Der virtuelle Zettelkasten

Es klingt befremdlich: Ausgerechnet Informatiker sollen es schwer haben, wissenschaftliche Literatur zu finden? Michael Ley von der Universität Trier hat vor 20 Jahren die Literaturdatenbank "digital bibliography & libery project" (dblp) aufgebaut - und pflegt sie bis heute. Warum das nötig ist, erklärt er im TV.

Trier. Sichten, ordnen, lesen, notieren, bearbeiten, verwalten: So sehen die Prüfungsvorbereitungen vieler Studenten aus. Heute hilft der Computer. Bevor sich die digitale Technik verbreitete, griff der Trierer Michael Ley wie die meisten Wissenschaftler "auf sogenannte Zettelkästen zurück, um Gelesenes wiederfinden zu können", wie Ley aus der Zeit seiner Promotion im Fach Informatik an der Universität Trier erzählt. Von Universitätsbibliothek reiste er damals zu Universitätsbibliothek, um sein Material zusammenzusuchen.
Seit 1993 lehrt Ley nicht nur an der Uni, sondern betreut die digitale Informatik-Literaturdatenbank "digital bibliography & libery project" (dblp). Vor genau 20 Jahren hat er sie gegründet, zum Jubiläum gab es jetzt eine Feier.
Der 54-jährige Informatiker sucht aktuelle Veröffentlichungen aus internationalen Fachzeitschriften und Tagungsbänden. Sortiert nach Grundlagen, Ideen und Experten pflegt er digitale Verknüpfungen (Hyperlinks) ein. Auch heute noch ist die Datenbank wichtig: "Der Literaturbestand für Informatik ist eher gering", sagt Ley. Während andere wissenschaftliche Disziplinen ihre Ergebnisse primär in Zeitschriften veröffentlichten, spielten in der Informatik Konferenzbeiträge eine größere Rolle. Diese seien unzureichend erfasst.
2,3 Millionen Einträge weist die Literaturdatenbank inzwischen auf. Um das Angebot zu verstetigen, kooperiert die Universität Trier seit 2011 mit dem Leibniz-Zentrum für Informatik Schloss Dagstuhl. Dort arbeitet Michael Wagner (32), der erklärt, wie er während seines Studiums von Leys Literaturdatenbank profitierte: "Ich konnte die Verknüpfung zwischen den Autoren für meine Arbeiten bequem am Computer raussuchen."