Starkregen: Braune Fluten in Straßen und Kellern - Regenmassen schwemmen Geröll und Schlamm mit sich

Starkregen: Braune Fluten in Straßen und Kellern - Regenmassen schwemmen Geröll und Schlamm mit sich

Wegen erneuten Starkregens sind am Montag in der Region Trier Straßen überflutet worden, Keller mussten ausgepumpt werden. In Trier überschwemmte der Irrbach den Stadtteil Trier-West. Die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun.


Knapp 50 Liter Regen sind von der Nacht zum Montag bis zum Nachmittag in Trier gefallen. Kanäle sowie Wald- und Wiesenböden konnten die Wassermassen nicht fassen. Die Fluten überschwemmten etliche Straßen, Keller liefen voll Wasser. 160 offizielle Helfer waren im Einsatz. Dazu kamen etliche Bürger, die mit Schaufeln und Pumpen die Schlammmassen räumten.

Als in Trier die Fluten kommen, hat der starke Regen vom Vormittag längst aufgehört. Anfangs hatten die Kanäle das Wasser, das aus den Straßen in die Gullys lief, noch auffangen können. Gegen 14 Uhr am Nachmittag ist damit Schluss. Kanalrohre und Auffangbecken sind voll. Und auch die Erde in Wald und Wiesen ist so nass, dass sie nichts mehr von dem, was von oben stundenlang aus den Wolken fällt, aufnehmen kann.

Binnen kurzer Zeit stehen in Trier etliche Straßen unter Wasser. Das dreckige Nass drückt sich durch Abflussrohre in die Keller. Die braune Schlammsuppe läuft in Unterführungen und Senken.

Trier-West, Euren und Zewen sind besonders betroffen: Der Herresthaler Bach und der Irrbach sind so stark angeschwollen, dass die Fluten über die Ufer treten und Geröll und Erdmassen aus den Hängen in die Ortslagen schwemmen.

Die Feuerwehr ist mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz (siehe Extra). Gegen 18 Uhr ist die Lage im Griff. "Kurz, aber heftig", meldet Triers Feuerwehrchef Hermann Albers-Hain. 61 Einsätze hat die Berufsfeuerwehr verzeichnet - vorrangig im Stadtgebiet, wenige im Landkreis Trier-Saarburg:

Trierer Hauptbahnhof: Die Fußgänger-Unterführung zwischen dem hinteren Bahnsteig und dem Hauptgebäude des Trierer Hauptbahnhofs war voll Wasser gelaufen. Die Passage wurde gesperrt. Am späten Nachmittag gab die Bahn Entwarnung: Das Wasser war abgepumpt, die Unterführung wieder passierbar.

In Euren, Biewer, Ruwer, Herresthal und Igel drückte sich das Wasser in etliche Keller. Nach und nach pumpt die Feuerwehr die Keller leer. Viele Nachbarn packten mit an.

Trier-West: Der oberhalb des Stadtteils im Wald fließende Irrbach war so stark angeschwollen, dass er laut Feuerwehrchef Albers-Hain eine Gerölllawine auslöste. Schlamm und Wasser schoben sich durch die Jahnstraße, den Schankenbungert, den Tempelweg und die Eurener Straße. Laut Polizei stand in der Eurener Straße das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. Die Eurener Straße musste zwischen Hornstraße und Im Speyer voll gesperrt werden. Auch die Blücherstraße war betroffen.

Trier-Zewen: Im Ortskern flossen die braunen Wassermassen durch Straßen, Vorgärten und in die Keller. Die Feuerwehr öffnete die Kanaldeckel, damit das Wasser besser abfließen konnte.

Trier-Euren: Die Kreisstraße zwischen Herrestal und Trier-Euren musste ebenfalls wegen eines Erdrutsches zeitweise voll gesperrt werden. Der Waldboden oberhalb von Euren konnte offenbar die Regenmenge nicht mehr halten. Bis in die Schweringstraße drangen die Wasser- und Schlammmassen.

Die Einsätze der Feuerwehr werden noch bis in den späten Abend laufen. Die Aufräum- und Säuberungsarbeiten werden wohl auch am Dienstag noch andauern.

Laut Deutschem Wetterdienst sind ab 3 Uhr in der Nacht zum Montag bis um 15 Uhr am gestrigen Nachmittag an der Wetterstation Trier-Zewen 49 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. An der Station Trier-Petrisberg waren es 48 Liter. "Das ist schon eine Niederschlagsmenge, die in so kurzer Zeit nur alle paar Jahre fällt", erklärte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst auf TV-Nachfrage. Durchschnittlich fallen im gesamten Monat Mai an der Wetterstation Petrisberg 67,9 Liter Regen pro Quadratmeter. In den zwölf Stunden von Montagnacht bis -nachmittag ist damit etwa Dreiviertel der üblichen gesamten monatlichen Regenmenge gefallen.
Im Landkreis Trier-Saarburg gab's gestern in im gleichen Zeitraum laut Deutschem Wetterdienst mit 34 Litern pro Quadratmeter an der Wetterstation Kirf/Beuren (Verbandsgemeinde Saarburg) nicht ganz so viel Regen wie in Trier. "Wir erwarten für diese Woche, insbesondere ab Mittwoch, noch weitere Gewitter und Regenfälle, allerdings nicht in der Größenordnung wie am Montag", prognostiziert Trippler.

Die Trierer Berufsfeuerwehr alarmierte am Montag nicht nur acht freiwillige Feuerwehrzüge sondern auch die Kollegen der Freischicht. Auch das Technische Hilfswerk war mit Helfern und Räumfahrzeugen vor Ort. Inklusive der Mitarbeiter von Tiefbau- und Straßenreinigungsamt der Stadt waren rund 160 offizielle Helfer im Einsatz. Auch die Polizei war insbesondere bei den Straßensperrungen vor Ort. "Verletzte oder Unfälle gab es nicht", erklärte Polizeipressesprecher Uwe Konz.
Zitat des Tages:

„Sie packen an, während andere ihre Handys zücken, die Not anderer filmen und immer öfter auch die Einsatzmaßnahmen behindern.“
Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, zum Einsatz von vielen Tausend Ehrenamtlichen bei Überschwemmungen und Erdrutschen in den vergangenen Tagen.


Kordel: Am Montagvormittag machten anhaltende Regenfälle aber Feuerwehreinsätze bei Kordel (Kreis Trier-Saarburg) notwendig. Auf der Bundesstraße 422 schossen Wassermassen aus dem Wald, die Kanalisation konnte diese nicht aufnehmen. Die Straße wurde überflutet. Die Feuerwehr sicherte die Gefahrenstelle ab, der Landesbetrieb Mobilität (LBM) beseitigte Schlamm und Geröll.

Auch auf der L 43 Kordel in Fahrtrichtung Daufenbach rutschten Schlamm und Erde auf die Straße. Zunächst wurde der Erdrutsch abgesichert, dann am Nachmittag abgetragen. Gegen 11 Uhr brach schließlich ein großer Brocken aus einer Steilwand neben der Straße Richtung Burg Ramstein. Dabei wurde ein Baum mit in die Tiefe gerissen und kam auf der Straße und den angrenzenden Bahngleisen zum Liegen. Die Feuerwehr Kordel schnitt den Baum klein, die Bahnstrecke war mehr als 90 Minuten unterbrochen.

Schweich/Langsur: Die B 53 von Schweich in Richtung Langsur musste am Nachmittag wegen Überflutung gesperrt werden. Laut Polizeipressesprecher Uwe Konz ist die Sperrung seit 16.20 Uhr wieder aufgehoben.

Kenn: Geröllmassen haben laut Polizei auch die Spitzstraße in Kenn überrollt. Die Straße musste kurzfristig gesperrt werden.

Konz: Auch in die Räume des Freizeitzentrums Fahl hatten sich die Regenmassen gedrückt, die Feuerwehr rückte aus zum Leerpumpen.

Eifelkreis Bitburg-Prüm: Die starken Regenfälle am Montag haben im Bereich Bitburg bis zum Nachmittag nur zu geringen Verkehrsbeeinträchtigungen geführt. Wie die Bitburger Polizei mitteilte, stürzte gegen 8 Uhr ein Baum auf die L 2 zwischen Orenhofen und Auw an der Kyll. Bei Philippsheim fiel ein Baum gegen 12.50 Uhr auf den Kylltalradweg. Die Bahnstrecke war davon nicht betroffen. Gegen 12.55 Uhr wurde die K 35 zwischen Dahlem und Bahnhof Speicher durch einen umgestürzten Baum blockiert. Ein beginnender Erdrutsch auf der L 3 zwischen Nusbaum und Bollendorf wurde gegen 13 Uhr gemeldet. Zwischen Bitburg und dem Stadtteil Erdorf ragte gegen 14.35 Uhr ein abgebrochener Ast in die Fahrbahn der B 257. Die umgestürzten Bäume wurden durch die Straßenmeistereien beseitigt. In Bollendorf an der Sauer hat das abfließende Regenwasser laut Feuerwehr Kanaldeckel hochgedrückt und Straßen unpassierbar gemacht.

Wittlich: Felder können die Regenmassen nicht mehr aufnehmen, die Lieser und die Rommelsbach schwellen gefährlich an: Seit dem späten Nachmittag sind die Hilfskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im Dauereinsatz.

Zwischen Briedel und Zell (Kreis Cochem-Zell) haben Wasser- und Schlammmassen die Bundesstraße 53 überflutet. Die Straße war bis 15.30 Uhr voll gesperrt und ist seitdem zumindest wieder auf einer Spur befahrbar.

Luxemburg: In Luxemburg krachte auf der N10 in Bech-Kleinmacher an der Mosel ein Baum auf ein geparktes Fahrzeug und auf die Fahrbahn. Die N10 war deswegen für etwa eine halbe Stunde komplett blockiert. Verletzt wurde niemand.

Tote und Verletzte in Süddeutschland

Vier Tote und zahlreiche von Überschwemmungen gezeichnete Ortschaften : Das ist die Bilanz der Unwetternacht im Süden Deutschlands. In Schwäbisch Gmünd wurden am Montag erst nach Stunden zwei vermisste Männer tot geborgen, sie waren in einer Bahnunterführung von Wassermassen in einen Kanalschacht gesogen worden. Ein 38 Jahre alter Feuerwehrmann hatte vergeblich versucht, einen 21-Jährigen aus dem Schacht zu befreien - beide kamen um.

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