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Verkehr
Bahnlärm in Trier: „So schlimm wie in diesem Sommer war der Krach noch nie“

Ein Güterzug rauscht mit bis zu 90 km/h durch Trier-West. Vor allem alte Waggons erzeugen dabei erheblichen Lärm.
Ein Güterzug rauscht mit bis zu 90 km/h durch Trier-West. Vor allem alte Waggons erzeugen dabei erheblichen Lärm. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Der Güterverkehr raubt Anwohnern den Schlaf. Für ihren offiziellen Protest müssen sie aber noch warten. Das Planverfahren für die Weststrecke hängt weiter. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Große Hoffnungen, dass mit dem Neubau von fünf Haltepunkten auch ein umfassender Lärmschutz für die Anwohner der bis vor einigen Jahren selten genutzten Gleise der Trierer Weststrecke kommen wird, gibt es inzwischen nicht mehr.

Noch immer warten die Anwohner ebenso wie die Stadtverwaltung voller Ungeduld auf die öffentliche Anhörung beim Planfeststellungsverfahren der Weststrecke. Erst dann besteht die Möglichkeit für Bürger und Institutionen, zu der geplanten Reaktivierung und den damit verbundenen Baumaßnahmen öffentlich Stellung zu nehmen.

Das macht auch eine Stellungnahme der Stadtverwaltung zu einer Anfrage von AfD-Stadtratsmitglied Michael Frisch deutlich. Der hatte als Landtagsabgeordneter bereits in Mainz ernüchternde Auskünfte aus dem Verkehrsministerium erhalten (TV vom 21. August). Verkehrsdezernent Andreas Ludwig betont zwar, die Stadt habe bereits 2014 mit einem Schreiben an die Deutsche Bahn und das zuständige Eisenbahnamt Saarbrücken  gefordert, die Weststrecke in das freiwillige Lärmsanierungsprogram der Bahn aufzunehmen.

Doch auch die Wiederholungen dieser Forderung im Juni 2015 und im März 2018 seien erfolglos geblieben und von dem Amt abgelehnt worden. „Für die Weststrecke erreichen die Zugbewegungen das gültige Kriterium einer Haupteisenbahnstrecke von 30 000 Zügen pro Jahr nicht“, heißt es in dem Antwortschreiben. „Der erhebliche Umfang einer bundesweiten Lärmaktionsplanung erlaubt unter Einhaltung der vorgesehenen Kosten keine über den gesetzlichen Rahmen hinausgehenden Anstrengungen.“ Einfacher formuliert: Zu Lärmschutz besteht hier keine gesetzliche Verplichtung. Als freiwllige Leistung wäre er zu teuer.

Max Op den Camp, Vorsitzender der 2015 gegründeten Bürgerinitiative gegen Bahnlärm im Moseltal e.V., kennt diese Argumentation. „Wir haben von Anfang an aus Trier Beschwerden der Anlieger über Probleme mit massivem Bahnlärm, insbesondere durch erhöhten Güterverkehr, gehört“, sagt der Musikschullehrer aus Winningen  (Kreis Mayen-Koblenz). Der Mitinitiator einer inzwischen von vielen Kommunen unterzeichneten „Bahnlärmerklärung der Moselgemeinden“  glaubt trotz Beschwichtigungen der Deutschen Bahn an eine deutliche Zunahme des Güterverkehrs in den nächsten Jahren.

„Nach unseren Informationen sind nach den Sanierungsarbeiten an Tunneln und Brücken auf der Strecke Koblenz-Perl etwa 180 Güterzüge pro Tag geplant. Eine Steigerung auf 240 Züge wird für die nächsten Jahre erwartet. Das bedeutet eine Zugdurchfahrt etwa alle sechs Minuten im 24-Stunden Betrieb.“ Wie die Weststrecke davon betroffen sein wird, wisse er allerdings nicht. Für Anwohner der Bahnstrecken sind solche Zahlen depre­mierend. Herta und Anton Görgen leben seit 40 Jahren mit Sichtkontakt zur Eisenbahnbrücke in Pfalzel. „So schlimm wie in diesem Sommer war der Krach noch nie“, sagt die Rentnerin, die früher täglich selbst Zug gefahren ist. „Wegen der Hitze konnten wir die Fenster nicht schließen.

Aber schlafen konnten wir wegen des Lärms dann auch nicht. Manchmal fahren am Abend zehn Züge in einer Stunde.“

Dass in der Öffentlichkeit immer nur von den Anliegern der Weststrecke die Rede sei, stört auch Anton Görgen, der vor allem das hohe Tempo der Güterzüge als Lärmquelle sieht: „Natürlich haben die Menschen dort auch Probleme mit lauten Zügen. Aber die meisten Anwohner der Hauptstrecke haben wohl vor den gesetzlichen Regelungen kapituliert.“

Denn das Bundesimmissionsgesetz verpflichtet die Bahn an Bestandsstrecken zu – gar nichts. BI-Sprecher Max Op den Camp hält das für einen Skandal. Er weiß aber, dass nur großer und gebündelter Druck aus der Bevölkerung daran etwas bewegen kann. „Die Resolution gegen den Bahnläm im Moseltal ist inzwischen quasi von allen Städten und Gemeinden an der Mosel mit Gleisnähe mitgezeichnet worden, inklusive der Stadt Koblenz. Nur Trier hat sich nicht angeschlossen. Wir wissen nicht warum.“

Herta und Anton Görgen leben seit 40 Jahren in Pfalzel mit Blickkontakt zur Bahnbrücke. Über die Zunahme des Lärms sind sie entsetzt.
Herta und Anton Görgen leben seit 40 Jahren in Pfalzel mit Blickkontakt zur Bahnbrücke. Über die Zunahme des Lärms sind sie entsetzt. FOTO: Rainer Neubert