Heute haben die Bürger das Sagen

Heute haben die Bürger das Sagen

Mehr als ein Jahr haben Geografie-Studenten der Uni Trier an einer Entwicklungsstudie für Zemmer gearbeitet (der TV berichtete). Erste Erkenntnisse, darunter auch die Auswertung einer Haushaltsbefragung, werden heute ab 19 Uhr in der Fidei-Halle präsentiert.

Zemmer. "Wir haben interessante Ansatzpunkte, die wir während des Bürgerabends vertiefen wollen", verrät Student Andreas Eiden. Von den 1300 Fragebögen, die an die Haushalte in Zemmer, Schleidweiler, Rodt und Daufenbach verteilt worden waren, sind etwa 200 zurückgekommen. 30 Fragen zu den Themenbereichen Demografie, Wohnen, Versorgung, Mobilität und Freizeit galt es zu beantworten. Darüber hinaus gab es Raum für persönliche Erklärungen, etwa, was den Bürgern in ihrer Gemeinde gut gefällt und welche Zukunftschancen sie sehen.

Die Auswertung des Fragebogens war der zweite Schritt in dem ambitionierten Projekt. Wesentlich arbeits- und zeitintensiver war Schritt Nummer eins, die Zusammentragung aller Daten und Fakten als Basis für eine Stärken-Schwächen-Analyse der vier Ortsteile.

Besonders spannend für das Team um Uni-Stadtplaner Christian Muschwitz wird es heute Abend werden, wenn die dritte Projektphase eingeläutet wird: der Dialog mit den Bürgern.

Seniorenbetreuung in der alten Schule?

Die Schule in Zemmer hat ausgedient, aber das Mobiliar ist noch da, wie dieser Schnappschuss durchs Fenster beweist. Viele Bürger interessiert, was aus dem Gebäude wird. TV-Foto: Albert Follmann.



Die Erwartungen sind allenthalben hoch. "Ich hoffe, dass es uns weiterbringt", sagt Edith Ensch (75). Sie hat auch gleich einen Vorschlag für die Nutzung der leerstehenden alten Schule parat: "Man könnte doch tagsüber eine Betreuungsmöglichkeit für Senioren schaffen. Das wäre auch eine Entlastung für Angehörige zu Hause", meint die Bewohnerin aus Zemmer. Dass das alte Schulgebäude aufgegeben wurde, bedauert Manfred Reuter (72) aus Zemmer. Auch er hofft auf eine baldige neue Nutzung. Darüber hinaus wäre er froh, wenn sich in Zemmer ein Arzt ansiedeln würde - und ein Frisör. "Bald haben wir hier keinen mehr, unserer ist schon 72."

Ortsbürgermeister Edgar Schmitt sieht den "Enthüllungen" der Studenten am heutigen Abend erwartungsfroh entgegen. Die spannende Frage ist für ihn, wie die Großgemeinde trotz knapper werdender Finanzen fit für die Zukunft gemacht werden kann. "Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, in jedem Ortsteil die ganze Infrastruktur vorzuhalten", sagt Schmitt und macht am Beispiel Sportanlagen deutlich, wohin die Reise geht. Ziel sei es, eine zentrale Anlage vorzuhalten, die alle Sportvereine nutzen können. Auch der Bau eines Bürgerhauses für alle Orte im Gemeindedreieck Zemmer-Schleidweiler-Rodt ist für Schmitt denkbar - aber nur unter der Voraussetzung, dass die Fidei-Halle verkauft werden kann.

Eigenständig sollen die Ortsteile bei ihren traditionellen Festen und Vereinsaktivitäten bleiben. Schmitt: "Bei aller erstrebenswerten Zusammenarbeit sollen die Dörfer ihre Identität und ihr Dorfleben erhalten."