Aufgeregte Diskussion um Schwarzstorch-Horste

Aufgeregte Diskussion um Schwarzstorch-Horste

In der Verbandsgemeinde Kelberg sind nach Darstellung der Kreisgruppe Vulkaneifel des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) mehrere Schwarzstorch-Brutplätze durch Forstarbeiten beeinträchtigt worden. Das zuständige Forstamt Hillesheim wehrt sich gegen den Vorwurf, dies sei Absicht gewesen.

Mitglieder der Kreisgruppe Vulkaneifel des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) und der Bürgerinitiative Sturm im Wald kritisieren, dass durch aus ihrer Sicht unsachgemäße Forstarbeiten im Bereich der Verbandsgemeinde Kelberg Brutplätze von Schwarzstörchen gestört worden sind.

Und das an Stellen, "die möglicherweise zur Windkraftnutzung geeignet sind", heißt es in einer Presseerklärung. Und weiter: "Wäre es nur ein einzelner Fall, so könnte man von Versehen sprechen, aber an mindestens fünf verschiedenen Stellen gleichzeitig lassen es nicht mehr zu, von Zufall zu sprechen."

Also ein absichtliches Vorgehen? Dem widerspricht Martin Manheller, Leiter des Forstamts Hillesheim, zu dessen Zuständigkeitsbereich auch die VG Kelberg gehört. Er räumt die Freistellung eines Schwarzstorch-Horstes in Mannebach ein, was aber nicht beabsichtigt gewesen sei. Mittlerweile sei dieser Horst aber schon von einem Rotmilan bezogen worden.Besonders schutzwürdig

Der Bund-Kreisvorsitzende Norbert Leinung verweist darauf, dass der Schwarzstorch "höchsten gesetzlichen Schutz" genießt. Um so mehr müssten die Revierförster darauf bedacht sein, die Horste rechtzeitig vor einem Holzeinschlag auszumachen und Abstände einzuhalten. Manheller entgegnet: "Natürlich werden wir zukünftig bei der Vorbereitung von Forstarbeiten noch sorgfältiger auf die Vielzahl von Horst- und Höhlenbäumen in unseren Wäldern achten, deren große Zahl doch auch ein Beleg für die Lebensraum- Eignung der intensiv bewirtschafteten Wälder sind." Er hofft auf eine stärkere Zusammenarbeit, denn: "In diesem Zusammenhang bedauern wir sehr, dass uns die Naturschutzverbände bis heute ihre Kartierung dieser Bäume nicht zur Verfügung gestellt haben."

Die Bund-Kreisgruppe fordert die Verantwortlichen in den Gemeinden und Forstämtern, die Windkraftplaner und die Privatwaldbesitzer auf, den Schutz der durch Windkraft gefährdeten Vogel- und auch Fledermausarten ernst zu nehmen, Brutplätze den Naturschutzbehörden zu melden und jedem Verstoß gegen Naturschutzrecht entgegenzuwirken. Der Kreisvorsitzende Leinung spricht sich für eine überregionale Steuerung der Errichtung von Windkraftanlagen aus, denn "dann müsste nicht jede Kommune für ihre eigenen Anlagen kämpfen." Er kündigt an: "Viele, vor allem ehrenamtlich Aktive der Naturschutzverbände beobachten im ganzen Land genau, ob beim Ausbau der Windenergie der Artenschutz beachtet wird."

Der Forstamtschef kritisiert dagegen, dass die Bund-Kreisgruppe die Horst-Schutzmaßnahmen der Forstverwaltung durch Markierung geschützter Baumgruppen im Umfeld der Horstbäume und die nachgewiesen Brut- und Aufzuchterfolge bei den Schwarzstörchen nicht erwähne. Seien früher nur selten Schwarzstörche anzutreffen, so habe sich deren Population heute deutlich erhöht. Das gelte auch für Schwarzspechte, Rotmilane, Wildkatzen und selbst den Luchs, der mittlerweile immer wieder beobachtet werde. Das ist aus Sicht des Forstamts ein Beleg für "ein funktionierendes Nebeneinander von Artenschutz und Forstwirtschaft".

Manheller moniert, dass häufig der Eindruck erweckt werde, als schlössen sich Windenergienutzung im Wald und Vogelschutz aus. "Wir sind aber überzeugt, dass bei Aussparung der sensiblen Laubaltholzbestände und der Konzentration der Windenergiestandorte auf ehemaligen Windwurfflächen beide sehr wohl nebeneinander existieren können. Im Interesse des Vogelschutzes wie auch des Ausbaus der erneuerbaren Energien bieten wir gerne allen interessierten Naturfreunden einen auf Konsens ausgerichteten Gedankenaustausch an."

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