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Bewaffneter überfällt Bankfiliale in Kelberg

Bewaffneter überfällt Bankfiliale in Kelberg

Ein bewaffneter und mit Perücke und Sonnenbrille vermummter Mann hat am Freitagmittag die Volksbank-Filiale in Kelberg überfallen. Er erbeutete einen vierstelligen Betrag und flüchtete erst mit dem Rad zum Busparkplatz, wo bereits viele Schüler warteten. Anschließend fuhr er mit dem Auto weiter. Die Menschen im Ort sind verunsichert.

Kelberg. Michael Müller ist fassungslos. Er steht auf der Wiese in seinem Vorgarten, direkt am Ortseingang von Kelberg. Hinter seiner Grundstückshecke donnern Motorräder und Autos auf der viel befahrenen B 410 vorbei. Müller schaut hinüber auf die andere Straßenseite. Dort befindet sich die Volksbank-Filiale, vor der mehrere Polizeiwagen parken. Von seinem Grundstück aus sind es maximal 20 Meter bis dorthin. Müller sagt: "Ich habe um die Mittagszeit den Rasen gemäht, ich verstehe nicht, dass ich nichts bemerkt habe - ich bin schockiert über diese Tat."
Kein Wunder, denn das, was dort am Freitagmittag im beschaulichen Kelberg passiert ist, ist durchaus beunruhigend: Gegen 12 Uhr drang ein Unbekannter in die Volksbank-Filiale ein, bedrohte die vier Angestellten und eine Kundin mit einer Schusswaffe und erbeutete einen vierstelligen Geldbetrag, darunter auch ausländische Währung.
Der Mann wird auf Mitte 30 geschätzt, ist 1,75 Meter groß und schlank. Er trug eine grau-beige Baseballmütze und darunter schwarze Locken - vermutlich eine Perücke - sowie eine dunkle Sonnenbrille. Nach Polizeiangaben flüchtete er zunächst auf einem silberfarbenen Herrenfahrrad. Auf dem nahegelegenen zentralen Busparkplatz, wo sich bereits zahlreiche Schüler auf den Ferienbeginn gefreut haben, warf er das Rad in eine Hecke und flüchtete anschließend mit einem dunklen Kleinwagen vom Typ BMW 1 oder Audi A3 in unbekannte Richtung. Ob er den Wagen selbst gesteuert oder ein Komplize auf ihn gewartet hat, ist bislang unklar. Verletzt wurde bei dem Überfall niemand. Eine Mitarbeiterin ist nach dem Überfall jedoch kollabiert und musste ärztlich betreut werden.
Nach der Tat rasen mehrere Polizeiwagen nach Kelberg. Auch ein Hubschrauber kreist über dem Ort. Beamte durchsuchen Gebüsche und Wiesen rund um die Bank. Später wird die Fahndung ausgeweitet, bis zum Nürburgring und Daun. An dem Busparkplatz, wo der Täter in ein Auto stieg, betreibt Marianne Eich einen Imbiss. "Ich habe sogar um die Mittagszeit draußen gesessen vor dem Imbiss, aber bemerkt habe ich nichts." Kunden hätten ihr später von dem Überfall berichtet. Sie hat eine Vermutung: "Es ist Ende des Monats, da kommen Senioren oft zur Volksbank, um ihre Rente abzuholen. Vielleicht wusste der Täter das."
Kelbergs Ortsbürgermeister, Willi Jonas, kann sich an einen ähnlichen Vorfall in der 1600-Seelen-Gemeinde nicht erinnern. "Seit 1983 wohne ich im Ort, einen Banküberfall gab es in dieser Zeit nicht." Jonas vermutet, dass der Überfall zu einem mulmigen Gefühl bei manchen Anwohnern führen könnte, gerade weil es in den vergangenen Monaten auch vermehrt Wohnungseinbrüche in der Gemeinde gegeben hat. "Ich hoffe, dass sich ein Phantombild erstellen lässt, denn dann stehen die Chancen gut, den Täter zu fassen." Wie viele Beamte im Einsatz waren, verrät die Polizei nicht. Nur zur Tatwaffe sagt der Dauner Polizeichef, Alfred Haas: "Es ist eine Kurzwaffe. Und wir gehen davon aus, dass sie echt ist."
Die Polizei bittet um Hinweise. Wer Angaben zum Täter oder dem Fluchtauto machen kann, wird gebeten, sich an die Polizei in Daun unter Telefon 06592/96260 oder die Kripo in Trier unter Telefon 0651/9779-2290, zu wenden.ExtraFebruar 2013: In der Nacht von Weiberdonnerstag auf Freitag steigen unbekannte Täter in den Hauptsitz der Kreissparkasse Vulkaneifel ein, die umfangreich umgebaut wird. Geschützt durch die Baustelle dringen sie durch das Fenster eines Büros im Erdgeschoss ein und brechen rund 300 Sparbuch-Schließfächer auf. Mehrere der Kunden dort aber auch - verbotenerweise - Geld und Wertgegenstände deponiert. Die Versicherung und die Bank haften nicht für den Verlust. Juni 2013: Mehrere Täter dringen erneut in den Hauptsitz der Kreissparkasse in Daun ein, die noch immer umgebaut wird. Sie zerschlagen neben dem unteren, seitlichen Eingang eine Scheibe und steigen ins Gebäude ein. Dort brechen sie mehrere Türen auf, um an ihr Ziel zu gelangen: den Tresor des Geldautomaten am Seiteneingang. Mit Winkelschleifern und hydraulischen Spreizwerkzeugen öffnen sie den Tresor und entwenden einen fünfstelligen Bargeldbetrag. Nach etwa drei Stunden Arbeit - zwischen 0 und 3 Uhr - verlassen sie mitsamt ihrem Werkzeug und dem Geld unbemerkt die Filiale. Ende Juli 2013: Unbemerkt von den Gästen auf den Terrassen der benachbarten Gastronomie dringen erneut mehrere Männer in die KSK-Filiale in Daun ein, die noch immer umgebaut wird. Sie gehen ähnlich wie einen Monat zuvor vor. Die Täter knacken mithilfe schweren Geräts erneut einen Geldautomaten und erbeuten dabei wieder einen hohen fünfstelligen Betrag. Beim Aufbruchsversuch eines zweiten Automaten lösen sie stillen Alarm aus, können aber fliehen, bevor die Polizei eintrifft. Von den Einbrechern, die Polizei geht von vier oder fünf Tätern aus, fehlt weiter jede Spur. Dezember 2013: Die Vulkaneifel scheint für Bankräuber ein beliebtes Pflaster zu sein. Mitte Dezember sind die Postbanken in Daun und Gerolstein das Ziel. Während es in Gerolstein beim Versuch bleibt, da die Täter durch einen Obdachlosen gestört werden, der in der Bank sein Nachtlager aufgeschlagen hat, kommen sie in Daun zum Ziel. Sie reißen den Geldautomaten aus der Verankerung und nehmen ihn mit. Nach Auskunft der Polizei enthält er einen fünfstelligen Betrag. Die vier Tatverdächtigen stehen derzeit vor dem Landgericht in Trier. mh