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Trierer Altstadtkirche St. Paulus steht vor der Entweihung – Pfarrei sucht einen Käufer

Trierer Altstadtkirche St. Paulus steht vor der Entweihung – Pfarrei sucht einen Käufer

Die Tage der Pauluskirche als Gotteshaus sind gezählt. Die Trierer Innenstadt-Pfarrei Liebfrauen hat beim Bistum die Profanierung (Entweihung) beantragt. In spätestens zwei Jahren dürfte der letzte Gottesdienst in St. Paulus gefeiert werden.

Als Gotteshaus ein Auslaufmodell: Die katholische Kirche St. Paulus in der Trierer Altstadt wird in absehbarer Zeit profaniert. TV-Foto: Roland Morgen Foto: Roland Morgen
Als Gotteshaus ein Auslaufmodell: Die katholische Kirche St. Paulus in der Trierer Altstadt wird in absehbarer Zeit profaniert. TV-Foto: Roland Morgen Foto: Roland Morgen
Das Grab von Hieronymus Jaegen (1841-1919) in St. Paulus. TV-Foto: Roland Morgen Foto: Roland Morgen

Fünf Kirchen gehören zur Trierer Innenstadt-Pfarrei Liebfrauen. In einigen Jahren dürften es nur noch vier sein. "Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Pauluskirche unsere Kräfte überfordert", hatte Pfarrer Hans Wilhelm Ehlen (74) bereits in der TV-Ausgabe vom 27. Juni 2009 orakelt. Und nun ist er endgültig da, dieser Zeitpunkt. Ehlen, der Verwaltungs- und der Pfarrgemeinderat haben den Entweihungsprozess offiziell eingeleitet, indem sie beim Bischof die Profanierung von St. Paulus beantragt haben.

Dass Bischof Ackermann dem Antrag stattgeben wird, steht außer Frage. Die Zahlen sprechen für sich. Nur noch rund 7000 Katholiken leben im Sprengel von Liebfrauen (Altstadt und Ostviertel) - vor 60 Jahren waren es noch 17?000. Noch drastischer gesunken ist die Zahl der Gottesdienstbesucher. Eine Sonntagsmesse, die noch in den 1970er Jahren stets für volles Haus sorgte, zieht heute "in der Regel 20 bis 40 Gläubige" an, wie es in dem Profanierungsantrag heißt. Zu den beiden Messen unter der Woche kommen "fünf bis zehn" Besucher.
Für Seelsorge "entbehrlich"

Pfarrer Ehlen, der sich mit Hinweis auf den laufenden Prozess und anstehende interne Gespräche noch nicht detailliert äußern will, bestätigt aber, dass die Pauluskirche für die katholische Seelsorge in der Altstadt "entbehrlich" ist, zumal die Wege zu den anderen Kirchen der Pfarrei kurz sind: St. Gangolf (Hauptmarkt), St. Antonius (Viehmarkt/Antoniusstraße) und die Hauptkirche Liebfrauen liegen in fußläufiger Entfernung, nur St. Agritius liegt jenseits des Alleenrings.

Profanierungen, bis vor ein paar Jahren noch Ausnahmen, häufen sich mittlerweile. Von den rund 1800 Kirchen und Kapellen im Bistum Trier wurden 33 seit 1995 aufgegeben. Ursprünglich waren vor allem das Saarland und der Raum Koblenz betroffen, doch nun erwischt es zunehmend auch die Bistumshauptstadt. Allein in diesem Jahr gab es zwei Profanierungen in Trier (Christi Himmelfahrt in Ehrang am 1. September und Maria Königin in Pallien am 1. Oktober). Das Abriss-Schicksal vieler weiterer Ex-Kirchen (darunter auch die evangelische Christuskirche in Trier-Heiligkreuz) wird St. Paulus erspart bleiben. Das von 1905 bis 1907 im neuromanischen Stil erbaute Gotteshaus am Paulusplatz steht unter Denkmalschutz. Für das Stadtbild ein Segen, für die Kirchengemeinde Liebfrauen jedoch ein Kreuz: 110.000 Euro musste sie in diesem Jahr ungeplant in die frisch abgeschlossene Sicherung der Fassade investieren. Ehlen hofft, dass sich St. Paulus zu Weihnachten wieder gerüstfrei präsentiert.

Über die Zukunft des Gebäudes gibt es klare Vorstellungen. Im Profanierungsantrag ist von angestrebtem Verkauf die Rede, gegebenenfalls einschließlich des gesamten Grundstücks und des Pfarrhauses möglich.

Bedingung ist eine "respektvolle, der geistlichen Geschichte angemessenen Nachnutzung", was den Kreis der potenziellen neuen Besitzer einengt. Über Interessenten ist offiziell nichts zu erfahren, als offenes Geheimnis aber gilt, dass die Hochschule Trier den Kirchenbau gerne nutzen würde. In diesem Fall wäre das Land der Käufer.

Extra Umbettung
Schnell schließen und verkaufen - das ist im Fall von St. Paulus nicht möglich. Denn die Kirche beherbergt das Grab von Hieronymus Jaegen (1841-1919). Der engagierte Laienchrist und Mitgestalter des katholischen Lebens wird als "Triers heimlicher Heiliger" verehrt. Seit seinem 100. Geburtstag ist im Vatikan ein Seligsprechungsverfahren anhängig, und der Vatikan muss auch seine Zustimmung zur angestrebten Umbettung geben, was als Formsache gilt.
Nach dem Willen der Gemeindegremien und des 1931 gegründeten Hieronymus-Jaegen-Bundes sollen die sterblichen Überreste in das "Paradies", den Verbindungsbau zwischen Dom und Liebfrauen, überführt werden. Bruno Sonnen (56), Vorsitzender des 50 Mitglieder zählenden Bundes, verspricht sich von der künftigen Gedenk- und Anbetungsstätte einen höheren Bekanntheitsgrad für Jaegen und glaubt, dass die Umbettung "allerspätestens zum 100. Todestag" (2019) erfolgt sein wird. rm.