Charmant, oberlehrerhaft: Werner Höfer würde 100

Charmant, oberlehrerhaft: Werner Höfer würde 100

Er ist neben dem Stararchitekten Oswald Mathias Ungers (1926-2007) der berühmteste Sohn Kaiserseschs - und hat seine Wurzeln nie verleugnet: Werner Höfer. Der Fernsehjournalist, der Maßstäbe gesetzt hat, wäre am 21. März 100 Jahre alt geworden.

Kaisersesch. Ein beliebiger Sonntag in einer deutschen Familie in den 1970er Jahren, Punkt 12 Uhr: Gebannt lauschen die Familienmitglieder, vom Oberhaupt zur absoluten Ruhe gemahnt, dem ewig gleichen Einführungstext mit der sonoren Hintergrundstimme von Egon Hoegen: "... mit sechs Journalisten aus fünf Ländern" und "angeschlossen sind die Funkhäuser ..."
Dann erscheint der Mann mit der dicken Hornbrille auf dem Bildschirm: Werner Höfer, Moderator des "Internationalen Frühschoppens", 35 Jahre lang in kerzengrader Positur, ein wenig oberlehrerhaft. Eine Dreiviertelstunde lang debattiert er mit Journalisten über politische Themen. Im Studio darf geraucht werden, dass die Schwaden die Gesichter vernebeln. Zum Ende erhebt Höfer in charmantem Unterton sein Weinglas und spricht einen Toast auf das Wohl seiner Gäste aus.
Sonntags immer an Bord


Als er in den 50er Jahren wegen Urlaubs die Mittagssendung ausfallen lässt, hagelt es Proteste - vor allem von Frauen. Fortan legt Höfer den Urlaub so, dass er immer sonntags an Bord ist. Die Sendung war eine Institution, sie wirkte prägend für die politische Kultur im Land.
In bescheidenen Verhältnissen als Sohn eines Straßenbaumeisters aufgewachsen, machte Höfer nach einem Studium der Philosophie, Geschichte, Theater- und Zeitungswissenschaft vor dem Krieg als Feuilletonist in Köln und Berlin Karriere.
In der NS-Zeit schrieb er für regimetreue Blätter, verteidigte gar das Todesurteil für einen Pianisten (siehe Extra). Das wurde ihm 1987 zum Verhängnis; er musste seine Rolle als Moderator aufgeben.
Zu Kaisersesch hatte Höfer eine besondere Beziehung.
An Karfreitag in der Eifel


An seinem Geburtstag und an Karfreitag kam er mit seiner Frau in die Eifel, stieg im Hotel Zur Post ab und traf sich mit Freunden. Manchmal brachte er Prominenz mit. Gisela Pfahl, frühere Hotel-Inhaberin, erinnert sich: "Er war umgänglich und aß am liebsten einfache Gerichte wie Sauerbraten oder eine gebratene Blutwurst." Ein Schoppen durfte nie fehlen.
Extra

Werner Höfer hatte 1943 in einem nicht namentlich unterschriebenen Artikel das Todesurteil gegen den Pianisten Karlrobert Kreiten verteidigt: "Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Be strafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen." Höfer bestritt, die Passagen geschrieben zu haben. red