EXTRA: "Zartes Pflänzchen nicht zertreten"

EXTRA: "Zartes Pflänzchen nicht zertreten"

Sechs Musiklehrer an allgemein bildenden Schulen wenden sich wegen der aus ihrer Sicht möglichen Auflösung der Musikschule "mit äußerster Besorgnis" an die Öffentlichkeit. Der offene Brief geht auf die Initiative des Musikpädagogen Oliver Dipper (Thomas-Morus-Gymnasium Daun) zurück; unterzeichnet haben ihn sein Kollege Christoph Neumann sowie Lisa Henn (Geschwister-Scholl-Gymnasium/GSG Daun), Horst Jungbluth (Realschule Daun), Renate Kiefer (Gymnasium Gerolstein) und Harald Thome (Grundschule Daun). Die Lehrer heben hervor, dass Schüler, die an der musikalischen Früherziehung teilgenommen haben und Instrumentenunterricht erhalten, den schulischen Musikunterricht deutlich bereicherten. Schulensembles profitierten von der guten Einzelbildung der Instrumentalschüler und es gebe eine Reihe von Kooperationen zwischen Schulen und der Musikschule. Das kulturelle Angebot des Kreises sei für Jugendliche im Vergleich zu dichter besiedelten Regionen ohnehin schon dürftig. "Dieses zarte Pflänzchen darf nicht auch noch zertreten werden, zumal es kaum eine lokale musikalische Aktivität gibt, an der nicht auch Schüler und Lehrer der Musikschule beteiligt sind"; heißt es in dem Brief mit dem Hinweis auf das Flutopfer-Benefizkonzert "Hand in Hand". Private Musikschulen könnten die Kreismusikschule keineswegs ersetzen. Das profitorientierte Arbeiten der Privaten bedeute, dass möglichst viele Schüler von möglichst preiswerten Lehrkräften unterrichtet werden. "Dies soll nicht leugnen, dass es auch an privaten Musikschulen gute Lehrer gibt", wird eingeschränkt. Allerdings sei die Quote der Lehrer mit einem musikpädagogischen Studium an den Privatmusikschulen wesentlich kleiner. Eine Langzeitstudie habe gezeigt, dass musikalisch ausgebildete Kinder und Jugendliche ihren Altersgenossen an Intelligenz, Kreativität und sozialer Kompetenz überlegen seien. "Man kann nicht an der Kultur und an der Bildung sparen und gleichzeitig der Bildungsmisere und der Gewalt an Schulen Herr werden wollen", warnen die Musikpädagogen.(bb)