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Dreckige Küchen und saubere Vorbilder

Dreckige Küchen und saubere Vorbilder

In welchen Trierer Restaurants und Imbissen die Lebensmittelkontrolleure Ekliges entdeckt haben, muss künftig bekannt gemacht werden - auf Anfrage oder in für alle zugänglichen Positiv- und Negativlisten im Internet. In Trier fehlt allerdings für beides das Personal.

Trier. Verschimmelte Lebensmittel, keine Seife auf dem Personal-WC, zu warme Kühlschränke, Ungeziefer: Zustände, die auch in manchen Trierer Imbissen, Restaurants und Kneipen herrschen.

Betriebsgeheimnisse und Fristen werden gewahrt

Bei rund 30 Prozent der kontrollierten Betriebe hat das Ordnungsamt Beanstandungen. Bei zehn Prozent sind die Hygienemängel so groß, dass die Lebensmittelkontrolleure Ordnungsgelder verhängen.

Nur: In welchen Betrieben es in den Küchen nicht so sauber zugeht, wie der Gast erhoffen und erwarten darf, ist unbekannt. Bislang zumindest. Denn das seit einem Jahr geltende Verbraucher-Informationsgesetz gibt den Kunden das Recht, sich über die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen in gastronomischen Betrieben und im Lebensmittelhandel zu informieren - inklusive der Namen der jeweiligen Betriebe.

"Die betriebswirtschaftlichen Interessen des Betriebs treten dabei hinter dem Recht der Verbraucher auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit der ihm angebotenen Lebensmittel zurück", erklärt der städtische Pressesprecher Ralf Frühauf. Erfragt werden können die Daten laut Verbraucher-Informationsgesetz bei der zuständigen Behörde, in Trier beim Ordnungsamt.

"Das Verfahren ist allerdings sehr kompliziert und langwierig", sagt Frühauf. Betriebsgeheimnisse und Fristen müssten gewahrt werden. "Eine größere Zahl solcher Anfragen könnte unser vorhandenes Personal daher gar nicht bewältigen." Doch das Verbraucher-Informationsgesetz ermöglicht eine Alternative zur aufwendigen Einzelantwort: Die Verwaltungen können Listen mit sämtlichen Kontrollergebnissen und Betriebsnamen veröffentlichen.

In einigen Städten in Nordrhein-Westfalen und auch in Berlin gibt es das schon: "Asia-Imbiss, Gustav-Adolf-Straße 168, 15. Januar 2009: mangelnde Grundhygiene, verdorbene Lebensmittel, nicht Einhalten der Kühlkette", kann man auf der Internet-Seite der Hauptstadt nachlesen. Oder: "Kamps Bäckereifiliale, Landsberger Allee 117, 26. Februar 2009: Fliegenbefall".

Doch die Berliner haben sich auch ein Belohnungssystem ausgedacht: Wer die hygienischen Anforderungen mit "gut" oder "sehr gut" erfüllt, erhält einen amtlichen "Alles sauber, also rein!"-Aufkleber.

Vorbildhafte Betriebe können sich so ihren Kunden gegenüber besonders hervortun. Auch bei der Trierer Lebensmittelüberwachung denkt man über solche Positiv- und Negativlisten nach: "Allerdings sind wir dabei noch in einem sehr frühen Stadium", erklärt Frühauf.

Mit der Veröffentlichung der Kontrollergebnisse wäre die Stadt von der aufwendigen Bearbeitung individueller Anfragen befreit. "Und eine Positivliste würde einen Anreiz schaffen, geltende Vorschriften einzuhalten und so die Sicherheit der Verbraucher und Kunden zu erhöhen", sagt Pressesprecher Frühauf.

"Außerdem könnte der Verbraucher sich leicht einen Überblick über die sauberen und die beanstandeten Betriebe verschaffen." Doch einen Haken gibt es aber auch hier: "Die notwendige permanente Aktualisierung der Listen im Internet würde die personellen Kapazitäten der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Trier übersteigen."

Meinung

Es fehlen wesentliche Voraussetzungen

Von Christiane Wolff

Welcher Abgeordnete wie viel mit Nebenjobs verdient, wer insolvent ist und wer vor dem Arbeitsgericht gegen welche Kündigungsgründe kämpft: All das ist im Internet nachzulesen, jeweils mit den dazu gehörenden vollen Namen. Aber in welchem Restaurant das Fleisch eher grünlich als rot schimmert, war bislang ein großes Geheimnis - das Image der Betriebe wurde höher bewerten als die Gesundheit der Verbraucher. Richtig: Wer mit seinem Restaurant oder Imbiss auf einer öffentlichen Negativ-Liste landet, dessen Ruf ist ruiniert. Aber sofern die Listen vollständig und mit Sachverstand geführt würden, wären sie den Verbrauchern gegenüber nur gerecht. Das sieht auch der Gesetzgeber so. Allein es fehlen - wie so oft - die Voraussetzungen. Denn die hoch verschuldete Stadt hat einfach kein Geld, um ausreichend Lebensmittelkontrolleure zu beschäftigen und so das neue Verbaucher-Informationsgesetz erfüllen zu können. Die jetzigen drei Kontrolleure schaffen es noch nicht mal, allen Trierer Betrieben ein Mal pro Jahr einen Besuch abzustatten. Von den 742 Gastronomiebetrieben wurden im Jahr 2008 nur 496 kontrolliert, von den 247 Lebensmittelläden nur 153. Viel zu wenig, um gerechte Positiv- und Negativ-Listen aufstellen zu können. Und viel zu wenig, um für die Gesundheit der Verbraucher ausreichend Vorsorge zu leisten. c.wolff@volksfreund.de