Kultur: Agatha Christie mal anders

Kultur : Agatha Christie mal anders

Humorvolle Werbepausen und eine verschwommene Sicht bei der Premiere von „Tod auf dem Nil“ in der Tufa Trier.

Bereits bevor der Vorhang sich öffnet, hört man Gekicher und Gelächter aus dem Publikum. Die Vorfreude scheint groß, der kleine Saal der Tufa ist ausverkauft und vereinzelt klirren Sektgläser. Jung und Alt sind gekommen, um sich das neuste Meisterwerk des Satiricon Theaters anzusehen. Seit Jahren inszeniert Sandra Karl mit ihrer Truppe verschiedene Stücke, in diesem Jahr steht eine Adaption des Romans „Tod auf dem Nil“ von Agatha Christie auf dem Programm.

Die Handlung ist vielen geläufig: Auf dem Nildampfer Lotus versammeln sich die unterschiedlichsten Passagiere, um einige entspannte Tage auf See zu erleben. Unter ihnen auch Kay Mostyn und ihr frischgebackener Ehemann Simon Mostyn (Lena Kasper und Matthias Beer). Doch kurz bevor das Schiff ablegt, geht auch noch Jackie (Vicky Ueberholz) an Bord: Die ehemalige beste Freundin von Kay und Ex-Verlobte von Simon. Im ersten Moment scheint der mehr oder weniger geplante Urlaub gemeinsam mit Kay und Simon sie weniger zu stören. Doch bereits nach einigen Szenen zeigt Vicky Ueberholz eindrucksvoll die zerbrechliche und wütende Seite der Jackie. Mittler zwischen den verfeindeten Freundinnen ist Kays Vormund Pfarrer Pennefather (eindrucksvoll gespielt von Manfred Rath), der eine Mission und einen schlauen Kopf hat. Als plötzlich ein Mord an Bord passiert, scheint es mit der Urlaubsfreude endgültig hinüber zu sein.

Mit ironischen und überspitzten Einlagen schafft es das Satiricon Theater, ihr Publikum trotz der eher ernsten Handlung zu unterhalten. Für die größten Lacher sorgt Sandra Karl selbst, wenn sie als Perlenverkäuferin auf der Bühne steht. Hinter ihrem Partner Hassan steckt Bonko Karadjov, bis Sommer Ensemblemitglied im Theater Trier, der die beiden Werbespots gedreht hat, um ihre Perlen, Skarabäen und besondere Postkarten an den Mann zu bringen. Die kurzweiligen Filme unterbrechen das reguläre Stück und bringen eine große Portion Humor in den Krimi. Ein kleiner Schwenk auf den „ersten kommunistischen Pharao Tutanch-Karl-Marx“ fehlt natürlich nicht.

Meggi Fritzen und Mechthild Kasper sind begeistert von der Premiere. Sie sind große Fans der Tufa und besuchen jedes Jahr das Stück das Satiricon Theaters. „Die Kostüme sehen wunderbar aus, wirklich wie aus den 20er Jahren“, schwärmt Fritzen, „man sieht die Liebe zum Detail.“ Mechthild Kasper stimmt ihrer Freundin zu. „Jeder Schauspieler spielt seinen Charakter einzigartig – und das bei so viel Text!“, sagt sie. Ihre Tochter Lena steht in diesem Jahr als Kay Mostyn auf der Bühne. „Es ist nicht immer leicht, den Alltag mit den Proben für das Stück in Einklang zu bringen“, sagt Kasper.

Wie leicht da ein organisatorischer Fehler passiert, zeigt sich nach dem Stück. Als Lena Kasper von der Bühne kommt, erzählt sie: „Ich habe völlig vergessen, meine Kontaktlinsen einzupacken. Das ganze Stück über sah ich meine Kollegen nur verschwommen!“ Dem Publikum ist das aber nicht aufgefallen. „Wir haben so viel geprobt, ich könnte vermutlich auch blind spielen“, lacht sie.

Mehr von Volksfreund