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Höchststrafe: Versetzung ins Saarland

Höchststrafe: Versetzung ins Saarland

Das Kleine Volkstheater spielt auch mit seiner 16. Eigenproduktion wieder vor ausverkauftem Haus. 330 Zuschauer erleben "Gruusel an dao Muusel" am Römersprudel.

Trier. "Stolz wie Schnudel" ist Gründerin Gabi Hahn, dass alle zehn Vorstellungen der mittlerweile 16. Produktion des Kleinen Volkstheaters "Gruusel an dao Muusel" binnen eines Tages ausverkauft waren.
Spätestens nach gut drei Stunden bester Unterhaltung verstehen auch Volkstheater-Neulinge, warum: Birgit und Helmut Leiendecker haben auch diesmal ein vor Einfallsreichtum und Wortwitz nur so strotzendes Stück geschrieben, bei dem kein Auge trocken bleibt.
Markusberg - unendliche Weiten: Käpt\'n Anaaf (Helmut Leiendecker), Hexe Genoveva (Gabi Hahn) und Graf Billerschie (Martin Franzen) leben in einem von Spinnweben übersäten alten Haus und sind ziemliche Versager auf ihrem Gebiet.
Der Käpt\'n steht als Zombie nicht auf Menschenfleisch, schluppt stattdessen lieber einen Schlieri aus einem Din-A-4-großen Flachmann. mit Hexe Genovevas Zauberkunst ist es nicht weit her und Graf Billerschie muss als Vampir Blutwurst zuzzeln, seit er sich an der Mariensäule die Zähne ausgebissen hat. Er verursacht nur noch Knutschflecken und auf dem Markusberg lauere er umsonst, weil er sich "von den blutleeren Philosophiestudenten" dort nicht ernähren kann.
Dann erscheint auch noch "den greilien, graulien Gruselmaaster". Glatzköpfig, hohläugig und sehr bedrohlich baut er sich zwischen den drei sympathischen Geistern auf und spricht mit mächtigem Widerhall: "Ei, in dem do Haus, woare do Mensche geweees\'?" und das Publikum rast. Dass Hoffi Hoffmann seinen "Noasferatu" als Saarländer angelegt hat, verursacht bei den Zuschauern Lachanfälle am laufenden Band. Er droht, die drei erfolglosen Geister ins Saarland zu versetzen - ins Bergwerk nach "Blieeskaaschtel".
Doch dann tauchen ein paar lebendige Trierer auf, die sich von den Geistern nicht erschrecken lassen.
Und da ist auch noch die geheimnisvolle Kiste, in der das pure Grauen lauert. Deren Inhalt wird erst am Ende preisgegeben - und das ist wirklich der blanke Horror.
Mit enormem Wortwitz, gekonnter Mimik und schrägen Klamotten gelingt es jedem Einzelnen im Ensemble, die 330 Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und den Alltag vergessen zu lassen. Vier von ihnen sind Horst Zirbes (52), Annette Schulte (45), Heike Wagner (48) und Andreas Wintrich (51) aus dem Raum Schweich. "Einfach unbezahlbar", findet Horst Zirbes die Leistung der zwölf Darsteller. Er und seine Begleiter würden "jederzeit" wiederkommen.
Extra

Deutsch - Volkstheater: Eine kleine Übersetzungshilfe für den Besuch des Gruselstücks des Kleinen Volkstheaters - ohne orthografische Garantie: Jemand, der ohne Zähne essen muss, kaut auf "de Billerschie". Einen Schnürsenkel bindet man zur "Schlopp" und der Käpt\\'n beherrscht die Kunst des Seemanns-Schlopps. Ein Auge heißt "Aaf", sofern man nur eines davon besitzt, hat man "aan Aaf". Ein muskulöser, großer Mann gilt als "Knubben". Schnaps jeglicher Art bezeichnet man als "Schlieri", den man vorzugsweise statt zu trinken eher "schluppt". Hauptberufliche Altmetallwarenhändler führen den Namen "Schrotti". Ein Synonym für einen magischen Stock ist ein "Maggi-Knöbbel". Nosferatu in der Pappnasenversion ist "Noasferatu". Die Darsteller des Kleinen Volkstheaters: Helmut Leiendecker, Martin Franzen, Hoffi Hoffmann, Gabi Hahn, Jörg Elenz, Elke Schönberger, Sonja Schwind, Franz Wanninger, Natalie Trappen, Dieter Lehnerts, Ella Hahn, Vanessa Perez. kap