Ein Müllberg zieht vielleicht nach Mertesdorf

Ein Müllberg zieht vielleicht nach Mertesdorf

Pläne des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART) in Saarburg könnten auch für Mertesdorf relevant werden: Der Zweckverband überlegt, die alte Saarburger Deponie abzutragen und den Müll zum Entsorgungs- und Verwertungszentrum in die Ruwergemeinde zu fahren.

Mertesdorf/Saarburg. Sie liegt an der Kreisstraße 135 bei Saarburg, hat eine Oberfläche in der Größe von rund drei Fußballfeldern, ist seit 1995 im "Ruhestand" und könnte nun auch die Aufmerksamkeit der Mertesdorfer auf sich ziehen: die alte Saarburger Mülldeponie. 40 Jahre lang wurde sie befüllt - im Wesentlichen mit Hausmüll. Seit 16 Jahren liegt sie still. Arbeit macht sie ihrem Besitzer, dem Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART), immer noch. "Die Anlage wird permanent überwacht", sagt Max Monzel, Geschäftsführer des ART.
Zum Beispiel wird das Grundwasser regelmäßig untersucht. Seitlich läuft Wasser von der Böschung aus in die Deponie, die, als sie 1955 in Betrieb ging, keine Abdichtung nach unten bekommen hatte. Monzel versichert, dass keine akute Umweltgefahr von den Abfällen ausgeht. "Gerade das wollen wir auch verhindern."
So denkt der Zweckverband darüber nach, wie das Problem in Zukunft gelöst wird. Schließlich ist er gesetztlich verpflichtet, sich darum zu kümmern. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:
Möglichkeit 1: Abdichten und da lassen:
Eine Sanierungslösung wäre, Spundwände zwischen Berg und Deponie zu ziehen. Das Wasser würde so am alten Abfall vorbeigeleitet. Der Boden der Deponie bliebe weiter unversiegelt. "Hinter der dauerhaften Sicherheit steht damit ein Fragezeichen", sagt Landrat Günther Schartz, stellvertretender Verbandsvorsteher.
Möglichkeit 2: Abtragen und abtransportieren:
"In Zusammenhang mit der Suche nach Sanierungslösungen drängte sich uns die Frage auf, ob es nicht sinnvoller wäre, die Abfälle in Saarburg zu entnehmen und an einen Standort zu bringen, der mit allen technischen Voraussetzungen ausgestattet ist", sagt Monzel. Dies sei das Entsorgungs- und Verwertungszentrum Mertesdorf. "Gleichzeitig ist hierbei die Möglichkeit gegeben, Wertstoffe, aber auch umweltgefährdende Störstoffe herauszusortieren und einer geregelten Verwertung oder Entsorgung zuzuführen."
Es würde rund zehn Monate dauern, die 200 000 bis 220 000 Kubikmeter per LKW (entspricht 80 bis 88 Olympia-Schwimmbecken) von Saarburg nach Mertesdorf zu bringen. Das hieße: zwölf bis 14 Lastwagen pro Stunde, 110 am Tag. "Eine einmalige Belastung für einen bestimmten Zeitraum", sagt Schartz. Mögliche Transportwege: von der Deponie über die B 51 und Könen über Trier nach Mertesdorf oder über Ayl, Irsch, Zerf, Reinsfeld und Hermeskeil nach Mertesdorf. Letzteres wäre deutlich weiter. Anschließend würde die Fläche in Saarburg renaturiert werden.
Vor- und Nachteile:
Die Kosten für die Sanierung vor Ort und für den Wegtransport wären in etwa gleich: 14 bis 15 Millionen Euro. Der Zweckverband hat seit Jahren für die Nachsorge der Deponie finanzielle Rücklagen geschaffen. Zwei Büros aus Trier und Koblenz haben sich mit den Alternativen beschäftigt. "Beide tendierten in ihren Gutachten eher dazu, die Deponie abzutragen", so Monzel. LKW-Verkehr sei auch bei der Variante 1 zu erwarten. Die Verlagerung nach Mertesdorf würde die Kapazitäten dort nicht sprengen. Wenn das Saarburger Material hinzukäme, wären immer noch 570 000 Kubikmeter übrig für sogenanntes totes Material, also solches, das nicht verbrannt oder verwertet wird. Schartz weist darauf hin, dass man dezidiert prüfe und abwäge, wie etwa die Geruchsbelastung sich entwickele. "Wenn es bei dem für diesen Herbst geplanten Probeabbau in Saarburg nicht zu Geruchsbelästigungen kommt, dann ist auch in Mertesdorf nicht damit zu rechnen." Die Grundwasserüberwachung bliebe in beiden Fällen noch erhalten.
Zukünftige Entwicklung:
Entschieden hat sich das Zweckverbandsgremium noch nicht. "Wir müssen nach einer klugen und nachhaltigen Sanierungslösung suchen", sagt Monzel. Im Herbst soll getestet werden, wie die Geruchsentwicklung und die Staubbelastung ist, wenn der Deponieberg Schicht für Schicht abgetragen wird.
Steht die Entscheidung schließlich fest, heißt das noch nicht, dass dort auch die Arbeit losgeht. Denn es muss erst ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen werden - samt Öffentlichkeitsbeteiligung. Frühester Beginn des Abtransports wäre Anfang 2014.
Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer Bernhard Busch hält das Abtragen der Saarburger Deponie und die Renaturierung für "ökologisch sinnvoll und wichtig." Verkehrstechnisch sieht er keine Probleme für die Gemeinden der VG Ruwer. "Weil die Anfahrt über die B 52 laufen würde, ist davon keine Gemeinde direkt berührt." Die Bürgermeisterin von Mertesdorf, Ruth Wilhelm, sieht das ähnlich. "Die Information ist noch sehr frisch", sagt sie. Der Gemeinderat werde in der nächsten Sitzung informiert. "Wir als Gemeinde wünschen uns vom ART, dass die Geruchsbelastung so gering wie möglich bleibt."

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