Was lange währt, wird nicht immer gut

Was lange währt, wird nicht immer gut

TRIER-TARFORST. Seit Jahren wartet Tarforst auf den Neubau seiner Grundschule. Für viele Familien gab sogar erst die Aussicht auf den Schulneubau den Ausschlag, sich in dem schnell wachsenden Neubaugebiet anzusiedeln. Doch mittlerweile zweifelt das Land den Bedarf an dem Millionenbau an.

Vor knapp sechs Jahren hatte der Stadtrat den Bau einer zweizügigen Schule samt Turnhalle gegenüber der Gehörlosenschule in der Gemarkung "Im Kreuzflur" beschlossen. Denn die alte Grundschule in Tarforst platzte aus allen Nähten und die Ausweisung der Neubaugebiete BU 12, 13 und 14 war abzusehen. Dann bremste ein Baustopp das Vorhaben aus - Anwohner waren gegen die Entwicklung des Gebiets vor Gericht gezogen. Um die alte Tarforster Schule trotzdem zu entlasten, wurden die Schulbezirke geändert, so dass Schüler, die ursprünglich zum Einzugsgebiet Tarforst gehörten die Keune-Schule in Neu-Kürenz besuchen konnten. "Keune-Schule reicht aus"

Nachdem der Baustopp aufgehoben war, ging es in die konkrete Planung: Doch lehnte nicht nur der Architektur- und Städtebaubeirat den ersten Entwurf kategorisch ab. Auch der ADD war die Raumplanung viel zu großzügig ausgefallen - die Kosten dafür seien nicht gerechtfertigt, eine Förderung daher nicht möglich, ließ sie die Stadtverwaltung im Januar 2005 wissen. Daraufhin entschied die Stadt, einen Architekturwettbewerb auszuschreiben, der vom Modellprojekt der rheinland-pfälzischen Landesregierung "Schulen bauen - bauen schult!" gefördert wurde. Jetzt liegt der Siegerentwurf vor - aber es drohen neue ernste Probleme: "Rechnet man die aktuellen Geburtszahlen hoch, besteht kein Bedarf an einem Schulneubau in Tarforst", sagt Josef Peter Mertes, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, im TV-Gespräch. Die ADD entscheidet als Aufsichtsbehörde über die Bezuschussung kommunaler Projekte durch das Land. "Nach unseren bisherigen Berechnungen könnte die bestehende Keune-Schule in Neu-Kürenz die Kinder aufnehmen." Ulrich Holkenbrink versteht die Aussagen des ADD-Präsidenten nicht. Schließlich liegt dem Schuldezernenten eine Brief der Behörde vom Januar 2005 vor. Darin heißt es: "Dem Grunde nach ist die Schaffung einer zweizügigen Grundschule in Trier-Tarforst insbesondere unter Berücksichtigung der Bauaktivitäten in dem Einzugsbereich (...) unabweisbar." Mitte Februar 2006 hatte Holkenbrink der ADD seine neueste Hochrechnung vorgelegt, die als "aktuelle Zahl der Einzuschulenden" zwar 48 angibt, unter "Berücksichtigung der erwarteten Neubautätigkeit" für das Jahr 2010 allerdings von "70+x" Schülern ausgeht. Die Bedarfsgrenze für den zweizügigen Schulbau liegt laut ADD-Präsident Mertes bei 60 Kindern. Trotzdem: "Herausgerechnet werden müssen Wegzüge und die Kinder, die die Waldorfschule oder die kirchliche Grundschule St. Paulin besuchen werden", sagt Mertes, der von der Stadt einen weiteren Nachweis fordern will. Außerdem müssten die Befürchtungen der Keune-Grundschule in Neu-Kürenz berücksichtigt werden. Denn die Schule bangt nicht nur um ihre Mehrzügigkeit, sondern auch um ihren integrativen Ansatz: Zur Zeit werden behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet. Dieses Konzept könnte bei stark zurück gehenden Schülerzahlen gefährdet sein. Heute Abend um 19 Uhr diskutiert der Ortsbeirat Tarforst im Tarforster Sportzentrum über den Schulbau. Als Referent hat sich Schuldezernent Ulrich Holkenbrink angekündigt.

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