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Süßer die Glocken nie ...

 Stein des Anstoßes: der Schlag der Cochemer Kirchturmuhr. Foto: Kevin Rühle
Stein des Anstoßes: der Schlag der Cochemer Kirchturmuhr. Foto: Kevin Rühle
Cochem. An einer Turmuhr in Cochem scheiden sich die Geister. Der Schlag des renovierten Schaltwerks in der Pfarrkirche St. Martin ist wuchtig und schallt durchs Moseltal zwischen Sehl und Cond - und geht nicht wenigen Bürgern auf den Geist. unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

Cochem. 70 Bürger, durchaus solche, die man als honorig bezeichnen darf, haben auf einer Unterschriftenliste ihren Unmut hinterlassen: Sie wollen die neue Turmuhr der Pfarrkirche St. Martin in Cochem, zumindest zeitweise, zum Schweigen bringen.
255 Schläge haben Ulrike und Rudolf Stolz gezählt. 255 mal zuckt das Ehepaar, das am Cochemer Markt wohnt, erschreckt zusammen, wenn der Klöppel sein Werk laut und vernehmlich verrichtet. "Was vielen Cochemer Bürgern zugemutet wird, ist ein starkes Stück", sagt Ulrike Stolz. Von 7.30 Uhr bis 22 Uhr schlägt die Uhr, und zwar im viertelstündlichen Rhythmus - die vollen Stundenzahlen kommen extra hinzu.
"Die Lautstärke ist einfach extrem. Nicht nur wir, sondern viele Mitbürger fühlen sich durch die viertelstündliche Beschallung äußerst genervt", sagt Rudolf Stolz. Er fragt sich, wieso die katholische Pfarrgemeinde dieses "Gebimmel" zugelassen hat, ohne die Gläubigen zu fragen und zu informieren.
Drei Lösungsvorschläge



Sie finde beim Mittagsschlaf kaum mehr Ruhe, sagt Ulrike Stolz, sie habe Ohropax immer greifbar, um den Schall zu dämpfen. Die Tatsache, dass der Schall ungehindert nach Cond dringt, hat auch Bürger von Obercond auf den Plan gerufen - gut ein Dutzend von ihnen hat den Protestbrief unterschrieben.
Von ihrer Radikalforderung ("Abstellen!") ist die Gruppe um das Ehepaar Stolz inzwischen zwar abgerückt. In einem Schreiben vom 26. November an den Pfarrverwaltungsrat schlägt die Gruppe vor, dass die viertelstündlichen Schläge ausgesetzt und die stündlichen Glockenschläge wesentlich in der Lautstärke reduziert werden sollten. "Eventuell ist das durch einen kleineren Klöppel möglich oder durch schalldämmenden Schutz am Kirchturm", sagt Rudolf Stolz und verweist auf die evangelische Kirche in der Oberbachstraße. In deren Turm verhindere ein Lamellenvorhang, dass der Schall ungefiltert auf das Ohr der Bürger trifft.
Rat lehnt Reduktion ab


Sechsmal sind die Stolzens im katholischen Pfarrbüro vorstellig geworden - und nach ihrer Darstellung dort immer abgeblitzt. Zwei Schreiben hat es an die Kirchengemeinde gegeben und zwei Antworten. In einem Brief vom 20. November teilt der Verwaltungsrat mit, dass sich der Pfarrgemeinderat in der nächsten Sitzung mit dem Thema befassen wolle. Allerdings steht dort wörtlich zu lesen, dass die "Reduktion auf 250 Schläge doch wohl allein keine Lösung" darstellen könne. Der Verwaltungsrat betont, dass das gesetzliche Limit der Emissionen eingehalten werde.
Warten auf bessere Zeiten


Im Übrigen könne er mindestens 70 Cochemer Bürger nennen, die für den Glockenschlag in der jetzigen Weise einträten. Man müsse aber im Sinne des Pfarrfriedens überlegen, ob nicht eine oder mehrere von drei Lösungen in Betracht kommen. Vorschlag eins sieht vor, auf den viertelstündlichen und den dreiviertelstündlichen Schlag zu verzichten. Der zweite Vorschlag zielt darauf ab, die Schlagzeiten um 20.30 Uhr enden zu lassen. Und als weitere Lösung rückt der Klöppelschlag in den Fokus. In punkto Intensität müsse jedoch unbedingt eine Fachfirma ran, sagt der Verwaltungsrat. Das kostet Geld - mindestens 500 Euro.
Jetzt hat der Verwaltungsrat vorgeschlagen, dass die Kritiker die 500 Euro selbst aufbringen - und von der Pfarrei eine Spendenquittung erhalten. Das jedoch ist offenbar für die Gegenseite indiskutabel, wie sich Rudolf Stolz äußert. Sie sieht sich nicht als Verursacher des "Lärms", der aus ihrer Sicht krank machen könne. Die Kritiker warten jetzt auf bessere Zeiten.