Vom Ein-Mann-Betrieb zum Spezialisten

Vom Ein-Mann-Betrieb zum Spezialisten

Einst ein Ein-Mann-Betrieb, heute eine Unternehmensgruppe mit sieben Firmenteilen im Südwesten Deutschlands: Die Pütz-Gruppe aus Saarburg ist ein Spezialist im Maschinenbau und von ihrer Unternehmenskonzeption her eine Ausnahme in der Branche.

Saarburg. Wer heutzutage Kunden im Maschinenbau gewinnen will, der muss sowohl in der Entwicklung als auch bei der Fertigung von Spezialaufträgen auf Zack sein. Gerade als Kleinunternehmen oder Mittelständler. Stefan Pütz aus Saarburg hat dies schnell verinnerlicht, als er 1988 als Ein-Mann-Betrieb sein Unternehmen gründete. Heute ist daraus eine eigene Firmengruppe mit sechs Firmenteilen im Südwesten Deutschlands und einer Auslandstochter geworden.
Aufkauf insolventer Betriebe


85 Mitarbeiter, 25 davon in der Saarburger Zentrale, arbeiten mit daran, komplette mechanische Lösungen bei Robotik, Batterieproduktion und Montage anbieten zu können - etwa für spezielle Verschraubautomaten, Batterie-Füllanlagen oder Roboterzellen für Schokoladenzellen in der Nahrungsmittelindustrie.
Durch Zukauf von insolventen Unternehmen mit Sonderwissen und Kunden aus der Automobilbranche oder von Betrieben, die keinen Nachfolger finden konnten, hat sich Pütz in seiner Branche den Ruf des Spezialisten eingeheimst. "Es gibt viele gute Maschinenbauer, aber nicht ebenso viele gute Kaufleute", sagt der Unternehmer.
Etwas, wovon sein Betrieb seit Jahren profitiert: Wachstum durch Zukauf und Weiterführung. Denn vor Ort entwickelt jedes Unternehmensteil (siehe Extra) seine Produkte selbst, die Saarburger Zentrale hält für Personal, Marketing und Controlling die Zügel in der Hand. Ein organisatorischer Sonderfall in der Branche und in Deutschland. "Der Vorteil: Wir sind sehr effizient und schlank. Der Nachteil: Ich selbst bin viel unterwegs", sagt der 51-Jährige.
Die Pütz-Gruppe muss im Maschinenbau flexibler als die Konkurrenz der großen Entwickler sein. "Wir können mit asiatischen Preisen nicht mithalten. Deshalb müssen wir schneller und innovativer sein", sagt der Geschäftsführer. Vor allem auf Technologie und Langlebigkeit lege er deshalb Wert.
Handel bis nach Indonesien


Waren es vor 25 Jahren vor allem die nationalen Kunden, so ist es für Stefan Pütz inzwischen ein Muss, bei Maschinenbaumessen auch in Asien vor Ort zu sein. Mit dem Zukauf neuer Unternehmenstöchter kam schließlich auch der Auslandshandel etwa nach Indonesien hinzu. Zu den Kunden gehören auf regionaler Ebene die Biebelhausener Mühle (Kreis Trier-Saarburg) und GKN Driveline (Trier), aber auch Batteriehersteller in den USA.
Der Unternehmer hat sich dabei das Ziel gesetzt: "Unsere Kunden sollen sich einen Profit, eine Verbesserung mit unseren Maschinen erkaufen", sagt er. Quasi ein dauerhafter Mehrwert im Gegenzug für die Investition in eine Pütz-Maschine. So seien derzeit unter anderem Anlagenkonzepte gefordert, die eine gewisse Taktzeit in der Produktion einhalten und dabei noch betriebswirtschaftlich für den Kunden arbeiteten.
Für die Pütz-Gruppe scheint diese Rechnung bislang aufzugehen. Der Gruppenumsatz liegt Ende 2012 immerhin bei rund elf Millionen Euro. Und das Unternehmen will weiter wachsen. "Es gibt nach wie vor viele Möglichkeiten Betriebe hinzuzukaufen", sagt Stefan Pütz. Aber es hänge davon ab, welche spezielle Technik ein Unternehmen aufweisen könne, um in den Bedarf der Pütz-Gruppe zu passen.
Extra

Zur Pütz-Gruppe gehören neben der Saarburger Zentrale und der Niederlassung in Limburg noch seit 2004 der Standort PMC in der Slowakei und seit 2007 die Bellaform aus Gau-Algesheim. Ihr Schwerpunkt sind Extrusionsanlagen, die Kunststoffteile etwa für Strohhalme, Wattestäbchen oder Kugelschreiber-Röhrchen herstellen. 2010 kam die Tochter Sampas bei Stuttgart hinzu mit hochautomatisierten Fräsen, 2012 die Tochter Rico aus Aalen mit Maschinen für die Getränke- und Verpackungsindustrie sowie als Neuling in diesem Jahr die Firma Hirscheider aus der Oberpfalz mit Endbearbeitungsmaschinen. sas