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Soziales
Einmalig in der Region: WG für Senioren eröffnet in Trier

Drei Seniorinnen sind bereits in die Ambulante Wohn- und Pflegegemeinschaft Am Spieles eingezogen. Der Club Aktiv hat hier die erste Einrichtung dieser Art für Demenzkranke in der Region eingerichtet. Von links: Theo Thonet, der das Projekt gemeinsam mit dem Club Aktiv gestemmt hat, Tochter Nina Thonet, ihre Großmutter Thea Thomm, Marie-Lene Prison, Pflegedienstleiterin Angela Veneziano und Helga Herz.
Drei Seniorinnen sind bereits in die Ambulante Wohn- und Pflegegemeinschaft Am Spieles eingezogen. Der Club Aktiv hat hier die erste Einrichtung dieser Art für Demenzkranke in der Region eingerichtet. Von links: Theo Thonet, der das Projekt gemeinsam mit dem Club Aktiv gestemmt hat, Tochter Nina Thonet, ihre Großmutter Thea Thomm, Marie-Lene Prison, Pflegedienstleiterin Angela Veneziano und Helga Herz. FOTO: Dorothee Quaré
Trier-Ehrang. In Ehrang hat der Club Aktiv die erste Demenz-Wohngemeinschaft für Trier und Umgebung eröffnet. Im alten Ortskern können bis zu elf ältere Menschen ein neues Zuhause finden. Das Ziel: Eigenständigkeit und Selbstbestimmung erhalten. Von Dorothee Quaré

Wenn man in Eh­rang, direkt gegenüber der Kirche St. Peter, das Haus Am Spieles betritt, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. In dem gemütlichen weißgestrichenen, mit Nischen versehenen Gewölbe stehen Utensilien aus Großmutters Zeiten: ein alter Herd, diverse Blechkannen und -dosen, geflochtene Körbe, Kaffeemühlen, ein dunkler Esszimmerschrank; passend dazu zwei bequeme Sessel.

Eine Tür führt in den geschützten Innenhof. Hier leben aktuell vier ältere Menschen – drei Frauen und ein Mann – sieben können noch hinzukommen. Das Besondere an diesem Haus: Seine Bewohner dürfen ruhig ein wenig „tüddelig“ sein, denn dies ist Triers erste Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Im Fachdeutsch: „Wohn-Pflege-Gemeinschaft“, getragen vom Club Aktiv.

Eine der Mitarbeiterinnen in dem seit zwei Wochen bewohnten Haus ist Elke Spiess. Die gelernte Bürokauffrau hat bereits einige Erfahrung in der Betreuung älterer Menschen gesammelt. „Diese WG ist 24 Stunden besetzt“, erklärt sie. „Nachts bringen wir die Leute immer wieder ins Bett, wenn nötig. Tagsüber beteiligen wir sie am ganzen Tagesablauf: am Kochen, am Gemüse schnippeln, an der Freizeitgestaltung. Dabei wird ihre Biografie mit einbezogen.“

So erkennt man an den Zimmertüren im Obergeschoss, dass hier eine frühere Näherin und ein Taubenzüchter wohnen. „Die Bewohner sind total lieb“, sagt Elke Spiess. „Eine Dame muss ich halt abends dran erinnern, dass sie hier wohnt. Die Leute leben die meiste Zeit in ihrer eigenen Welt.“ Auch die Angehörigen der Bewohner würden in den Alltag mit einbezogen, etwa im Hinblick auf Arztbesuche.

„Das Konzept hat uns von Anfang an überzeugt“, sagt Christoph Beck vom Landesreferat für Neues Wohnen, das die Trierer Demenz-WG gefördert hat. „Wir möchten den Aufbau solcher Projekte unterstützen.“ Stephanie Mansmann von der Landesberatungsstelle Neues Wohnen der Landeszentrale für Gesundheitsförderung hebt das Besondere der WG hervor: „Hier steht nicht die pflegerische Versorgung im Vordergrund, sondern die Gestaltung des Alltags. Nichts wird ausgelagert.“

Daher sind die Bewohner auch selbst – mit Unterstützung – für das Sauberhalten ihrer Zimmer verantwortlich. „Es ist uns wichtig, dass sie an allen Geschehnissen im Alltag aktiv teilnehmen können“, ergänzt Pflegedienstleiterin Angela Veneziano. Sie hebt die zentrale Lage des Hauses im alten Ortskern hervor. Gemeinsam können etwa die Kirche und das Bürgercafé besucht werden; auch Kontakt zu den Ehranger Vereinen wurde hergestellt. Den Namen des Hauses trug der Heimatverein bei.

„Es geht uns um Selbstbestimmung und Teilhabe der Bewohner“, hebt Paul Haubrich, Geschäftsführer des Club Aktiv, in seiner Begrüßung hervor. „Die Mitarbeiter haben daher Gaststatus.“ Er fordert die Ehranger auf, den Kontakt mit den Bewohnern zu suchen, sich ehrenamtlich einzubringen. „Ich bin sehr glücklich mit diesem Angebot“, sagt Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die ebenso wie Bürgermeisterin Elvira Garbes ein Grußwort sprach.

„In jeder Gemeinde ein Wohnprojekt – das war schon vor fünf Jahren mein Ziel“, sagte Dreyer. Diakon Arnulf Schmitz und Pfarrer Michael Wermeyer segneten das Haus ein. Die Landtagsabgeordnete Ingeborg Sahler-Fesel freut sich besonders über die Aufwertung des Stadtteils: „Ich habe den Niedergang des Ortskerns miterlebt. Nun gibt es seit einigen Jahren einen Aufwärtstrend!“