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Die Maus rettet die Katze: Helfer in Trier-West bringen Tier von hohem Baum sicher zu Boden

FOTO: Marcus Hormes
Trier. Nach vier Tagen ohne Nahrung in mehr als zwölf Metern Höhe ist eine Hauskatze in Trier-West am Donnerstagmorgen gerettet worden. Die Trierer Firma Seeger setzte zwei Teleskop-Arbeitsbühnen ein. Anwohnerin Manuela Maus warf beherzt eine Decke über das verängstigte Tier und brachte es endgültig in Sicherheit. Ein Geheimnis der Katze ist inzwischen gelüftet.



Auf der Facebook-Seite der Volksfreund-Lokalredaktion Trier gibt es seit Mittwochabend kein Halten mehr. Mehr als 17.000 Menschen rufen das Video zum TV-Bericht über die Katze auf, die in Trier-West tagelang auf einer Tanne ausharrt und sich offenbar nicht traut, nach unten zu klettern. Dutzende kommentieren die Notlage: "Da muss doch was zu machen sein. Die Arme", schreibt Anne Leisen. "Das tut einem ja in der Seele weh", drückt Christina Keil-Willmes die Gefühle der besorgten Tierfreunde aus (Anm. d. Red.: Nutzernamen bei Facebook können von echten Namen abweichen).

Chef sagt spontan zu

Anna Haag, die bei der Firma Seeger Arbeitsbühnen in Trier arbeitet, wird spätabends von einer Freundin auf das Video aufmerksam gemacht. Am Donnerstagmorgen fragt sie ihren Chef. Filialleiter Dirk Tesch sagt spontan zu und checkt die Lage vor Ort im Innenhof der Straße Im Schankenbungert.

Er schafft, woran die Berufsfeuerwehr Trier am Dienstagabend mit ihrer großen Drehleiter gescheitert ist: Mit einem nur 2,50 Meter breiten und 3,5 Tonnen schweren LKW fährt Tesch gegen 9 Uhr durch ein Tor auf die Wiese, die durch das relativ geringe Gewicht nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Teleskop-Hebebühne mit 300 Kilo Tragkraft wird voll ausgefahren. "Das sind 14 Meter", sagt Mitarbeiter Raphael Thillier. Als sich die beiden Männer mit der Hebebühne nähern, springt die Katze ein Stück baumabwärts und bleibt wieder im dichten Geäst sitzen. "Wir brauchen ein zweites Fahrzeug", entscheidet Tesch.

Zahlreiche Nachbarn und Medienvertreter verfolgen inzwischen die Rettungsaktion. Mittendrin: Manuela Maus, aus deren Wohnung im dritten Obergeschoss das Volksfreund-Video am Vorabend gedreht worden ist. Seit Tagen setzt sie sich zusammen mit Nachbarn wie Beate Esseln für die Rettung ein.

Die ist endlich zum Greifen nah: Von zwei Hebebühnen aus nehmen die Männer die Katze sozusagen in die Zange. Kurz nach 10 Uhr geht die Taktik auf: Die Katze klettert über den Baumstamm nach unten und rennt direkt am TV-Reporter vorbei durch eine offene Kellertür ins Treppenhaus. Mehrere Helfer laufen hinterher, denn nach mindestens vier Tagen ohne Nahrung und mit großem Stress muss das Tier gezielt aufgepäppelt werden.

Biss in den Daumen

Nachbar Achim Conrad will die Katze im zweiten Stock einfangen, doch das Tier beißt ihn durch den Handschuh kräftig in den Daumen und türmt nach unten. Bewohnerin Manuela Maus wirft der Katze schließlich eine Decke über und bringt sie in einer geschlossenen Katzenbox unter. "Die Maus rettet die Katze", scherzt die 35-Jährige und lässt ihre "Beute" in der Box nicht mehr aus den Augen.

Große Erleichterung

Alle Helfer sind erleichtert über das glückliche Ende der Rettungsaktion. Achim Conrads Finger ziert ein Pflaster: "Egal! Hauptsache, die Katze ist in Sicherheit." Deren Besitzer ist unbekannt, sie ist entweder entlaufen oder ausgesetzt worden. Seeger-Mitarbeiter Raphael Thillier erklärt sich bereit, das ausgehungerte Tier bis auf weiteres mit nach Hause zu nehmen.

Am Nachmittag meldet der 37-Jährige gute Nachrichten aus seiner Wohnung in Trier-Biewer: "Die Katze hat die Box allein verlassen, stupst meine Frau und unseren kleinen Sohn an und lässt sich streicheln. Sie ist wohl etwa ein halbes Jahr alt. Sie ist dehydriert, abgemagert und hat viel Baumharz am Körper, aber scheint unverletzt zu sein." Nach Absprache mit einem Tierarzt soll sie sich erst mal von dem ganzen Stress erholen und wird dann voraussichtlich am heutigen Freitagabend untersucht.

Raphael Thillier hält seine beiden eigenen Katzen vorläufig noch getrennt von dem Neuzugang, bevor alle drei aneinander gewöhnt werden. Woher die Katze kommt und warum sie auf dem Baum landete, ist weiter unklar. Ein Geheimnis lüftet Thillier allerdings: "Die Katze ist ein Kater - und nicht kastriert! Wir nennen den Kater einfach nach der Firma: Seeger."

In diesem hohen Baum sitzt die Katze an der Stelle, die durch einen roten Kreis markiert ist.
In diesem hohen Baum sitzt die Katze an der Stelle, die durch einen roten Kreis markiert ist. FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes
FOTO: Marcus Hormes