Progessives auf die Ohren

TRIER. (tom) Die Szene empfing "hohen Besuch" im "Forum": Thomas Brückner, alias DJ Tomcraft, sollte ein Geschenk an die hiesigen Techno-Jünger sein.

Der international bekannte Plattendreher, der zuletzt mit seinem Titel "Loneliness" erfolgreich in den Charts zu finden war, ist nicht nur durch seine ständige Tour durch Europas Tanztempel bekannt, sondern auch durch seine Auftritte auf der Mayday, der Loveparade oder bei Nature One. Doch aller Ruhm schien nichts genutzt zu haben: Voll war das "Forum" in dieser Nacht nicht. Das tat der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch, als der Star des Abends pünktlich um 1 Uhr hinter die Plattenteller stieg, um den Erwartungen gerecht zu werden."Das ist schon eine Menge Stress"

Der frisch gebackene Vater mit der unüblichen Arbeitszeit stellt an dem Tag nach seinem Auftritt in Trier in den Niederlanden und am folgenden Samstag in Venedig sein Können zur Schau. Auf die Frage, ob das viele Reisen nicht sehr anstrengend sei, antwortet er vor seinem Auftritt ein wenig müde wirkend: "Das ist schon eine Menge Stress, aber wenn man dann beim Auflegen ist und die Leute tanzen sieht, macht es Spaß." Getanzt wurde viel und ausdauernd - es war ja auch reichlich Platz. Auf die Ohren gab es neben vereinzelten House-Klängen viel düsteren, progressiven Techno. Das Vinyl unter den Ton-Nadeln bot eine abwechslungsreiche Mischung aus alten und neuen, stets sehr tanzbaren Platten. Einige Klassiker der schnelllebigen Musikszene wurden dann auch mit freudigen Rufen und Johlen der Tanzwütigen belohnt. Doch wenn der kahl rasierte DJ mit einem tätowierten Strichcode auf dem Hinterkopf seinem Job hinter dem Mischpult nachgeht, verzieht er kaum eine Miene und scheint völlig in sein Tun versunken zu sein. Sein aktuelles Album "MUC" steht seit einigen Wochen in den Plattenregalen. Doch Grund zum Pausieren ist das für ihn nicht. "Wir arbeiten schon am nächsten Album, das wird aber noch zwei, drei Jahre dauern", berichtet der arbeits- und reisewütige wütige DJ. Es bleibt die Frage im halb leeren Raum stehen, ob sich das "Forum" auch in Zukunft noch um große Namen der Technoszene bemühen wird, wenn solche Abende nur so durchwachsen wahrgenommen werden.