Fünf Verdachtsmomente

TRIER. Seltsame Schreiben landeten in den vergangenen Tagen in vielen Briefkästen der Region. Die Briefe, illustriert mit einer schlechten Kopie des RWE-Logos, kündigten an, dass eine "Zählergesellschaft Oranienburg" angeblich im Auftrag des Stromerzeugers die Zähler wechseln wolle. Doch obwohl alles nach Lug und Trug aussieht: Die RWE gibt Entwarnung, das Schreiben sei echt.

"Um die Messgenauigkeit Ihres Elektrizitätszählers entsprechend der Eichgesetzgebung zu gewährleisten, hat uns Ihr Energieversorger, die RWE, beauftragt, Ihren Stromzähler zu wechseln." Mit diesem Satz beginnt das Schreiben. Als Absender identifiziert sich die "Deutsche Zählergesellschaft Oranienburg mbH". Verdachtsmoment Nummer eins: Der Brief ist nicht unterzeichnet, es wird auch kein zuständiger Sachbearbeiter genannt. Nummer zwei: Die Gesellschaft gibt als Adresse lediglich ein Postfach an.Schlecht kopiert und grobpixelig

Im Briefkopf befindet sich das Logo der RWE - in einer schlecht kopierten und grobpixeligen Variante, die sofort unecht wirkt. Das wäre Verdachtsmoment Nummer drei. Das Schreiben verrät, wann der Empfänger mit dem Besuch eines Monteurs rechnen kann, und weist auf die zum Wechsel notwendige Stromunterbrechung hin. Immerhin: "Die Auswechslung des Zählers ist für Sie nicht kostenpflichtig." Falls es Rückfragen gegen sollte: Der Monteur sei auf seinem Handy zu erreichen. Dessen Nummer steht daneben, andere Mittel der Verständigung (außer dem Postfach) gibt es nicht: Verdachtsmoment Nummer fünf. Der nächste logische Schritt ist ein Anruf bei der RWE, denn es sieht ganz danach aus, als ginge es hier absolut nicht mit rechten Dingen zu. "Es handelt sich um reine Routine"

Doch der Stromerzeuger schiebt allen konspirativen Theorien einen Riegel vor. Trotz der seltsamen Gestaltung und der fünf Verdachtsmomente existiere die Deutsche Zählergesellschaft Oranienburg tatsächlich - und sie ist auch wirklich von der RWE mit dem Zählerwechsel beauftragt. "Es handelt sich dabei um reine Routine, denn die Eichung der Zähler ist zeitlich begrenzt", sagt RWE-Pressesprecher Rolf Lorig. "Wir sind mit diesen Briefen auch alles andere als glücklich", räumt er im Gespräch mit dem TV ein."Sie wirken wirklich verdächtig"

"Sie wirken wirklich verdächtig." Eine interne Regelung solle bewirken, dass die Botschaft in Zukunft deutlich seriöser in den Briefkästen landet. Nur die Handy-Nummer als einzige Möglichkeit der Kontakt-Aufnahme verteidigt Lorig: "Es handelt sich eben um Monteure, und diese sind ständig unterwegs und mit dem Handy am besten zu erreichen."

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