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Trier: Stadt verbietet Bordellwerbung

Bordelle : Trier: Widerstand gegen Werbeverbot

Ab 1. Januar darf in fast ganz Trier keine Reklame mehr für käuflichen Sex gemacht werden. Die Stadtverwaltung stellt sich schon mal auf Klagen ein – nicht von den Bordellen, sondern von den Plakatfirmen.

Mehrere Jahre hat Triers Sozialdezernentin Angelika Birk in Hamburg, Deutschlands Bordellstadt Nummer 1, gewohnt. Sogar in der Nähe der Reeperbahn. „Aber so viel Werbung für Bordelle und Prostitution wie hier in Trier hat es dort nie gegeben!“, entrüstete sich die gebürtige Norddeutsche am Montag bei einem Pressegespräch im Rathaus.

Ordnungsdezernent Thomas
Schmitt sprach sogar von einem „Versuch der Bordellbetreiber, die Stadt zu dominieren“. Im Sommer sei es zeitweise so gewesen, dass die Plakate mit den halbnackten Frauen in aufreizenden Posen „das Stadtbild geprägt“ hätten. Wenig bekleidete Frauen seien zwar auch auf anderen Werbeflächen zu sehen. „Aber es macht schon einen Unterschied, ob für Mode oder für käuflichen Sex geworben wird“, sagte Schmitt.

Ein bis zwei Beschwerden pro Woche darüber gehen bei der städtischen Frauenbeauftragten Angelika Winter ein. „Durchaus auch von Männern, die es nicht richtig finden, dass diese Werbung Frauen quasi als käufliche Ware darstellt“, sagt Winter.

Prostitution ist in Deutschland ein legales Gewerbe – mit dem Recht zu werben. Das neue Prostituiertenschutzgesetz, das die Kommunen ab 1. Januar umsetzen müssen, räumt aber die Möglichkeit ein, ausufernde Reklame einzudämmen. So sieht es zumindest Ordnungsdezernent Schmitt: „Im Gesetz steht, dass die Werbung nach Art und Umfang begrenzt werden kann – und genau das wollen wir mit unserer neuen Verordnung.“ Im Abstand von 500 Metern rund um Kindegärten, Schulen, Sportplätzen und andere Kinder- und Jugendeinrichtungen sind ab 1. Januar Bordellplakate verboten. Auch LKW, auf denen für die Etablissements geworben wird, dürfen in diesen Sperrzonen nicht mehr abgestellt werden. Der Stadtrat hatte dem Werbeverbot im November zugestimmt. Dass Trier damit „juristisches Neuland“ betrete, hatte Schmitt eingeräumt. Nun scheint es, als müsse die Stadtverwaltung sich auf Widerstand einstellen: „Der Dachverband der Plakatwerbefirmen hat uns vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass er unsere Rechtsauffassung in dieser Sache nicht teilt“, sagte Schmitt. Der Fachverband Außenwerbung (FAW) habe dabei erklärt, mehrere Trierer Plakatwerbefirmen zu vertreten. „Offenbar wird es auf Klagen hinauslaufen“, sagte Schmitt.

Die Stadt bleibe allerdings bei ihrem Kurs: „Alle Betriebe und Werbefirmen sind über die Verbotszone informiert. Ab dem 1. Januar werden wir kontrollieren, ob dort trotzdem noch Plakate hängen und dann gegebenenfalls Beseitigungsanordnungen verschicken samt Bußgeldandrohungen“, kündigte Schmitt an. Die Bordellbetreiber respektive die Werbefirmen könnten dann Widerspruch einlegen. „Notfalls ziehen wir dann vor Gericht – ich bin sicher, dass die Stadt auf juristisch sicherem Boden steht“, sagte Schmitt. Welche Trierer Werbefirmen er in der Sache vertrete, hat der FAW der Stadt nicht mitgeteilt. Die größte Trierer Werbe-
plakatagentur AWK ist jedenfalls nicht dabei. Wie die meisten anderen Plakatwerber hatte auch die AWK schon seit Jahren eine Selbstverpflichtung, im Umkreis von 100 Metern rund um Schulen nicht für Puffs oder Erotikbedarf zu werben. Diese Sperre werde in Trier nun auf 500 Meter ausgeweitet, erklärte eine AWK-Mitarbeiterin am Montag im Gespräch mit dem TV.

Die Firma Plakatunion übt sich sogar im Komplettverzicht: „Wir nehmen grundsätzlich keine Aufträge von Bordellen an. Aus diesem Grund stellt sich für uns nicht die Frage nach Sperrzonen von 100 oder 500 Metern, wie sie aktuell in Trier diskutiert werden“, erklärte Firmensprecher Sascha Kaeding auf TV-Nachfrage.

Bleiben die beiden Plakatanbieter Schwarz Außenwerbung und Ströer, die in Trier zusammen 94 Plakatwände betreiben (siehe Info). Beide Firmen meldeten sich am Montag auf TV-Nachfragen nicht zurück. Beim FAW war die zuständige Juristin nicht im Haus. Nähere Erläuterungen zum Vorgehen des FAW gegen die Trierer Stadtverwaltung waren daher nicht in Erfahrung zu bringen. Rigo Wendt, Betreiber des Club Pearls in der Rudolf-Diesel-Straße in Trier-Nord, hatte im Oktober angekündigt, das Werbeverbot im 500-Meter-Radius rund um Kinder- und Jugendeinrichtungen einzuhalten. „Allerdings wusste ich da auch noch nicht, dass das Verbot sich nahezu auf das gesamte Stadtgebiet ausstrecken wird“, sagte Wendt am Montag (siehe Extra). Und wenn das Verbot juristisch nicht wasserdicht sei und die Konkurrenz und deren Werbepartner sich deswegen nicht an die Verordnung halten würden, „dann werde ich wohl auch nicht auf Werbung in der Sperrzone verzichten können“, sagte Wendt.