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Die Klostermedizin im Wandel der Zeit

Die Klostermedizin im Wandel der Zeit

Eine kritische Würdigung der Klostermedizin vom Mittelalter bis heute war Thema eines Vortrags des Theologen Dr. Hermann Josef Roth. Eine These von ihm: Die "Hildegard-Medizin" ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und steht nicht in Verbindung zur historischen Hildegard.

Trier. "Klostermedizin von Hildegard bis heute: Rheinischer Beitrag - Kritische Würdigung" - so hieß das Thema des Bonner Theologen und Botanikers Dr. Hermann Josef Roth. Roth referierte auf Einladung der Bibliothek des Priesterseminars Trier und der Bibliophilen Gesellschaft Trier Pro Libris.
Fürsorge um die Kranken und deren Pflege sei ein urchristliches Anliegen, seit Jesus sie heilte, sagte Roth. Diese Aufgabe habe auch im Mittelalter zu den wichtigen Tätigkeiten im Kloster gehört. Bereits die Ordensregel des heiligen Benedikt von Nursia, des Vaters des europäischen Mönchtums, habe einen Abt oder eine Äbtissin zum Dienst an den Kranken und Schwachen verpflichtet. Folglich seien die Klöster nicht nur wichtige Orte der Kulturtradition, der Forschung und Lehre, sondern auch der Ursprung einer "ganzheitlichen Medizin" gewesen.
Diesen Behandlungsansatz setzten die Nonnen und Mönche mit eigenen Krankenhäusern und einer Arzneiherstellung aus Heilpflanzen um. Die heilige Hildegard von Bingen kannte, schätzte und förderte laut Roth umsichtig diese "echte Klostermedizin" in Eibingen und auf dem Rupertsberg. Sie habe ein Herz für Kranke und Schwache gehabt, weil sie selbst ärztliche Hilfe benötigt habe. Medizinische Schriften wie die "Physica" habe sie wohl kaum selbst verfasst; sie seien ihr zugeschrieben worden.
Auch die "Hildegard-Medizin" mit ihren vielen Erzeugnissen ist laut Roth eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und steht in keiner Verbindung zur historischen Hildegard. Doch die "Klostermedizin" sei mit Hildegard nicht stehen geblieben. Vielmehr habe sie sich durch die "Schulmedizin" an den neuen Universitäten Europas zu einer "Medizin im Kloster" gewandelt.
Dabei sei sie für neue Entwicklungen von außen sehr offen geblieben, sagte Roth. Der Fortschritt der Schulmedizin und das heilkundliche Wissen der Naturvölker aus der "neuen Welt" hätten ihren Weg zurück zu ihrem klösterlichen Ursprung gefunden. Dort seien die neuen Erkenntnisse nach sorgfältiger Prüfung wieder in der Praxis angewendet und stetig fortentwickelt worden. red