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Kloster wird zum Sicherheitsrisiko

Kloster wird zum Sicherheitsrisiko

Wird die Klosterimmobilie in Föhren abgerissen oder nicht? Die Antwort lässt auf sich warten. Behörden prüfen nun, ob eine Vermarktung unter Wahrung des Denkmalschutzes möglich ist. Unterdessen hat die Gemeinde beschlossen, das baufällige Objekt aus Sicherheitsgründen umzäunen zu lassen.

Föhren. Man schrieb das Jahr 1904, als die Franziskanerinnen von Nonnenwerth ein privates Waisenhaus in Föhren zu einem Kloster ausbauten. Die Nonnen betreuten im Heim St. Josef schwer erziehbare Mädchen. Heute, 110 Jahre später, sind die Schwestern längst weg, 1984 löste der Orden das Kloster auf, also vor 30 Jahren. 110 Jahre, 30 Jahre - das wären zwei runde Jubiläen gewesen, die man hätte feiern können. Die Betonung liegt auf hätte. Zum Feiern ist in Föhren niemandem zumute, zumindest nicht, wenn\'s ums Kloster geht.
Mittlerweile ist der Gemeinde der große Gebäudekomplex im Ortskern ein Klotz am Bein. Bisher traut sich kein Investor an die baufällige, denkmalgeschützte Ruine heran. Anders vor 30 Jahren: Damals standen die Chancen auf eine nachklösterliche Nutzung zum Wohl der Gemeinde gut. Ein Bauunternehmer wollte dort unter anderem ein Hotel und eine Seniorenresidenz betreiben. Doch aus den Umbauplänen wurde nichts. Auch, weil in den Folgejahren im ehemaligen Kloster Aussiedler untergebracht waren. Der Investor, der nur das Notdürftigste reparieren ließ, aber nichts für den Erhalt der Bausubstanz tat, meldete nach der für ihn lukrativen Vermietung an Vater Staat zur allgemeinen Überraschung Insolvenz an. Das Kloster fiel an eine saarländische Gläubigerbank.
Mittlerweile hat die Gemeinde das Anwesen gekauft, kann aber die angestrebte städtebauliche Verwertung mit Wohn- und Gewerbeflächen nicht angehen, weil die obere Denkmalschutzbehörde bisher nur den Abriss eines Flügelhauses genehmigt hat. Über den mittleren Gebäudetrakt legt sie immer noch ihre schützende Hand. Im Gegensatz zur unteren Denkmalpflegebehörde beim Landkreis. Sie befürwortet den Abriss des ganzen Haupthauses. In einem sogenannten Dissenzverfahren greift die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) seit einigen Wochen vermittelnd die unterschiedlichen Standpunkte auf und führt "ergebnisoffene" Gespräche.
Die Behörden geben sich wortkarg. Man wolle sich nicht zu einem laufenden Verfahren äußern, sagt ein Sprecher der Generaldirektion Kulturelles Erbe, bei der die Landesdenkmalpflege angesiedelt ist. Man sei nach wie vor für den Komplettabriss, sagt Föhrens Ortsbürgermeisterin Rosi Radant, erkenne aber auch das Bemühen der ADD an, eine Entwicklung des Gebiets im Falle eines Teilabrisses zu ermöglichen und Fördermöglichkeiten dafür auszuloten. Allerdings müsse schnell eine Entscheidung her.
Die Zeit drängt, weil Föhren sich zusammen mit dem Nachbarort Schweich für das Förderprogramm "Ländliche Zentren" angemeldet hat (siehe Extra). Am Dienstagabend hat der Gemeinderat Föhren beschlossen, das Klosterareal umzäunen zu lassen. "Wir müssen als Eigentümer unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen", sagt Ortschefin Radant. Kinder oder andere Unbefugte müssten am Betreten des Klosters gehindert werden. Sich dort herumzutreiben, sei lebensgefährlich. Zwei Decken im mittleren Trakt seien kurz vor dem Durchbrechen, teilt die Ortsbürgermeisterin mit. Zaunanlage und Schilder würden die Gemeinde voraussichtlich rund 6000 Euro kosten.
Egal ob Teil- oder Komplettabriss - man werde die Erinnerung an das Heim, die Schule, die Nähwerkstatt und das Klosterleben wach halten, verspricht Radant. "Da geht nichts verloren, wir arbeiten die Geschichte mit Zeitzeugen auf." Sie ist selbst im Geschichtskreis von Föhren aktiv, der auch schon zahlreiche Foto- und Filmaufnahmen gemacht hat. Eine kleine Gedenkstätte ist geplant. Ein Föhrener ist derzeit dabei, das Kloster maßstabsgetreu nachzubauen.Meinung

Und wo bleibt das Wohl der Bürger?
Jetzt ist es so weit: Das Föhrener Kloster muss eingezäunt werden. Der Bau ist einsturzgefährdet und stellt eine Gefahr für Leib und Leben dar. Ein Abriss kommt für die obere Denkmalbehörde dennoch nicht in-frage. Anstatt vernünftigerweise dem Abrissantrag der Gemeinde stattzugeben, wird einmal mehr geprüft, ob der Mitteltrakt nicht doch erhalten werden kann. Es laufen Gespräche zwischen Gemeinde, Kreis, ADD und Denkmalbehörde - und den Föhrenern läuft die Zeit davon. Jetzt hat man noch Investoren an der Hand, die den Ortskern zusammen mit der Gemeinde für generationsübergreifendes Wohnen und Gewerbe entwickeln wollen. Das geht aber nur, wenn der Klosterklotz weg ist, denn der ist quasi unvermarktbar und blockiert jegliche Entwicklung. Ob den Denkmalhütern bewusst ist, was sie durch ihre sture Haltung anrichten? Sollten sie wirklich dabei bleiben und eine baufällige Schrottimmobilie über das Wohl der Bürger und einer Gemeinde stellen, so wäre das ein handfester Skandal. a.follmann@volksfreund.de