"Bei der Wahrheit bleiben"

Gegen den geplanten Windpark auf dem Judenkopf regt sich Widerstand in Greimerath. Doch Betreiber und Gemeinde weisen die Kritik zurück: Die Verantwortlichen dort seien umfassend informiert worden.

Losheim/Greimerath. Die Betreiber des geplanten Windparks auf dem Judenkopf bei Britten und die Gemeinde Losheim haben sich nachdrücklich gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, sie hätten die Anwohner in dem nahe dem Windpark gelegenen Grenzort Greimerath nicht ausreichend über das Vorhaben informiert und unzureichend eingebunden.
In Greimerath hat sich zwischenzeitlich eine Bürgerinitiative gegründet, die den Windpark mit fünf Windrädern mit jeweils rund 200 Metern Gesamthöhe verhindern will. Die Gegner des Projektes kritisieren eine Verschandelung der Landschaft, einen massiven Einschnitt in die weitgehend unberührte Flora und Fauna am Judenkopf, über den die Landesgrenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz verläuft, und eine drastische Einschränkung der Lebensqualität der Greimerather Bürger.
Auch werfen sie den Betreibern der Anlagen und der für die Planung zuständigen Gemeinde Losheim vor, ebendiese Aspekte bei den Planungen für den Windpark nicht ausreichend geprüft zu haben. All dies lässt der Losheimer Bürgermeister Lothar Christ nicht stehen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern der Gemeinde sowie der Anlagenbetreiber (zum einen die Familie Wendelin von Boch, zum anderen der Energieversorger VSE und die Technischen Werke Losheim) erklärte Christ: "Das Projekt ist seriös und umfassend geprüft worden."
Der Vorwurf von rheinland- pfälzischer Seite, dass es sich bei den für die Planung erstellten Untersuchungen um Gefälligkeitsgutachten handele, könne so nicht stehen bleiben, befand Christ: "Es gab sehr detaillierte Abstimmungsgespräche gerade zu naturschutzrechtlichen Fragen und den Belangen gefährdeter Tierarten mit der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz."
Christ räumte ein, dass die Anlagen "unbestritten zu einer Veränderung des Landschaftsbildes" führen werden. Allerdings habe die Gemeinde Losheim versucht, im Benehmen mit der rheinland- pfälzischen Verbandsgemeinde Kell am See, zu der Greimerath gehört, einen Kompromiss zu finden, der das Landschaftsbild nicht zu stark belastet. Die von der BI ebenfalls befürchteten gesundheitlichen Belastungen für die Menschen in der Nähe der Anlagen "können wir aus eigener Erfahrung nicht bestätigen", sagte Christ. In der Gemeinde Losheim gebe es seit Jahren acht Windräder auf der Wahlener Platte, hier seien noch keine der angeführten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zu beobachten gewesen.
Christ wies auch den Vorwurf zurück, dass die Gemeinde das Vorhaben ohne angemessene Information und Einbindung der Greimerather Seite geplant habe. "Das Projekt ist seit einem Zeitungsartikel darüber im November 2010 öffentlich bekannt." Zudem habe es immer wieder Informationen an die politischen Gremien der Ortsgemeinde Greimerath und der Verbandsgemeinde Kell am See gegeben, in denen die Planungen erläutert worden seien.
Lange Zeit habe es von dieser Seite auch positive Rückmeldungen und viel Sympathie für das Projekt gegeben. "Noch im November 2012 gab es eine positive Stellungnahme der Verbandsgemeinde Kell am See."
Eine umfangreiche Chronik der verschiedenen Etappen in den Planungen, den die Gemeinde und die Betreiber vorlegten, soll die Argumente der Kritiker entkräften. Der Ort Greimerath habe selbst daran gedacht, auf rheinland-pfälzischer Seite des Judenkopfes zwei eigene Windräder zu errichten.
Es sei auch schon überlegt worden, die auf saarländischer Seite zu schaffende Leitungsinfrastruktur für den Anschluss dieser beiden Räder ans Stromnetz zu nutzen. Christ: "Ich habe noch nie erlebt, dass ein Vorhaben so sorgfältig geprüft worden ist." Sollte jemand gegen den Windpark klagen wollen, so sei dies gleichwohl sein gutes Recht. "Aber man soll doch in der öffentlichen Diskussion bei der Wahrheit bleiben."Extra

Auf dem Judenkopf, über den die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz verläuft, sollen fünf Windräder mit jeweils fast 200 Metern Gesamthöhe errichtet werden. Für den Windpark hat sich eine Projektgemeinschaft gegründet, der die Familie Wendelin von Boch, die Technischen Werke Losheim (TWL) und der Energieversorger VSE angehören. Vier Räder werden nach den vorliegenden Planungen auf Gelände der W. von-Bochschen Forstverwaltung stehen, das fünfte auf einer Fläche der Gemeinde Losheim. Drei der Räder sollen von der Familie Wendelin von Boch betrieben werden, die übrigen zwei von TWL und VSE. Der Losheimer Gemeinderat hat vor kurzem den Weg für das Projektes frei gemacht. cbe