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Studium: Was ist der Bachelor-Abschluss wirklich wert?

Studium: Was ist der Bachelor-Abschluss wirklich wert?

Unternehmer fragen sich, was sie mit einem Bachelor-Absolventen anfangen können. Der Uni-Absolvent hat Zweifel, ob er mit dem Bachelor bei einem Arbeitgeber landen kann. Auf beiden Seiten herrscht Unsicherheit. Alexander Knauf von der Uni Trier hat Erziehungswissenschaftler mit Bachelor genauer befragt. Mit überraschenden Ergebnissen.

Ist das der richtige Abschluss für das, was ich machen will? Wann ist der Master unbedingt notwendig? Wo setze ich als Unternehmer den Bewerber mit Bachelor-Abschluss ein? Fragen über Fragen, deren Beantwortung zurzeit wohl noch schwerfällt. "Sowohl Unternehmen als auch die Bachelor- und Masterabsolventen sind noch in einer Findungsphase", sagt Isabell Juchem, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Trier. Herauskristallisiert habe sich, dass der Master in den sogenannten Mint-Fächern - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik - empfehlenswert sei.
Am Ende des Bachelorstudiums, in dem Grundlagen und Arbeitsweisen vermittelt werden, steht ein qualifizierter Abschluss. Alexander Knauf, Diplom-Pädagoge und Dozent an der Universität Trier, hat im Rahmen seiner Doktorarbeit 121 Bachelor-Absolventen im Studienfach Erziehungswissenschaften unter die Lupe genommen. Das sind 40 Prozent derjenigen, die bislang in diesem Fach mit dem Bachelor abgeschlossen haben.
Knauf ist in seiner Studie "Endlich Bachelor - und dann?" zu überraschenden Ergebnissen gekommen: Rund 76 Prozent der Befragten machen den Master. Dabei kann noch lange nicht jeder Bachelor-Absolvent weiter studieren. Denn in den Prüfungsordnungen ist geregelt, wer zugelassen wird: Im Fach Erziehungswissenschaften ein Viertel der Jahrgangsbesten, und mindestens die Note 2.0 muss erreicht worden sein. Knauf: "Dennoch werden darüber hinaus auch Absolventen, die dies nicht erfüllen, zum Master zugelassen."
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Rund 16 Prozent sind mit dem Bachelor in der Tasche ins Berufsleben eingestiegen. Das Verblüffende: Sie arbeiten nicht in klassischen Berufsfeldern von Diplom-Pädagogen wie Hilfen zur Erziehung oder in Beratungsstellen, sondern in solchen von Heilerziehern und Erziehern.
In Zahlen: 21,4 Prozent der Befragten gaben an, in der Heimerziehung zu arbeiten. Mit etwas Abstand folgen Krippe, Kita und Elementarbereich, Schulsozial- und Schülerarbeit sowie Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung (jeweils 9,5 Prozent). "Dabei sind sie nicht für die Pflege oder als Erzieherin ausgebildet", betont Knauf.
Es wundert ihn nicht, dass die Hälfte der Mitmachenden angab, den Eindruck zu haben, in einem Feld zu arbeiten, das ihrer Qualifikation nicht entspricht. Einige Absolventen hätten auch rückgemeldet, dass ihr theoretisches Wissen in den Einrichtungen nicht geschätzt werde. Im Alltag fällt dem Doktoranden auch auf, dass Bachelor-Absolventen eine Hemmschwelle haben, sich auf klassische Pädagogenstellen zu bewerben. Selbst Angebote, die am schwarzen Brett an der Uni hängen, seien Ladenhüter, schildert Knauf. Aufgrund seiner Studie sowie der täglichen Arbeit mit Studierenden schlussfolgert Knauf, dass sich die Bachelor-Absolventen unsicher über den Wert ihres Abschlusses sind. Von einem der Hauptziele des Bologna-Prozesses, der Förderung von Beschäftigungsfähigkeit, scheint die Realität noch entfernt zu sein.
Laut Isabell Juchem sind von den 17 000 Angeboten in Deutschland 14 000 Studiengänge auf Bachelor- oder Masterabschlüsse umgestellt. Offenbar machen Raster wie der Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen und sein nationales Pendant (siehe Extra) weder Studenten noch Arbeitgeber sicherer. "Die Findungsphase wird noch eine Weile dauern", schätzt Juchem.
volksfreund.de/studiumExtra

Die Europäische Union (EU) hat ein Raster über die Bildung gelegt, damit Qualifikationen für die Arbeitswelt europaweit vergleichbar werden sollen: den EQR - Europäischer Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen. Auf nationaler Ebene gibt es das Ranglisten-Pendant: DQR - Deutscher Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (Quelle: www.dqr.de ). Die aktuelle DQR-Liste unterscheidet acht Niveaus: Der Bachelor rangiert auf Niveau sechs, neben dem Meister, dem geprüften Fachkaufmann, dem staatlich geprüften Techniker, Betriebswirt und Gestalter, dem Fachwirt sowie dem geprüften operativen Professional im IT-Bereich. Auf Niveau sieben wurde der Master platziert neben dem geprüften strategischen Professional im IT-Bereich. Am Ende der Liste, auf Niveau acht, steht die Promotion. (kat)