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Man muss auch Klavier spielen können

Man muss auch Klavier spielen können

Der Verband der Wirtschaftsjunioren Deutschland hat das Trier-er Pianohaus Marcus Hübner mit dem Sonderpreis "Ausbildungs-Ass 2014" ausgezeichnet. Der Verband ist ein Zusammenschluss von mehr als 10 000 Unternehmen und Führungskräften im Alter von unter 40 Jahren.

Trier. Ein Pianohaus ist ein Handwerksbetrieb. Auch wenn es sich ausschließlich den schönen Künsten widmet, so hat es die gleichen Probleme wie beispielsweise eine Tischlerei: "Qualifizierten Nachwuchs zu bekommen ist nicht ganz einfach", weiß Firmenchef und Klavierbaumeister Marcus Hübner. Seine Erfolgsmasche: "Wir schauen uns bei unseren Kunden um." Das hat auch im Fall von Azubi Maik Wirtz geklappt. Noch während seiner Zeit an der Realschule hatte Maik kaum Vorstellungen über seine berufliche Zukunft.
Mit dem Praktikum zum Job


"Zum Glück stand eines Tages ein Berufspraktikum an", erinnert er sich. Und da er zu Hause gerne Klavier spielt, lag es nahe, dieses Praktikum beim Pianohaus Hübner zu leisten. Der erste Eindruck war auf beiden Seiten nicht schlecht, und so kam es nach zwei Jahren zu einem weiteren Praktikum an gleicher Stelle: "Da wusste ich, dass ich Klavierbauer werden möchte", sagt Wirtz, der diese Entscheidung nach eigener Aussage nie bereut hat.
Ein Kriterium der Wirtschaftsjunioren für die Vergabe des Preises waren die Einblicke in das Handwerk, die Hübner interessierten Praktikanten gewährt. "Wir bieten schon Kindern ab sieben Jahren unser Angebot ,Der kleine Klavierbauer\' an", berichtet der Klavierbaumeister, der einst selbst in die Spuren seines Vaters trat und der über sehr gute Kontakte in den asiatischen Raum verfügt, wo das Piano einen hohen Stellenwert hat. Besonders in China: "Dort ließ Mao während der Kulturrevolution alle Instrumente zerstören. Mit einer Ausnahme: dem Klavier. Denn das war das Lieblingsinstrument seiner Frau." So wundert es nicht, dass auch schon Asiaten für Marcus Hübner gearbeitet haben. Der Koreaner Yankun Joung absolvierte im Trierer Pianohaus eine dreieinhalbjährige Lehre, arbeitete dann eine Zeit als Geselle und erwarb schließlich den Meisterbrief. Heute betreibt er in Korea ein eigenes Pianohaus, bei dessen Außendarstellung er seinen in Deutschland erworbenen Berufswerdegang herausstellt, berichtet Hübner.
Doch welche Anforderungen richtet er an seine potenziellen Lehrlinge? "Er oder sie sollte Klavier spielen können", sagt Marcus Hübner wie aus der Pistole geschossen. Für ihn ist das die Grundvoraussetzung dafür, dass das Instrument auch verstanden wird. Ein Abitur sei keine Voraussetzung. Dafür aber ein gutes Wissen in den naturwissenschaftlichen Fächern. "Und natürlich eine gute handwerkliche Begabung." Gibt es denn noch genügend Jugendliche, die all diese Voraussetzungen erfüllen? Hübner nickt. Aktuell beschäftigt er zwei Auszubildende; Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz erhält er aus ganz Deutschland.
Wer den Beruf des Klavierbauers erlernen will, muss einiges in Kauf nehmen. Die Ausbildungsvergütung ist nicht hoch, reicht von rund 300 bis knapp 440 Euro. "Durch das Stimmen von Instrumenten können unsere Azubis aber etwas dazu verdienen", sagt Hübner. Nicht einfach ist auch der Blockunterricht, der sechsmal im Jahr für sechs Wochen in Ludwigsburg stattfindet. "Dort gibt es zwei Klassen mit je 20 Schülern", berichtet Maik Wirtz. Da es die einzige Berufsschule für Klavierbauer ist, kommen die Schüler nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus dem skandinavischen Raum.
Als Arbeitgeber honoriert Marcus Hübner das hohe Engagement seiner Azubis. Jedem stellt er ein Klavier zur Verfügung, ermöglicht Seminare mit Spitzenreferenten von Bechstein und Steinway. Maik Wirtz, der später auch seinen Meisterbrief erwerben will, schätzt diese Veranstaltungen: "Solche Spitzenkräfte zu erleben und auch mit ihnen ins Gespräch zu kommen, das sind schon ganz besondere Erlebnisse, die ich keinesfalls missen möchte."