Kernig, körnig, kraftvoll

TRIER. "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah..." Dieser Ausspruch könnte auf eine landesweite Aktion von Bio-Erzeugern passen, die in den kommenden Wochen ihre heimischen Produkte präsentieren. So auch in Trier, wo in zwei Bäckereien verschiedene regionale Produkte aus Bioland-Anbau vorgestellt werden.

Der Naturkost-Großhandel lebt mit annähernd konstanten Umsatz-Zuwachszahlen von etwa zehn Prozent in diesem Jahr gut von Kunden, die ihre Lebensmittel aus biologisch-kontrolliertem Anbau beziehen wollen. Dagegen ist es für Kleinbetriebe, die die gleichen Produkte anbieten, recht schwer, ihre Erzeugnisse einem Publikum bekannt zu machen, erläutert Thorsten Neubauer. Dabei würden gewissermaßen vor der Haustür der Kunden regionale Bioland-Produkte hergestellt, so der Koordinator in der Erzeugergemeinschaft biologischer Getreidebauer und Organisator der Veranstaltungsreihe. Genau das ist der Grund einer landesweiten Aktion von Oktober bis Januar unter dem Arbeitstitel "Der passende Genuss zu jeder Jahreszeit: Bio-Brotspezialitäten". In Trier beteiligen sich die Bäckereien Orenhofener Kornstube am Stockplatz und die Bio-Bäckerei Rauch in der Gilbertstraße, in denen außer dem Brot verschiedene Bioland-Produkte wie etwa Käse und Wein angeboten werden. Den Auftakt machten der Bio-Winzer Hans-Josef Luy aus Konz und Ines Philipczyk von der Bio-Käserei Martinshof bei St. Wendel. Er finde die Aktion gut, meint ein Stammkunde, der sich nach dem Verkosten gleich verpackten Bio-Käse und Bio-Wein kauft. "Mit zunehmendem Alter werde ich wählerischer", sagt er. Stichwort Qualität: Keine künstlichen Düngemittel und Pestizide. Dafür Nützlingsförderung oder Kräuterjauchen im Weinanbau, erläutert Luy. Ausgesuchtes Bio-Futter für die Tiere im Martinshof, gesunder Käse. Alain Rudolf von der Orenhofener Kornstube, die ihr Mehl selbst in der Eifel mahlt, weiß von Kunden, die beispielsweise das farbstofffreie Brot schätzen.Mehr Personal erforderlich

Alles Bio, alles gut? "Viele Kunden bestätigen, dass die Produkte wirklich gut schmecken. Sie sind allerdings teurer", räumt Philipczyk ein. "Es ist eben eine handwerkliche Herstellung mit mehr Personal, Feingefühl und guten Zutaten." Sie empfiehlt, wenigstens die Grundnahrungsmittel in einer Art Gemischtkalkulation aus biologischen Anbau zu beziehen. Nicht alle Bio-Produkte seien wesentlich teurer als aus konventionellem Anbau, zeigt ein Blick in die Preislisten. Nach einem Lebensmittelskandal wechselten viele Kunden in die Bio-Branche - allerdings nicht dauerhaft, bedauert Philipczyk. Dass Supermärkte ebenfalls Bio-Produkte anbieten, ist für die Bioland-Erzeuger ein zweischneidiges Schwert. "Das drückt auf den Preis", meint Neubauer, der dennoch grundsätzlich das vermehrte Angebot von Bio-Produkten begrüßt. Allerdings würden die Supermarkt-Bio-Produkte oft aus entfernten Ländern antransportiert. Daher gelte es, die regionalen Angebote bekannt zu machen. Bis 22. Oktober findet die Aktion "Wein und Käse" in den Bäckereien statt. Ende November folgt das Thema "Wurst und Bier", im Januar "Milch und Honig".