Auf Spurensuche mit einem Restaurator im Stadtmuseum Simeonstift Trier

Auf Spurensuche mit einem Restaurator im Stadtmuseum Simeonstift Trier

Dimitri Bartashevich ist Kunstexperte mit Herz und Seele. Mehrmals jährlich berät er Trierer, die ihre Kunstgegenstände bewertet haben möchten. Der Trierische Volksfreund war bei einer Kunstsprechstunde dabei.

In der Weihnachtszeit sind die Menschen auf der Suche nach Geschenken - neue Gegenstände aus der Welt der Technik stehen oft oben auf dem Wunschzettel.
Dimitri Bartashevich hat jedoch ein Faible für alte Dinge und beurteilt Kunstgegenstände im Trierer Stadtmuseum.
Ähnlich wie in der erfolgreichen ZDF-Serie "Bares für Rares" mit Horst Lichter bringen die Besucher wiedergefundene, geerbte oder auch gekaufte Gegenstände, um sie von einem Experten begutachten zu lassen. Was in Trier fehlt, ist der Verkauf bei Händlern. Das Besondere ist jedoch Bartashevichs charmante Spurensuche nach der Geschichte hinter den Gegenständen.Naive Alpenlandschaft


Das an diesem Tag mitgebrachte, bei einer Räumung gefundene Gemälde mit südeuropäischem Küsten- und Stadtmotiv schätzt der Experte auf 100 bis 200 Euro. Das Gemälde sei aus den 50er/60er Jahren und typisch für die Nachkriegszeit. Es könne sich dabei um ein Reisemitbringsel handeln, aber auch aus einer Kunstabteilung eines Kaufhauses stammen. Die Qualität zeichne sich durch sehr schöne Farben aus - Heiterkeit und Unbekümmertheit vermitteln mediterranes Leben.
Der Wert der Abbildung hänge davon ab, ob der Ort erkennbar sei oder nicht, erklärt Bartashevich den Besuchern. "Aber es ist schön, und das ist das Wichtigste", betont er.
Ein anderes Gemälde mit einer typischen Alpenlandschaft kommt bei der Beratung dagegen weniger gut weg: "Naive Malerei, penibel und schülerhaft aufgemalt." Dafür schätzt der Experte dann auch nur einen Liebhaberpreis - es gebe keinen Markt dafür. Ein bei einem Antiquitätenhändler erworbenes Werk mit Signatur begeistert Bartashevich hingegen mehr. Der Künstler sei bekannt und die Qualität sehr gut - Schätzung zwischen 150 und 300 Euro. Man spreche manchmal über Teppich- oder Pferdehändler, aber bei Antiquitätenhändlern sei es nicht besser, wie die Begutachtung eines weiteren Gemäldes zeigt. Vom Original sei nicht mehr viel übrig. Mit der Übermalung versuche man, Beschädigungen zu verstecken, zeigt Bartashevich.
Als Restaurator interessiere er sich aber auch für die Rückseiten der Bilder, diese könnten auch viel über die Geschichte erzählen. Auf dem Kunstmarkt gebe es immer große Schwankungen, meint der Experte.
Der tatsächliche Preis eines Werkes werde in einer Auktion festgesetzt, er gebe unverbindliche Schätzungen, die der Orientierung dienen.

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