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Zig Millionen für den Naturschutz im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Zig Millionen für den Naturschutz im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

In den Nationalpark Hunsrück-Hochwald sind bereits 62 Millionen Euro geflossen – weitere 95 Millionen Euro sollen folgen. Was bislang geschah und was noch passieren soll.

Bis sich dichte dunkle Fichtenforste in unberührte, artenreiche Urwälder verwandeln, werden Jahrhunderte vergehen. Daher mag so mancher Besucher, der Wildnis erwartete, vom Anblick des Nationalparks Hunsrück-Hochwald enttäuscht sein. Dennoch ist in den zwei Jahren, die seit seiner Eröffnung vergingen, viel geschehen.

Zigtausende Fichten wurden gefällt, kilometerweise Zäune abgebaut, Moore renaturiert und allein 2016 pflanzten Förster 163.000 junge Buchen. Zahlreiche Wanderwege führen inzwischen durch das Schutzgebiet, eine 80 Kilometer lange Radroute wird demnächst ausgeschildert und Hinweisschilder sowie Info-Tafeln wurden aufgestellt. Ein neues Nationalpark-Museum soll 2018 im Hunsrückhaus am Erbeskopf eröffnen.

Nach Ansicht von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) entwickelt sich die Region zu einem Touristenmagneten. So haben deutlich mehr Menschen die künftigen Nationalparktore am Hunsrückhaus und dem Wildfreigehege Wildenburg besucht - zuletzt wurden 36.000 Besucher gezählt. Das neue Keltendorf am Ringwall Otzenhausen hat seit seiner Eröffnung im Mai 2016 15.000 Besucher gelockt.

Der Park habe sich gut entwickelt und zu einer neuen Identifikation der Menschen in der Region beigetragen, sagt Dreyer. Wirtschaftsminister Volker Wissing betont die Bedeutung der Park-Ranger, die fast täglich kostenlose Führungen anbieten. So werde Naturschutz "von einer abstrakten Idee zu einem direkt erfahrbaren Erlebnis". Auch Hunderte Schulkinder waren auf den Spuren von Wildkatze & Co. unterwegs.

Seit 2013 flossen nach Angaben des Umweltministeriums 62 Millionen Euro in die Nationalparkregion. In den nächsten Jahren sollen weitere 95 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln für Naturschutz, Regionalentwicklung und Tourismus folgen. Um Biotope miteinander zu verbinden, werden laut Umweltministerin Ulrike Höfken ab diesem Jahr 15,6 Millionen Euro ausgegeben. "Außerdem stellen wir für den Breitbandausbau der drei Landkreise 30 Millionen Euro in Aussicht", sagt die Ministerpräsidentin.

Michael Billen, forstpolitischer Sprecher der Landtags-CDU kritisiert, dass das Geld bisher vor allem für Gewässer- und Naturschutz investiert worden sei. Im Bereich Tourismus und Regionalentwicklung bleibe die Landesregierung hinter ihren Versprechen zurück. Bürger bemängelten beim Nationalparkforum insbesondere fehlende Verkehrsverbindungen und schlechtes Internet.

Kritik kommt auch von Gereon Haumann, Präsident des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands. Der Park liege weiter im Dornröschenschlaf, sagt er. Die touristische Nachfrage habe nicht so stark zugenommen, dass Betriebe ausbauen oder modernisieren könnten. Haumann fordert das Land auf, Hoteliers und Gastronomen einmalig mit 100.000 bis 200.000 Euro zu unterstützen. Auch wünscht er sich eine Jugendherberge am Erbeskopf und ein Beratungsprogramm.

Laut Parkverwaltung haben sich mehr als 50 Betriebe beworben, Partner des Nationalparks zu werden. Sie werden nun zertifiziert. Info

Kostenlose Rangerführungen

Fast täglich bieten Park-Ranger kostenlose Führungen an, die sich mit der Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks oder mit seiner keltischen Vergangenheit befassen. 1500 Gäste haben daran bisher teilgenommen.
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