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"Es kommt auf die Einstellung an"

"Es kommt auf die Einstellung an"

Joya Ghosh will mit einem neuen Konzept eine Lücke in der Trierer Kulturlandschaft schließen.

Trier/Konz "Jayashri nennt mich nur meine indische Großmutter", lacht Joya Ghosh, als sie nach ihrem vollständigen Vornamen gefragt wird. Er komme aus dem Bengalischen und bedeute "Schönheit der Gestirne". Weniger blumig ist der Nachname, den sie vom Vater hat: "Ein indischer Allerweltsname, so wie Müller oder Meyer", erzählt die 41-jährige Schauspielerin, die mütterlicherseits Saarländerin ist.
Joya Ghosh, die an der Frankfurter Schauspielschule GrenzArt ausgebildet wurde, möchte mit ihren Theaterproduktionen eine Lücke ausfüllen, die ihrer Meinung nach in Trier besteht. "Ich mag gesellschaftskritisches Theater. Es soll etwas mit den Zuschauern machen, sie verändern, aber ohne zu belehren." Komödien sind nicht ihr Ding. Außerdem sieht ihr Konzept "Joya Ghosh and friends" es nicht vor, die Stücke nach einem festen Ensemble auszusuchen, weil man möglichst alle Mitglieder unterbringen muss. In der semiprofessionellen Theaterszene, die oft aus Vereinen besteht, ist das keine Seltenheit.
Ghosh geht den umgekehrten Weg: Sie möchte ein bestimmtes Theaterstück spielen und wählt zu den jeweiligen Rollen die passenden Schauspieler. Diese müssen nicht zwingend eine entsprechende Ausbildung haben. "Es kommt auf eine professionelle Einstellung an", betont die Künstlerin. "Dass man vor der ersten Probe den Text kann, ist nur ein Beispiel dafür. Es gibt viele talentierte Amateure, die nie auf einer Schauspielschule waren."
Alleine von der Kunst kann sie, wie viele freiberufliche Schauspieler und Regisseure, nicht leben. Ihren Lebensunterhalt verdient sie zusätzlich unter anderem mit journalistischer Arbeit.
Mit einem abgeschlossenen Magisterstudium in Englisch und Spanisch wird sie auch für Übersetzungen angefragt.
Sie kennt auch die andere Seite: Eine gut bezahlte Festanstellung hat sie hinter sich, für ein Reifenmagazin ist die autobegeisterte Ghosh viel in der Welt herumgekommen. Aber das war auf Dauer nichts für sie - die Liebe zum Theater war stärker.
Seit 2006 lebt die gebürtige Stuttgarterin im Konzer Tälchen und fühlt sich mit ihren beiden Katzen wohl in der ländlichen Umgebung. "Natürlich ist eine Großstadt wie Frankfurt kreativitätsfördernd. Aber wenn sich Leute in der U-Bahn vor deinen Augen einen Schuss setzen, kannst du so was irgendwann nicht mehr sehen", erklärt sie ihren Entschluss, in die Trierer Region zu ziehen.
Joya Ghoshs aktuelle Produktion "Vagina Monologe" wird zum vorerst letzten Mal am Donnerstag, 9. November, 19.30 Uhr im Kasino am Kornmarkt in Trier gespielt. Für das Jahr 2018 steht unter anderem Urs Widmers "Top Dogs" auf ihrem Spielplan.