Täglich 400 Busse hinterlassen Spuren

Täglich 400 Busse hinterlassen Spuren

Die Kutzbachstraße ist während der Sperrung der maroden Treviris-Trasse die Umleitung für Stadtbusse in Richtung Porta Nigra. Nach sechs Wochen ist die enge Straße durch die hohe Beanspruchung selbst zum Sanierungsfall geworden. Anwohner klagen zudem über Lärm und Verschmutzung und fordern eine andere Umleitungsstrecke.

Trier. Normalerweise haben die Bewohner der Kutzbachstraße keinen Grund, sich über das aufzuregen, was sich vor ihren Haustüren abspielt. Der Durchgangsverkehr hält sich in Grenzen, und quartierfremde Falschparker gehen ein großes Knöllchen-Risiko ein. Seit 1. Dezember ist es vorbei mit der Altstadtnebenstraßen-Idylle. Nach der Sperrung der maroden Nahverkehrs-Trasse an der Treviris-Passage führt die Umleitung für die täglich bis zu 400 Stadtbusse in Richtung Porta Nigra durch die Kutzbachstraße.
"Der blanke Horror!"


Das sei "der blanke Horror!", finden die Bewohner. Und selbst aus Busfahrer-Kreisen kommt kein Widerspruch: "Ein Gelenkbus wiegt doch schon ohne Passagiere rund 17 Tonnen. Kein Wunder, dass der Straßenbelag leidet", sagt einer, der seinen Namen nicht genannt wissen möchte.
Aber auch die Menschen leiden. Christian Hartwig schlägt jetzt Alarm: "Täglich werden die Schlaglöcher größer. Dadurch entstehen Erschütterungen, die inzwischen auch in den oberen Stockwerken zu spüren sind. Das Schlammwasser verschmutzt die Hauswände. Lose Steine fliegen bis an die Erdgeschossfenster und gefährden Fußgänger und parkende Autos." Außerdem: "Die Busse fahren maximal anderthalb Meter an den Häusern vorbei. Da ist an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken."
Der 37-Jährige fordert die Stadt auf, die Busse aus der Kutzbachstraße herauszunehmen: "Es ist viel sinnvoller, den Linienverkehr in Richtung Porta durch die Bruchhausenstraße und über die Nordallee fahren zu lassen. Die haben geeignete Fahrbahnen, und die Wohnhäuser sind weiter vom Straßenrand entfernt als bei uns."
Dann wäre auch ein weiteres Problem gelöst. Hartwig: "In unserer Straße wurden fünf Parkplätze geopfert, um den Busverkehr durchzuschleusen. Das erhöht unseren Frust zusätzlich."
Stadtwerke messen Tempo


Stadtwerke-Verkehrschef Frank Birkhäuer zeigt Verständnis für die Bewohner, sieht aber keine Alternative zur Kutzbachstraße: "Nur auf dieser Route lassen sich die Fahrplanzeiten und die Anschlüsse einhalten." Auf einen bereits im Dezember erhobenen Vorwurf, viele Busfahrer würden "rücksichtslos rasen", haben die Stadtwerke nun mit der Aufstellung einer Geschwindigkeitsanzeigetafel reagiert. "Wir möchten damit einen Beitrag zur Entspannung der Situation leisten. Jeder kann sehen, wie schnell ein Bus fährt - oder wie langsam", erklärt Birkhäuer.
Die Treviris-Trasse ist gesperrt, weil sie sprichwörtlich in Grund und Boden gefahren und zum Sicherheitsrisiko geworden ist. Im Lauf dieses Jahres soll sie mit einem Kostenaufwand von rund einer Million Euro komplett neu gebaut und voraussichtlich Ende November wiedereröffnet werden.
Sehr fraglich, ob die ohnehin altersschwache Fahrbahn der Kutzbachstraße bis dahin durchhält. Sie ist inzwischen selbst zum akuten Sanierungsfall geworden.

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