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Liebe Sonne, mach die Erdbeeren rot!

Trier. In der Stadt sind die Terrassen von Cafés und Restaurants voll. Auch die Lust am Kauf von Sommerkleidung und Sandalen steigt mit den Temperaturen. Gut für Handel und Gastronomie - haben sie doch in den vergangenen Wochen ordentlich Federn gelassen. Christiane Wolff

Wohl nur ein Laden in der City hat unter dem Dauerregen nicht gelitten: Gisa, das Fachgeschäft für Regenschirme in der Neustraße. "Bei nasser Witterung haben wir natürlich mehr Umsatz als bei Sonnenschein", sagt Gisela Hochzeit. Seit 1963 betreibt sie ihren Regenschirmladen. Taschenschirme, die zusammengefaltet nur 17 Zentimeter groß sind, klassische Stockschirme, Schirme für den Golfplatz, für Beerdigungen und mit glänzend poliertem Holzgriff gibt es in dem kleinen Laden. "Für einen Markenschirm zahlen die Kunden heute genauso wie vor 50 Jahren gerne das, was der Schirm wert ist, weil sie die Qualität schätzen", sagt Gisela Hochzeit.
In der übrigen Stadt liefen die Geschäfte in den vergangenen Wochen dagegen bescheiden:

Zurlauben: "Es war der schlechteste Frühling seit einem Vierteljahrhundert", klagt Karl Schmelzer, seit 23 Jahren mit seinem Restaurant Bagatelle am Zurlaubener Moselufer zu Hause. Die Gastronomen dort hatten Ende April auf ihren Terrassen ein Weinfrühlingsfest zusammen mit 22 Winzern organisiert. "Aber dank Dauerregen und Kälte kamen statt 2000 Besuchern, mit denen wir gerechnet hatten, nur 650", sagt Schmelzer. Seinen Optimismus hat das nicht getrübt: "Jetzt ist die Sonne ja da - und bleibt hoffentlich bis Weihnachten!"

Kindertag im Palastgarten: Schon 2012 war das von der Mobilen Spielaktion organisierte Kinderfest ins Wasser gefallen. Und auch dieses Mal bauten die gut zwei Dutzend Kinder- und Jugendeinrichtungen ihre Stände wegen des vielen Regens gar nicht erst auf. Mehr als hundert Erzieher, Lehrer, Pädagogen und Eltern hatten etliche Stunden in die Vorbereitung gesteckt. "Und dann war der ganze Aufwand für die Katz. Das hat viele ganz schön enttäuscht - mal ganz abgesehen von den Kindern, die sich auf ein schönes Spielfest gefreut hatten", sagt Jörg Drekopf, Leiter der Mobilen Spielaktion.
Kirmes: Einen herben finanziellen Verlust musste Werner Weeber, Veranstalter der Peter-und-Paul-Messe auf dem Viehmarkt, einstecken. "Der Pfingstsonntag und -montag waren sehr schlecht. Sobald der Regen einsetzte, war der Platz leer - da fehlen uns ruckzuck 80 Prozent Umsatz", sagt der Schausteller.

Sky Lounge: Auf dem Dach des Kaufhauses Karstadt hat Andreas Berg eine Art Strandbar eingerichtet - allerdings fehlt nicht nur das Meer, sondern bislang auch die Sonne: "Im Mai hatten wir genau drei Tage geöffnet - eine Katastrophe. Im Vergleich zu einem normalen Sommer fehlen mir gut 30 bis 40 Prozent Umsatz", sagt der Gastronom und DJ. Am Sonntag strömten bei der ersten trockenen und warmen Witterung zwar die Gäste auf das Sonnendeck. "Aber ich glaube nicht, dass wir den Verlust in der kurzen Saison noch ausgleichen. Will man Außengastronomie in Deutschland wirtschaftlich betreiben, muss man sein Konzept an die nassen, kalten Sommer anpassen", sagte Berg.

Boutiquen: "Bis jetzt war das Geschäft sehr schwer", seufzt Monika Lintz, Inhaberin der gleichnamigen Damenboutique in der Palaststraße. "Sommerkleider verkaufen sich eben nur, wenn die Sonne draußen ist." Viel zu nass und zu kalt sei das Frühjahr gewesen. "Aber wir sind guter Hoffnung: Mit der Sonne jetzt kommen auch die gute Laune und die Lust am Shoppengehen zurück", ist sich die Geschäftsfrau sicher.

Erbeeren: Durch die Staunässe, die überfluteten Böden und die damit einhergehende Pflanzenfäule hat der Zewener Landwirt Hans-Josef Greif rund 20 Prozent seiner Erdbeerpflanzen eingebüßt. "Normalerweise haben wir Mitte Mai mit der Ernte begonnen, jetzt sind nur vereinzelte Früchte reif. Und ab der zweiten Juniwoche konnten unsere Kunden auch selbst auf den Feldern ihre Erdbeeren pflücken gehen - das verschiebt sich in diesem Jahr ebenfalls um mindestens zwei Wochen", klagt Bauer Greif. "Nur wenn der Juni trocken bleibt und die Temperaturen ab sofort steigen - und zwar auch nachts - kommen wir noch mit einem blauen Auge davon."

Landwirtschaft: Teilweise aus Verzweiflung haben die Bauern in den vergangenen Wochen im Landkreis ihre Felder gemäht, obwohl der Boden eigentlich noch viel zu nass ist. "Es herrscht Panik, die Pflanzen stehen schon zu lange", sagt Gerhard Brenner, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg. Je länger die Pflanzen stehen, umso mehr verholzen sie. Dadurch verliert das spätere Viehfutter an Energie - und die Milchbauern könnten gezwungen sein, im Winter teures Kraftfutter zuzukaufen.

Weinbau: Zwei Wochen seien die Weinreben an Mosel, Saar und Ruwer durch Nässe und Kälte in ihrer Entwicklung zurück, sagt Walter Clüsserath, Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbands. Allerdings sei das 2010 auch so gewesen, und die Natur habe die verspätete Blüte noch aufholen können. Ideal für einen guten Jahrgang wären wenig Regen in den nächsten Wochen, Temperaturen zwischen 22 und 27 Grad und keine allzu großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.

Heizen: Und auch die Privatleute legen drauf: Laut Stadtwerke lag der Verbrauch von Heizgas in einem Trierer Durchschnittshaushalt im kalten Mai 2013 rund 25 Prozent über dem Verbrauch im Mai 2012.