Spontane Aufführungen im Palastgarten

Spontane Aufführungen im Palastgarten

Sonntags gegen 18 Uhr verwandelt sich der Palastgarten regelmäßig in einen Freiluft-Zirkus: Hobbyartisten treffen sich dort, um ihre Kunststücke zu üben und aufzuführen.

Trier. (jasa) Wenn man in den vergangenen Monaten an einem ganz normalen Sonntag gegen 18 Uhr abends den Palastgarten betrat, dann sah man zunächst genau das, was man erwartete: den imposanten Palast und davor den blühenden Park. Auf den zweiten Blick entdeckte man die, die dem Trierer Palastgarten zu dieser Zeit außergewöhnliches Flair verliehen: Seiltänzer, Jongleure und Feuerspucker zeigten dort Kunststücke, die sonst eher im Zirkus zu Hause sind. Die jungen Artisten sind Studenten, die ihre Kunst an der frischen Luft proben, unter Freunden. Sie lernen voneinander, und dass auch andere Parkbesucher ihre Freude daran haben, ist offensichtlich.

Viele von ihnen sind schon seit Jahren dabei, manche erst seit Kurzem. Die 22-jährige Fabienne Greis übt erst seit wenigen Monaten: "Ich habe in der kurzen Zeit viel gelernt." Ein Workshop von Martin Beyer begeisterte sie so sehr, dass sie sich der Gruppe anschloss.

Beyer ist 23 Jahre alt und Organisator der Gruppe. Er arbeitet auch mit Feuer und gründete den "Feuertreff" am Sonntagabend im Palastgarten. Bei schlechtem Wetter weichen die Artisten unter die Konrad-Adenauer-Brücke aus. Zu der Gruppe gehören auch Musiker. Sie bringen hauptsächlich Gitarren und Percussions, aber auch Didgeridoos mit und tragen zur besonderen Atmosphäre bei. In der Regel sind sie mindestens zu zehnt, jede Woche kommen Leute dazu.

"Gern würden wir auch mit Schulen zusammenarbeiten und Workshops und Lehrgänge anbieten", sagt Martin Beyer. Er selbst kam durch einen Zufall zur Feuerakrobatik: Mit 13 Jahren musste er Krankengymnastik machen und geriet an eine Zirkustherapeutin. Sie brachte ihm das Feuerspucken bei, danach lernte er bei einem Straßenkünstler weiter. Seine Begeisterung für dieses ungewöhnliche Hobby erklärt der Germanistikstudent so: "Wenn man das erste Mal das Feuerrauschen hört, dann lässt es einen nicht mehr los. In gewisser Weise ist das eine Lebenseinstellung."

Einige der Akrobaten versuchen, mit ihrer Kunst etwas Geld zu verdienen und treten auf Hochzeiten und in Straßenshows auf. Beyer und sein Freund Paul Windfuhr wollen demnächst Feuershows an der Basilika und auf dem Viehmarkt zeigen. Paul ist 25 und genauso von der Feuerkunst gefesselt wie der Rest der Gruppe: "Ich habe unglaubliche Freude daran, das Feuer zu spüren. Das ist ein sehr erhabenes Gefühl." Gleichzeitig weisen die Studenten eindringlich darauf hin, dass Feuerspucken extrem gefährlich ist und nur mit professioneller Ausrüstung betrieben werden kann. "Auch auf die Umwelt achten wir sehr, um nichts mit dem Lampenöl zu verunreinigen", berichtet Martin.

Für den Winter suchen die Artisten noch nach einem überdachten Quartier zum Üben.

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