SOZIALES

Zum Interview "Die Kirchen sind ein wichtiger Partner" mit Christian Z. Schmitz, dem Trierer Bezirksvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbunds (TV vom 24. Januar):

Mit einigem Befremden habe ich den Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Bezirk Trier, an seine Mitglieder zur Teilnahme an der Sternwallfahrt der Aktion Arbeit des Bistums Trier am 18. April zur Kenntnis genommen. Natürlich steht es jedem Gewerkschaftsmitglied frei, sich am Wallfahrtstag der Arbeit oder anderen Veranstaltungen der Heilig-Rock-Wallfahrt zu beteiligen oder nicht zu beteiligen. Da der DGB aber keine kirchliche Organisation ist, gehört es nicht zu seinen Aufgaben, sich an kirchlichen Veranstaltungen zu beteiligen oder seine Mitglieder dazu aufzufordern. Nun ist es ja schön, wenn das Bistum Trier und besonders die Aktion Arbeit mit dem DGB "in vielen arbeitsmarktpolitischen und sozialen Fragen" auf einer Wellenlänge liegen, wie Christian Z. Schmitz sagt. Nicht zu vergessen ist aber, dass das Bistum als Arbeitgeber seinen Beschäftigten nach wie vor Tarifrechte und gewerkschaftliche Vertretungs- und Organisationsrechte vorenthält und sich in ihr Privatleben einmischt. Kann man da wirklich von "guten Erfahrungen" und einem "Vertrauensverhältnis" sprechen? Und weshalb soll Bischof Stephan Ackermann auf der Kundgebung zum Tag der Arbeit am 1. Mai sprechen? Ist die auch ein Teil der Wallfahrt zum Heiligen Rock? Übrigens missfällt mir ebenfalls, dass Ministerpräsident Kurt Beck - zusammen mit dem Bischof und dem DGB-Landesvorsitzenden Dietmar Muscheid - dort "beispielsweise zu den Themen prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Mindestlöhne und Spekulationen auf den Finanzmärkten sprechen" soll. Ausgerechnet Beck, als damaliger SPD-Vorsitzender und Mitinitiator der von ihm noch heute verteidigten neoliberalen Agenda 2010 und des Gesetzes zur Förderung der Selbstständigkeit, das die Scheinselbstständigkeit bis heute erhalten hat, sowie als Mitwirkender bei der Deregulierung der Finanzmärkte selbst für prekäre Beschäftigung und waghalsige Spekulationen auf Risiko der Allgemeinheit mitverantwortlich! Die Einladung zu einer Podiumsdiskussion, von mir aus auch mit dem Bischof, hätte ihm sicher genug Ehre getan. Robert Seidenath, Gusterath