"Ich mag die Ruhe"

TRIER. Das Vereinsheim ist nicht ganz leicht zu finden – am Anfang der Thyrsusstraße, ganz unauffällig hinter dem Straßenverkehrsamt. Hier engagieren sich Gabi und Kurt Lehnert seit den 60er-Jahren erfolgreich für die Gewehrschützenabteilung des Polizeisportvereins.

"Ein Freund hat mich damals gefragt, ob ich mitkomme ein Bierchen trinken", erzählt Kurt Lehnert, der mit 61 Jahren der älteste aktive Schütze des Vereins ist. "So bin ich hier hängengeblieben..." Dies war 1968. Ein Jahr später sollte er dort seine spätere Ehefrau Gabi kennen lernen. "Sie hat mehr Talent als ich", gibt er neidlos zu. "Ich war immer eher ein Funktionär." So half er den Schießstand aufzubauen und arbeitete fleißig an den dekorativen Holzvögeln fürs jährliche "Königsschießen" mit. Doch so ganz unbegabt ist er nicht: Vor zwei Jahren wurde er Schützenkönig, auf einem Foto hält er stolz den weißen Vogel; neben ihm seine Frau Gabi, die "Ritterin" wurde. Die vergangenen Jahre wurde sie immer wieder Stadtmeisterin, erzählt sie so nebenbei. "Im Mai findet die nächste Stadtmeisterschaft statt, dafür trainiere ich jetzt auch wieder mit dem Kleinkalibergewehr, nicht nur mit dem Luftgewehr", erläutert sie gut gelaunt. "Die Ergebnisse beider Disziplinen werden zusammengezählt. Ich nehme die Wettkämpfe ernst - ich will so schießen, dass ich für mich zufrieden bin, ob ich jetzt Erste, Zweite oder Dritte werde." Mit dem Luftgewehr schießt man auf eine zehn Meter entfernte Zielscheibe, mit dem schwereren Kleinkaliber sind es fünfzig Meter Distanz. Es knallt ganz ordentlich. "Bei der Meisterschaft hab' ich schon was auf den Ohren", lacht Gabi Lehnert. "Je nachdem was geschossen wird, da muss das sein - wie soll man sich das den ganzen Tag anhören?" Und auch gegen die um diese Jahreszeit notorisch kalten Füße beim Trainieren weiß sie ein Mittel: "Da kommt das Körnerkissen wieder mit ins Bett." Im Schützenverein des PSV beeindruckte sie von Anfang an die Kameradschaft, "das war wunderbar... genauso toll wie jetzt auch. Da hat einfach alles gut gepasst!" Besonderen Spaß macht ihr ihre Tätigkeit als Kampfrichterin des deutschen Schützenbunds: Bei den Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften sowie bei der deutschen Meisterschaft jedes Jahr im Sommer in München. "Ich freue mich schon wieder sehr darauf", berichtet sie. "Wenn das nicht mehr so wäre, würde ich aufhören." Dass sie dann nicht selbst antreten kann, nimmt sie gern in Kauf. Und auch bei Landesmeisterschaften ist sie immer bereit zu helfen. Kurt Lehnert liebt an seinem Sport vor allem die Ruhe und Konzentration, erläutert er. "Fast eine Stunde stehe ich ganz ruhig da, wenn ich trainiere. Das geht einem richtig in Fleisch und Blut über. Man merkt allerdings schnell, ob man gut drauf ist, oder ob sich etwa eine Erkältung ankündigt..." Er setzt sein spezielles Augenglas auf, legt mit dem Luftgewehr an, zielt - und trifft. Auch Sohn Dirk ist ein erfolgreicher Schütze. "Da kann man nicht meckern drüber, es kommt immer was Anständiges bei raus", kommentiert Gabi Lehnert locker. Ans Aufhören denken beide Lehnerts noch lange nicht, erst kürzlich haben sie neue Gewehre erworben. Ihre zahlreichen Pokale allerdings fielen der letzten Umräumaktion zum Opfer: "Die haben wir jetzt auf dem Speicher eingemottet - ich konnte sie nicht mehr sehen", berichtet Kurt Lehnert lachend.