echternach gepilgert.

Echternach. Mit gezücktem Stift und Block lehnen sich drei Herren aus dem Fenster im Obergeschoss des historischen Gebäudes vor der Basilika. Sie gehören zu den Helfern des Willibrordus-Bauvereins, der die Echternacher Springprozession organisiert. Die Aufgabe der drei Männer: Sie ermitteln die Anzahl der Teilnehmer an der Traditionsveranstaltung (siehe Extra). Und das sind viele: Mehr als 10 000 Gläubige in 45 Musik- und Springergruppen ziehen gestern vom Ehrenhof der früheren Abtei zum Grab des heiligen Willibrords.
Mit hochrotem Kopf angesichts der strahlenden Sonne, aber gut gelaunt bahnen sich die Pilger ihren rund zwei Kilometer langen Weg durch die Echternacher Altstadt - unter ihnen der Trierer Bischof Stephan Ackermann und zahlreiche Gläubige aus der Region, unter anderem aus Prüm, dem Sauertal, aus Bitburg, Saarburg und Trier. "Es ist eine Ehre, hier bei diesem herrlichen Wetter und dieser besonderen Atmosphäre mitzumachen", sagt Heinz Ziwes vom Musikverein Irrel. Gemeinsam mit seinen Kollegen spielt er die traditionellen Polkamelodie, nach der die Pilger einen Schritt nach links vorne und dann nach rechts hüpfen. 1953 zog Ziwes als Zwölfjähriger das erste Mal durch die Abteistadt. Seitdem kommt er jedes Jahr an Pfingstdienstag nach Echternach. "Die ganze Region ist verwachsen mit der Springprozession", sagt der 71-Jährige.
So wie Matthias Knauf aus Pronsfeld, der 1964 zum ersten Mal in Echternach dabei war - wie auch in diesem Jahr als Teilnehmer der Fußwallfahrt, die an Pfingstsonntag von Prüm aus startet. "Man trifft viele Menschen und Bekannte und jedes Jahr kommen neue hinzu", beschreibt Knauf seine Faszination für die Prozession. 80 Kilometer hat er am Dienstag bereits in den Beinen - etwas mehr als Maria Hoffmann, die in Waxweiler zu der Pilgergruppe gestoßen ist. Eigentlich wohnt Hoffmann seit Jahren in Köln, doch über Pfingsten zieht es sie immer in die Region, zu den Pilgern. "Wir werden mit der Prozession gemeinsam alt", sagt sie lachelnd. Gut gelaunt trotz schmerzender Füße hüpft sie mit ihren Mitstreitern durch die Abteistadt - unter den Augen von Tausenden Menschen, die sich entlang der Straßen versammelt haben. Die Springprozession sei "Ausdruck der Freude des Glaubens" hatte Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, am Morgen in seiner Begrüßungsansprache gesagt. Eine Einschätzung, die Aktive wie Zuschauer an Pfingstdienstag in Echternach bestätigen. neb
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www.volksfreund.de
Extra

Die heutige Form der Echternacher Springprozession geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Ihre Entstehung reicht aber bis ins Mittelalter: Die älteste Erwähnung eines Dreisprungs findet sich für Echternach in einer Sequenz des Mönchs Bruno von Prüm, der von 1008 bis 1048 Abt in Reichenau war. Diese Sequenz zu Ehren des Heiligen Willibrord, der 739 gestorben war, bei Nervenkrankheiten, Krämpfen und Epilepsie angerufen wurde und nach seinem Tod aus Echternach einen Pilgerort werden ließ, deutet auf eine bestimmte Springprozession an einem bestimmten Tag hin. So zumindest legt es der Willibrordus-Bauverein aus, der für die Organisation der heutigen Springprozession zuständig ist. Im November 2010 ernannte die Unesco das Ereignis zum Weltkulturerbe.Extra

Die heutige Form der Echternacher Springprozession geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Ihre Entstehung reicht aber bis ins Mittelalter: Die älteste Erwähnung eines Dreisprungs findet sich für Echternach in einer Sequenz des Mönchs Bruno von Prüm, der von 1008 bis 1048 Abt in Reichenau war. Diese Sequenz zu Ehren des heiligen Willibrord, der 739 gestorben war, bei Nervenkrankheiten, Krämpfen und Epilepsie angerufen wurde und nach seinem Tod aus Echternach einen Pilgerort werden ließ, deutet auf eine bestimmte Springprozession an einem bestimmten Tag hin. So zumindest legt es der Willibrordus-Bauverein aus, der für die Organisation der heutigen Springprozession zuständig ist. Im November 2010 ernannte die Unesco das Ereignis zum Weltkulturerbe. neb