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Schule: Ein Fluchtszenario, das unter die Haut geht

Schule : Ein Fluchtszenario, das unter die Haut geht

Schüler des Schulzentrums Schweich erleben im Missio-Truck, was es bedeutet, die Heimat verlassen zu müssen.

Wenn mal wieder in den Medien von Millionen Flüchtlingen die Rede ist, die wegen Krieg und Hungersnot ihre Heimat verlassen, dann prallt das an vielen Menschen ab. Anders ist das, wenn die Schicksale und das Leid der Betroffenen lebendig werden. So wie im Missio-Truck, der kürzlich am Schulzentrum Schweich Station machte. Schüler der Realschule plus, des Stefan-Andres-Gymnasiums (SAG) und des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) erlebten in dem 17 Meter langen Lastwagen Menschen auf der Flucht in Form einer multimedialen Ausstellung.

Zunächst werden die Schüler ab Klasse 8 im Unterricht von Missio-Mitarbeiterin Manuela Vosen auf das Thema vorbereitet. Dann geht es auf den Schulhof zum Truck und zu Marcus Composs. Er ist fürs Emotionale zuständig, lotst die Schüler durch die verschiedenen Flucht-Szenarien, die in sechs Zimmern des Trucks simuliert werden. Es beginnt mit einer Kapelle, Rückzugsort für die Bewohner eines kongolesischen Dorfes, das gerade von schießwütigen Rebellen überfallen wird.

Schüler wie Mark und Luc von der Realschule plus schlüpfen in die Rolle von Flüchtlingen. Acht Charaktere stehen zur Auswahl. Durch einen QR-Code aktivieren sie mittels ihrer Rollenkarte Mitmachangebote und Videos, erleben hautnah, was es bedeutet, eine Flucht zu durchstehen und Startschwierigkeiten am Zufluchtsort zu bewältigen. In den Räumen können die Schüler die Flucht durchleben und müssen dabei immer wieder eigene Entscheidungen treffen.

Deutschlehrerin Asmita Dores vom SAG hat sich zusammen mit Kooperator Pfarrer Axel Huber dafür eingesetzt, den Truck nach Schweich zu holen. Vier Tage war das Fahrzeug auch während der Heilig-Rock-Tage in Trier im Einsatz. „Das Konzept kommt gut an“, sagt Dores. „Das merkt man an den angeregten Diskussionen nach dem Besuch im Truck. Viele Schüler fühlen sich auch durch die Aktion „Kein Blut für unsere Handys” angesprochen.“

Am Truck kann man die Petition für saubere Handys unterstützen. Apple, Samsung, Microsoft und andere Unternehmen sollen garantieren, dass kein illegales Coltan aus der Republik Kongo für Smartphones verwendet wird. Der begehrte Rohstoff Coltan, ein Erz, führt zu planlosem Raubbau und kriegerischen Konflikten. Das afrikanische Land kommt nicht zur Ruhe.

Nachdem durch die Flüchtlingswelle 2014/15 die Nachfrage von Schulen und anderen Einrichtungen zum Thema Flucht größer geworden sei, habe das Entwicklungsministerium die Trucks mitfinanziert, sagt Missio-Mitarbeiter Marcus Composs.

Zwei Laster seien permanent in Deutschland unterwegs.