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Wortsalat Trier: Auf neuen Wegen raus aus der Lesefalle

Alphabetisierung : Auf neuen Wegen raus aus der Lesefalle

Die Gruppe Wortsalat will mit einer Ausstellung in der Stadtbücherei für das Thema Alphabetisierung sensibilisieren. Das Trierer Vorzeigeprojekt hofft auf eine Verlängerung der Bundesförderung.

Sie haben den Kampf gegen den „täglichen Wortsalat“ angenommen – und gehen mittlerweile mit ihrem funktionalen Analphabetismus offensiv und öffentlich um. Schon seit einigen Jahren gibt es in Trier die Selbsthilfegruppe „Wortsalat“, die aus dem Trierer Projekt Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener, kurz APAG, entstanden ist. Die Mitglieder der Gruppe traten schon mehrfach bei Veranstaltungen wie StadtLesen auf, haben ihr Schicksal in die Hand genommen – und gehen nun mit einer neuen Aktion an die Öffentlichkeit.

Zum Weltalphabetisierungstag am 8. September präsentiert Wortsalat eine Ausstellung unter dem Titel „Auf dem Weg zur Schrift“ im Foyer der Stadtbücherei am Domfreihof – mit zehn Plakaten, auf denen sie eigene Gedichte und Kurzgeschichten präsentieren. Am Dienstag wurde die Wortsalat-Ausstellung mit einer Lesung des Trierer Theaterschauspielers Martin Geisen eröffnet, der teilweise in einfacher Sprache Abschnitte aus Franz Kafkas „Die Verwandlung“ und Hermann Hesses Erzählungen vortrug.

„Die Wortsalat-Texte sind ein Beleg dafür, wie Menschen auf dem Weg zur Schrift wachsen, Freude am Schreiben und am schriftlichen Ausdruck gewinnen und an der allgemeinen Schriftkultur teilhaben können“, sagt Nina Krämer-Kupka. Sie war federführend tätig beim Projekt APAG, das von 2012 bis 2018 aus Bundesmitteln in Trier organisiert worden war und mittlerweile als bundesweites Vorzeigeprojekt gilt – genau wie das 2011 gegründete Trierer Bündnis für Grundbildung und Alphabetisierung. Seit 2018 ist Krämer-Kupka beim Folgeprojekt „Knotenpunkte der Grundbildung“ angestellt, das als Teil der „Alpha-Dekade“ ebenfalls vom Bundesbildungsministerium unterstützt wird.

Nach dem Projekt APAG, dessen Ziel es war, die Betroffenen am Arbeitsplatz zu erreichen, sowie deren Kollegen, aber auch Berufsschulen oder Ausbilder zu sensibilisieren, zielt das Projekt Knotenpunkte eher auf das private Umfeld ab. Träger ist das Bildungs- und Medienzentrum der Stadt Trier, das sich unter anderem mit den Vereinen Palais und Familienzentrum Fidibus und dem städtischen Jugendamt zusammengeschlossen hat.

Konkret geht es seit 2018 um drei Bereiche: Zusammen mit dem Palais e.V. wird das Projekt „Fit in Finanzen“ umgesetzt. Mit Fidibus und weiteren Kooperationspartnern wie Johanniter-Unfallhilfe, Kitas und Grundschulen werden Lerneinheiten im familialen Kontext erarbeitet. Zusammen mit dem Jugendamt gibt es Lerneinheiten zu den Themen „Gesundheit, Ernährung und Alltagsorganisation“.

Aufgrund von Corona können diese Vor-Ort-Maßnahmen aber nicht mehr umgesetzt werden, untätig waren Nina Krämer-Kupka und ihre Kolleginnen aber nicht. In der Zwischenzeit wurden mit den Partnern viele Lernmaterialien erstellt. Dazu zählt eine Materialkiste mit Büchern und Spielen für Kinder und Erwachsene zur gemeinsamen Lese- und Sprachförderung. Eine Kartensammlung mit vielen praxisnahen Übungen zu Alltagsrechnen und Finanzen wurde erstellt, gemeinsam mit der Krankenschwester Mechthild Hoehl entstanden Infokarten rund um das Thema Kindergesundheit, von Hygiene über Ernährung bis hin zu „Unfälle vermeiden“ und Erste Hilfe. Zudem wurde eine Beratungslandkarte mit allen Partnern in Trier produziert. Das Besondere an den Materialien: Sie sind alle inhaltlich auf die Zielgruppe zugeschnitten, größtenteils in einfacher Sprache verfasst.

Im November werden die wegen Corona verschobenen Schulungen für neue Partner und Träger nachgeholt. „Wir wollen die Organisationen und Partner speziell für das Thema einfache Sprache sensibilisieren“, sagt Krämer-Kupka. Denn ein wichtiger Punkt bei allen Maßnahmen ist immer, die Betroffenen zu ermutigen, die Angebote auch anzunehmen und gleichzeitig das Umfeld wie Fachkräfte in Sozial- und Jugendämtern, Lehrerinnen und Lehrer, Personal in Kitas oder Praxen der Kinder- und Jugendmedizin zu informieren. Die Materialien aus Trier – speziell die Eltern-Kind-Angebote – wurden sogar schon „exportiert“ und werden an den Volkshochschulen Hildesheim und Karlsruhe eingesetzt und auch evaluiert. „Wir hoffen, dass unser aktuelles Projekt auch über 2021 für zwei weitere Jahre fortgesetzt werden kann und arbeiten gerade am Förderantrag“, sagt Krämer-Kupka.

Weitere Informationen im Internet unter www.grundbildung.trier.de
Dienstags von 12.30 bis 14.30 Uhr können sich Betroffene im Büro des Projekts Knotenpunkte im Domfreihof 1c auch ohne Termin beraten lassen.