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Metallstaub und Giftstoffe vor der Tür der Kita? Bürgerverein Pfalzel schaltet sich ein und meldet „größte Sorgen“ an.

Metallstaub und Giftstoffe vor der Tür der Kita? Bürgerverein Pfalzel schaltet sich ein und meldet „größte Sorgen“ an.

Der Ton wird schärfer in der Diskussion um den Standort der neuen Kita in Pfalzel. Nach der Hafengesellschaft und dem Zweckverband Wirtschaftsförderung (der TV berichtete) äußert auch der Bürgerverein Pfalzel starke Bedenken gegen die Nähe zum Industriegebiet und sagt: Der schlimme Geruch der Firma Eu-Rec ist hier das kleinste Problem.


Die direkte Nachbarschaft eines Industriegebiets vom Kaliber des Trierer Hafens und mehrerer Wohngebiete ist ein bundesweit sehr seltenes Phänomen, das im Trierer Stadtteil Pfalzel seit vielen Jahren immer wieder Besorgnis und Wut auslöst. Hans-Jürgen Wirtz ist Vorsitzender des Bürgervereins Pfalzel, der 2003 gegründet wurde. Er sagt klar und deutlich: "Ich hätte größte Sorgen, meine Kinder oder Enkel ganztags in einer Einrichtung zu wissen, die nur etwa 500 Meter von einem Industriegebiet mit derart umweltkritischen Betrieben gebaut werden soll." Damit meint er den Standort der geplanten neuen Kita in Pfalzel in der Hans-Adamy-Straße.

Wirtz spricht von mehreren "umweltkritischen" Betrieben. Dabei sorgt seit 2014 nur eine Firma wörtlich genommen für dicke Luft in Pfalzel - die Recyclingfirma Eu-Rec, die Abfallfolien verarbeitet und dabei immer wieder einen üblen Geruch verursacht hat, der über Pfalzel zog und Übelkeit, Schwindel und Erbrechen auslöste.

Zurzeit herrscht in diesem Punkt Ruhe, da die Eu-Rec die Abfallfolien nur vorgereinigt und ohne Einsatz der Folienwaschanlage verarbeiten darf. Das hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord angeordnet. Seitdem bleibt der Geruch aus. Doch eine Garantie, dass er niemals wiederkommt, gibt es natürlich nicht.

Hans-Jürgen Wirtz aber macht sich aus völlig anderen Gründen Sorgen um den geplanten Standort der Kita Pfalzel in der Hans-Adamy-Straße. "Die von Hafengesellschaft und Zweckverband vorgetragenen Bedenken lediglich auf die Firma Eu-Rec zu beziehen, wird dem Thema in keiner Weise gerecht", erklärt Wirtz. "Allen Aufregungen der drei letzten Jahre zum Trotz ist diese Firma gerade in der Frage des Kita-Standortes nicht das größte Problem." Das seien nämlich die Schredderanlagen der Firma Steil "mit einem hohen Ausstoß von Dioxinen, PCB und schwermetallhaltigen Stäuben". Bis zur Stilllegung des Schmelzofens habe auch das Trierer Stahlwerk dazugehört.

Dennoch hat der Stadtrat dem neuen Standort zugestimmt. Diese Entscheidung hat Wirtz sehr irritiert. "Dass altgediente Mitglieder des Stadtrates trotz einjähriger Langzeitmessungen, Einsätze der Zentralen Expertengruppe Umweltschutz des Landesumweltamts und einer stets breiten Berichterstattung des TV in den letzten zwölf Jahren die immer noch vorhandene Brisanz der Umweltbelastungen nicht kennen oder nicht ernst nehmen, erstaunt uns."
Mit diesen Sorgen wandte sich Wirtz schriftlich an den Stadtvorstand. Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Angelika Birk (Bündnis 90/Die Grünen) reagierte folgendermaßen. "Frau Birk hat mir freundlicherweise umgehend geantwortet und mitgeteilt, dass Stadtvorstand und Stadtrat die Bedenken für nicht gerechtfertigt halten und man keinen Anlass für neue Standortüberlegungen sieht."

Aktuell auf die Bedenken des Bürgervereins angesprochen, sagt Baudezernent Andreas Ludwig (CDU): "Wir haben lange nach einem geeigneten Standort in Pfalzel gesucht. Ich sehe eine gute Chance, dass die Hans-Adamy-Straße alle Auflagen erfüllt." Aktuelle Probleme mit Schwermetallen aus dem Trierer Hafen seien ihm nicht bekannt, sagt Ludwig. "Aber ich bin für Argumente immer offen."

Der Kommentar: Unsere Kita kommt jetzt hierhin, basta!
Von Jörg Pistorius

Wenn es um den neuen Standort für die Kita Pfalzel geht, sind alle Sorgen um mögliche Gefährdungen der Gesundheit offenbar tiefste Vergangenheit oder triviale Nebensache. In der gesamten Standortdebatte vor dem definitiven Beschluss des Stadtrats tauchte dieses Thema nicht auf. Die Gefährdung einer Kita durch die Emissionen im 500 Meter entfernten Industriegebiet ist aktuell natürlich nur eine theoretische Möglichkeit, die keineswegs Realität werden muss. Aber es ist geradezu absurd, dass offenbar niemand diese Möglichkeit auch nur in Betracht ziehen will. Unsere Kita kommt jetzt dahin, basta - so scheint das Motto zu lauten. Das geht aber nur solange gut, bis dem ersten Kind wegen eines schlimmen Geruchs übel wird oder der erste Schwermetall-Grenzwert in der Luft oder im Boden überschritten wird.
j.pistorius@volksfreund.de